Große Oper - vorerst konzertant

Zu erinnern ist an die Aida-Inszenierungen von 1951 in Plauen und, für viele unvergessen, die von 2001 im Parktheater mit lebendem Elefanten. Für Samstag war erneut ein großer Wurf geplant, doch die Premiere musste konzertant stattfinden.

Von Lutz Behrens

Plauen - Da war es also am Ende gar nicht so dramatisch, dass Kostümbildnerin Ágnes Hamvas vor einer Woche zur "Aida"-Matinee vor geballter männlicher Übermacht kaum zu Wort kam, um ihre Intentionen vorzustellen. Musste sich doch die "Premiere" jeglicher Kostümierung enthalten, und es gab, außer Lichteffekten, auch kein Bühnenbild. Denn wegen Erkrankung mehrerer Solisten blieb am Samstag (um die Premiere nicht ganz ins Wasser fallen zu lassen) dem Vogtlandtheater nur das Angebot einer konzertanten Aufführung. Das ist ja eigentlich auch kein Beinbruch, doch wer sich, gerade bei der Ausstattungsoper "Aida", auf eine opulente Opernorgie mit nordafrikanischem Gepräge eingestellt hatte, dem musste allein durch die Kraft der Musik und der Stimmen der aufgebotenen Solistinnen und Solisten und der Chöre, kombiniert mit einer Menge eigener Phantasie, das Ganze zu einem Kunsterlebnis der besonderen Art werden, was durchaus gelingen konnte. 
Stimmlich überzeugten die beiden Ensemblemitglieder Johanna Brault (als ägyptische Königstocher Amneris), die explizit starken Beifall erhielt und durchaus auch eines Handkusses von Leo Siberski wert gewesen wäre, und Frank Blees, der einen sehr guten Oberpriester Ramfis abgab. Daneben sangen, ebenfalls vom Haus, Christina Maria Heuel (Priesterin) und André Gass (Bote); Tobias Peschanel, der als Gast für die Premiere als Zweitbesetzung vorgesehen war, gab konzertant den ägyptischen König und setzte mit schlechtsitzendem Anzug und rotem Schlips besondere Akzente, was ihn wohl dazu bewog, den Schlussbeifall zu ignorieren. Viel Applaus und Bravos erhielt Camila Ribero-Souza, die als Gast die Titelpartie in höchsten Tönen mit herausragender Stimme sang. Auch die beiden als Gäste verpflichteten Herren Valeriy Georgiev (Rademes) und Alik Abdukaymov (als äthiopischer König Amonasro und Vater Aidas) waren eine gute Wahl. Irritierend allein, dass sich über die eingeblendete Übersetzung der auf Italienisch gesungenen Texte nicht erkennen ließ, dass sich Amonarosa den Ägyptern nicht als äthiopischer König zu erkennen gibt und behauptet, er habe den toten König der Äthiopier in den Armen gehalten. 
Beeindruckend und besonders hervorzuheben sind die stimmlichen Leistungen der verschiedenen Chöre, also Opernchor und Extrachor sowie der Mitglieder der Singakademie Plauen, die auch alle ihre Texte ohne Hilfsmittel italienisch zum Besten gaben. 
Im Orchestergraben unter der Leitung von Generalmusikdirektor Leo Siberski musizierten auf grandiose Weise ohne Ausnahme die Damen und Herren des Philharmonischen Orchesters Plauen-Zwickau. Und ihnen gelangen die leisen, hauchzarten Töne ähnlich brillant wie sie die gewaltige, alles ausfüllende Klangfülle meisterten, die Verdi in seiner Komposition auch abverlangt. Das gipfelte in einem bei aller ohrwurmartigen Trivialität harmonischen Triumphmarsch, der mit schmetternden Aida-Trompeten (aus der Loge!) ein besonders wirkungsvolles Gepräge erhielt. Wurden also zur Matinee die musikalischen Kontraste als das wesentliche Gestaltungsmittel dieser großen Verdi-Oper theoretisch bestimmt, so erfüllte sich dies auch konzertant und in praxi auf das Schönste. 
Angedeutet wurde von Generalintendantn Roland May, dass es beabsichtigt sei, bereits am Sonntag zur nächsten Aufführung der Oper, wenn möglich, eine Premiere dann mit allem Drum und Dran anzubieten. Das ist dem Publikum und dem Haus sehr zu wünschen, wenngleich die Besucher der konzertanten Variante durchaus auch auf ihre Kosten kamen.