Großer Knall und offene Frage

Das Zusammenleben während der Ausgangsbeschränkungen in der Corona-Zeit war nicht einfach. Auch zwischen Antonia und ihrem Ehemann kriselt es gewaltig. Der Generalintendant des theaters Plauen-Zwickau, Roland May, brachte die "Offene Zweierbeziehung" mit aktuellen Bezügen Open Air vors Malzhaus.

Von Gabi Kertscher

Plauen Generalintendant und Schauspieldirektor am Theater Plauen-Zwickau, Roland May, hat den Komödien-Klassiker umgeschrieben und der jüngsten Vergangenheit angepasst. Er zeigt auf eine humoristische Art und Weise, wie aus dem Hausweibchen Antonia eine selbstbewusste berufstätige Frau wird.
Regisseur May lässt die Darsteller in seiner "Offene Zweierbeziehung (in Zeiten von Corona)" auf der kleinen Bühne des Malzhauses springen, tanzen und sich gegenseitig bedrohen.
Antonia wird von Else Henning gespielt, die ihrem Ehemann ebensolche Hörner aufsetzt, wie er ihr in den letzten Jahren vor Corona. Die beiden haben sich auf eine "Offene Zweierbeziehung" geeinigt. Die Frau zieht aus, der Ehemann kreuzt ständig bei ihr auf. Er verträgt alles, nur nicht, dass auch sie sich neu verliebt - in einen nobelpreisverdächtigen Atomphysiker mit Doktortitel. Das ist zu viel für den Angestellten. Während anfangs die Frau fast täglich mit Selbstmordgedanken befasst war, kommt jetzt der Ehemann in die Suizid-Spirale. Eine Pistole wird zum Objekt der Begierde und wechselt von ihr zu ihm. Ein Schuss löst sich und trifft Antonia am Bein. Statt den Notarzt zu rufen, kommt der Göttergatte mit Toilettenpapier zum Verbinden.
"Es ist ja doch bloß ein Streifschuss!" Am Ende des Stückes will der Ehemann mit einem Fön in die Wanne steigen. Die vom Frauchen entfernte Sicherung verhindert dessen Selbstmord. Ein turbulentes Stück endet mit einem großen Knall und der offenen Frage, ob sie beide oder nur einer das Bad mit dem elektrischen Gerät überstanden haben.
Bühnenbild und Kostüme wurden von Claudia Charlotte Burchard geschaffen. Mit einer Vielzahl an Toilettenpapierpackungen erinnert die kleine Wohnung von Antonia an die Hamsterzeit im Frühjahr dieses Jahrs. Thomas Essers "Lied des Professors" wird schwungvoll wiedergegeben.
Eigentlich schade, dass das 60-Minuten-Stück nur drei Mal im Malzhaus zu sehen war.
Mit Platzanweisung und Maskenpflicht wurden die Zuschauer von Theatermitarbeiterinnen an die wenigen Tische begleitet. Der Kampf der Geschlechter, ganz aktuell mit den derzeit geltenden Abstandsregelungen als Open-Air-Freiluftproduktion im Malzhaus, war ein Erlebnis und nach der langen Theaterabstinenz ein echter Höhepunkt im Kulturleben der Stadt.