Großer Bahnhof für Talsperre Pirk

Gefeiert wurde eine "alte Dame". Vor genau 80 Jahren, am 6. Juli 1939, wurde die Talsperre Pirk eingeweiht. Begonnen hatte der Bau 1935 als Notstandsmaßnahme angesichts der hohen Erwerbslosigkeit im Vogtland.

Von Renate Wöllner

Oelsnitz/Taltitz -   Vor 80 Jahren, kurz vor Ausbruch des 2. Weltkriegs, wurden zur Einweihungsfeier unter der Hakenkreuzfahne Volkstänze aufgeführt. Daran wollte am Samstag niemand erinnern. Die Landestalsperrenverwaltung (LTV) hatte zum Tag der offenen Tür eingeladen und ein buntes Festgelände organisiert.
Feierlich eingeweiht vor zahlreichen Gästen wurde die neue Ausstellungsfläche am Südende der Staumauer. LTV-Geschäftsführer Heinz Gräfe aus Pirna würdigte sie als Ergebnis der Projektarbeit von Wasserbaulehrlingen. 
Drei Jahre lang ab 2016 hatten Auszubildende im zweiten Lehrjahr die Anlage mit 15 Schautafeln, Sitzflächen und Bepflanzung geplant und aufgebaut. 
Anschaulich informiert wird über Geschichte, Steuerung, Überwachung und Bewirtschaftung der Talsperre, ergänzt durch historische Fotos und Grafiken. Die technischen Exponate auf dem Platz - Rollschützen und Antriebsventile - taten einst ihren Dienst in der Staumauer. "Mit wenig Geld toll geworden", lobte Gräfe. 
Ein Grußwort sprach der Oelsnitzer Oberbürgermeister Mario Horn. Er hob die Bedeutung der Talsperre für den Hochwasserschutz und als Naherholungsgebiet für die Große Kreisstadt hervor. Beim Durchschneiden des Bandes wollten viele mittun - auch Landtagsabgeordneter Andreas Heinz, Betriebsstättenleiter Gerd Zobel und Christian Seidel, der Geschäftsführer der Naherholung Talsperre Pirk, schwangen die Schere. 
Im Mittelpunkt des Interesses stand der Rundgang durch die 250 Meter lange, am Fuß 15 Meter breite Staumauer. Ihr Bau aus Spezialzement durch die Zwickauer Firma Werner Modes hatte im Mai 1937 begonnen. 
Im Reich von Staumeister Matthias Schwanke und seiner zwei Mitarbeiter drängten sich die Besucher vom Schieberhaus die enge Treppe zum Kontrollgang hinunter und warfen dabei einen Blick in den Turbinenraum. Die Staumeisterei entscheidet, wieviel Wasser über die Grundablässe in die Weiße Elster abgegeben wird. Am Steuermesspegel in Straßberg muss die Mindestdurchlaufmenge von 1,2 Kubikmeter pro Sekunde erreicht werden, informierte Schwanke. Die Niedrigwasseraufhöhung ist eine der wesentlichen Aufgaben der Talsperre. Zur Zeit verfüge die Pirk trotz der anhaltende Trockenheit noch für zwei Monate genug Wasser, um den Mindestwasserstand in der Weißen Elster aufrecht zu erhalten. 
Die Funktionstüchtigkeit der Grundablässe, der Fischbauchklappen und der Rollschützen - ein Tor, das auf Schienen läuft und im Notfall zugefahren wird - als Schutz vor eindringendem Wasser werde ständig überprüft. Die leistungsfähige Hochwasserentlastungsanlage mit festem Kronenüberlauf von 90 Metern bezeichnet Schwanke als einzigartig in Sachsen. Zwei der sechs Überlauffelder - die sogenannten Fischbauchklappen - haben jeweils 15 Meter lange bewegliche Elemente. 
Der Staumeister verweist auf zahlreiche Baumaßnahmen der LTV in den vergangenen Jahren. Jüngstes, kurz vor der Feier abgeschlossenes Projekt ist die Sanierung des Oberen Bahnschutzdammes nach dem Maihochwasser von 2018. "Die nächste große Sache", so Schwanke, "ist die Erneuerung der Ringkolbenventile", ein Vorhaben, das Ende 2020 beginnen soll.
Für Kinder stand im Festzelt eine Spiel- und Bastelecke bereit. Beim Quiz konnten die Gäste ihr Wissen über die Talsperre testen und kleine Preise gewinnen. Im Kinozelt liefen Filme zum Thema Wasser und über die Landestalsperrenverwaltung. Die Flussmeisterei Plauen zeigte ihre Spezialtechnik. Um von den umliegenden Parkplätzen zum Festgelände zu kommen, hatte die LTV einen kostenloser Shuttle-Service eingerichtet. Die Sonne meinte es fast zu gut. Die längste Schlange bildete sich am Eisstand.