Groß feiern: Das kommt nicht in die Tüte

Die Zuckertüten samt süßem Inhalt für 1683 vogtländische Abc-Schützen sind so groß und reichhaltig wie eh und jeh. Geschrumpft sind im Corona-Jahr 2020 lediglich die offiziellen Schulanfangsfeiern.

Von Cornelia Henze

Plauen Wird es überhaupt eine Schulanfangsfeier geben? Diese bange Frage stellten Eltern eines Schulstarters schon vor Wochen. "Ja, es gibt Feiern. Jedoch klein, aber fein", sagt Arndt Schubert, Sprecher im Landesamt für Schule und Bildung Zwickau. Mindestpersonenzahl, Abstand halten, kein Händeschütteln und ein kurzes Kulturprogramm: An diese Momentaufnahmen werden sich Schulanfänger, deren Eltern und Lehrer später an die Einschulung 2020 erinnern. Bis wenige Tage vor dem großen Tag - diesen Samstag - feilen Grundschuldirektoren und -lehrer am Programm. Stringente Auflagen, die vor den Sommerferien galten, können jetzt schon gelockert sein.

So wie an der Grundschule Treuen. Ursprünglich hätten nur die Eltern mit zur Feier gedurft - nun hat Schulleiter Steffen Thümmler diese auch für Geschwisterkinder geöffnet. "Mir ist es wichtig, dass unsere Schulanfänger und deren Familien eine schöne Feier haben, weil es bei uns zur Tradition nun mal dazugehört", so sein Standpunkt. In der Turnhalle ist Platz genug für zwei separate Feiern für die beiden 23 und 22 Abc-Schützen zählenden Klassen. Wie alle Jahre werden ältere Grundschüler ein Instrumentalstück spielen, Gedichte auf sagen, Theater spielen. Erstmals werden die Zuckertüten nicht durch die Klassenlehrer überreicht, sondern diese warten in einem Ständer auf jedes Kind. Steffen Thümmler geht davon aus, dass in den meisten Familien am Nachmittag so gefeiert wird, wie es im Osten nun mal seit Jahrzehnten üblich ist: Größer und in Familie, zu Hause im Garten oder in der Gaststätte.

Etwas strenger geht es zur Schulanfangsfeier in der Grundschule Thoßfell zu, jedoch nicht nur wegen Corona. "Unsere Turnhalle wird gebaut, deshalb bleibt uns nur das Klassenzimmer, in das wegen Raumenge die Eltern nicht mit hinein dürfen", sagt Schulleiterin Katja Ferter. Ergo warten Eltern und Geschwister auf dem Schulhof, während die Kids im Klassenzimmer ihren Klassenlehrer kennenlernen. Über die Feuertreppe dürfen die Eltern ins Schulhaus gelangen und von der Tür aus das kleine Programm verfolgen, das dieses Jahr freilich nur vom Video kommt. Um der eingeschränkten Feier einen Höhepunkt zu geben, hatte eine Mutti die örtliche Feuerwehr alarmiert. Sobald die erste Schulstunde vorbei ist, rückt die Thoßfeller Feuerwehr mit den Zuckertüten im Gepäck an. Im Schulhof heben dann die Eltern die Tüten vom Feuerwehrauto und übergeben sie ihren Sprösslingen.
Geschwisterkinder von Abc-Schützen, die an der Oelsnitzer Grundschule Am Stadion eingeschult werden, sind von der Feier diesmal ausgeschlossen. Nur die Eltern sind in den Saal der Berufsschule geladen. Auch dort bekommt jede der zwei Klassen ihre eigene Feier mit kleinem Programm.

Immerhin drei Gäste darf jeder Schulanfaänger der Grundschule Erlbach ins "Alte Schloß" mitbringen. Ob das Oma, Opa oder das Geschwisterkind ist, das muss jede Familie selbst entscheiden. Bleibt zu hoffen, dass diese Frage nicht im handfesten Familienstreit endet. Vom Ratskellersaal in die kleine Schulaula hat die Schiller-Grundschule Rodewisch ihre drei Feiern verlegt. Auch dort bleibt die Gästezahl überschaubar.

Und wie läuft der Schulalltag ab Montag, wenn das große Feiern vorbei ist? "Es gilt keine zentrale Maskenpflicht", sagt Arndt Schubert. Allerdings kann jeder Schulleiter individuell entscheiden, ob und wo im Schulhaus ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden sollte - beispielsweise in engen Treppenaufgängen. Die Liste, in die Eltern eintragen, ob ihr Kind gesund ist oder nicht, gibt es per neuem Schuljahr nicht mehr. Genauso gilt wieder die Schulbesuchspflicht: Eltern dürfen ihr Kind vom Unterricht also nicht einfach so fern halten und zu Hause lassen. Eltern, die ihren Abc-Schützen bis an die Klassenzimmertür begleiten - und das ist durchaus üblich - dürfen das nicht ohne Maske.

Die ersten beiden Wochen werden Grundschüler vorwiegend von ihrem Klassenlehrer beschult. Der Grund sei, um deren Lernstand und mögliche Defizite abzufragen, die sich aus dem vorigen Schuljahr durch den ausgefallenen Präsenzunterricht ergeben haben könnten. Auch an Oberschulen und Gymnasien sind Fachlehrer angehalten, auf Lernlücken, resultierend aus dem Corona-Schuljahr, zu achten und versäumten Stoff aus dem alten Schuljahr nachzuholen.
Innerhalb der Klassen ist das Abstandhalten aufgehoben. Banknachbarn gibt es also wieder, genauso wie Sport. Und im Musikunterricht wird wieder gesungen