Grünbacher zu Gast bei Bundespräsident

Auf staatsmännisches Parkett begibt sich Dr. Wolfgang Strobel am 7. September in Berlin. Der engagierte Ex-Chef des Grünbacher Kultur- und Heimatvereins steht auf der Gästeliste von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Grünbach - "Ich war überrascht und erfreut über die Einladung ins Schloss Bellevue. Eher hätte ich mit einem Fünfer im Lotto gerechnet", sagt Wolfgang Strobel, der sich kurz drauf auch schon mit Ehefrau Christa zum Shoppen nach Plauen aufmachte.

Denn zu Steinmeier darf man nicht in Jeans und Schlabberhemd. Dresscode - in diesem Falle Anzug und kurzes Cocktailkleid - sind gesetzt. Mit dunkelblauem Anzug fühlt sich Wolfgang, und Christa Strobel im roten Spitzenkleid für den Auftritt samt Diner wohl gekleidet. "Plauener Spitze wohlgemerkt", sagt die Frau des Hauses, die die Vogtländer noch als Verwaltungschefin des Klinikums Obergöltzsch kennen.

Ehrengast beim Bundespräsidenten ist Wolfgang Strobel wegen seines unermüdlichen Engagements als Chef des Grünbacher Heimatvereins für lange zehn Jahre (2006 bis 2016). Vorgeschlagen wurde der heute 75-Jährige wohl von der Sächsischen Staatskanzlei, wie vom Bundespräsidialamt bestätigt wird. Wie er zu der Ehre kommt, kann der Grünbacher nicht in Gänze herleiten. Vor zwei Jahren sei er schon einmal nominiert worden für den sächsischen Bürgerpreis - bei der Nominierung indes blieb es.

Den Chefhut des Heimatvereins aufsetzen ließ sich Strobel im Jahr 2006. Das Jahr, in dem er in den Ruhestand ging. "Jawohl, das mach? ich!" hat Strobel, der nach einer neuen Aufgabe im Unruhestand suchte, damals gesagt. Dabei fand der studierte Maschinenbauer den Kontrast zu seinem eher technisch ausgerichteten Berufsleben reizvoll. "Als Techniker macht man auch die Kultur mit Akribie und Genauigkeit", so Strobel augenzwinkernd.

Eine Eigenschaft, die manchem im Verein wohl ein wenig auf die Nerven ging, wirft Ehefrau Christa ein - doch am Ende effektiv war. Nach dem Studium an der Technischen Hochschule Chemnitz (1961 bis 1967), zog es den gebürtigen Grünbacher als Lehrer im Hochschuldienst an die Ingenieurhochschule Zwickau (1970 bis 1988), war dort viele Jahre wissenschaftlicher Oberassistent und promovierte im Spezialgebiet der Technischen Mechanik, ehe er der Nähe wegen an die Fachschule für Ökonomie (später BSZW) Rodewisch als Informatiklehrer wechselte.

Sein Spezialgebiet Datenverarbeitung kam auch dem Heimatverein zugute. Akribisch pflegt Strobel bis heute Künstler- und Gästekontakte, Maillisten, gestaltet Plakate, hält den heißen Draht zu den Medien, verschickt Einladungen, stellt Events auf die Beine. 30.000 Gäste kamen in den vergangenen zehn Jahren zu 120 Veranstaltungen ins kleine 1.800-Seelen-Dorf - ein Erfolg des 125 Mitglieder zählenden Vereins, den es erst mal nachzumachen gilt.

Zwölf Mal im Jahr macht der Heimatverein mit Themen-Veranstaltungen auf sich aufmerksam. Beginnend mit der "Musik zum neuen Jahr" - endend mit dem Adventskonzert. Dazwischen liegen Kräutertag zur Kirmes, die Pilzausstellung, Pfingstsingen, Wanderungen, Ausfahrten und schließlich zwei Dixielandfrühschoppen. Letztere sind Wolfgang Strobels besonderes "Baby". Als Jugendlicher selbst mal ein wenig Flügelhorn spielend, liebt Strobel die Musik und den Swing, den bekannte Dixieland-Formationen immer wieder ins Dörfchen bringen.

Im Herbst freue er sich schon auf die Elb Maedow Ramblers, für deren Konzert sich sogar Gäste aus dem ganzen Vogtland und Südwestsachsen angesagt haben. Strobel: "Unsere Turnhalle ist immer gerammelt voll." In diesem Jahr wird 35 Jahre Dixieland in Grünbach gefeiert. Vor zwei Jahren trat Wolfgang Strobel in die zweite Reihe seines Vereins zurück - den Vorsitz hat Ex-Bürgermeister Thomas Rosenbaum übernommen; Wolfgang Strobel bleibt jedoch der Mann für die Pressearbeit und die speziellen Kontakte.

Dass im Dorf die Kultur von jeher zu Hause ist - man denke an Leonore Klotz und ihre Folkloristen, an Erika Reuter, Musiker Manfred Mangold und Birgit Weidlich - das ist Verdienst vieler. Vereine, wie Feuerwehr, Sport- und Reitverein sowie die Schule greifen einander unter die Arme, gilt es in Grünbach was zu Stemmen.

Das Engagement der Ehrenamtler eben. Nur die Politik müsste da noch etwas mehr mitziehen, so Strobels Wunsch. "Wenn ich Gelegenheit hätte, ein paar Worte mit dem Bundespräsident zu wechseln, würde ich ihm sagen, dass ich seine Arbeit sehr schätze - und dass ich mir wünsche, dass unsere ländlichen Regionen nicht so abgehängt werden."

Vor dem Trip nach Berlin erholt sich Ehepaar Strobel nun erst mal in Südtirol - dort, wo es jedes Jahr einmal hingeht. Mindestens. "An erster Stelle steht bei uns das Reisen, dann Haus und Garten sowie Theaterbesuche in Bad Elster - und natürlich der Heimatverein."