Groß denken ist Programm

Es gibt viel mehr als Corona, meint Rodewischs Bürgermeisterin Kerstin Schöniger. Die Kommunalpolitik und und zwei Handvoll guter Projekte rund um die Stadtentwicklung laufen in Rodewisch weiter.

Von Cornelia Henze

Rodewisch Es gäbe wohl kein auf die Stadtchefin besser passendes Arbeitsmotto als das von "Think big": Mit Weitblick verfolgt sie das Ziel, dass die vier Göltzschtalkommunen enger zusammenrücken, mehr gemeinsam anpacken, Synergien nutzen, Geld sparen. Im Stadtbauamt werden Baupläne gewälzt und per Videochat können normale Rodewischer Bürger über die Zukunftsstadt nach Herzenslust mitdiskutieren. Nebenan im Meldeamt holt dann auch Rodewisch die harte Realität ein. 92 Sterbefälle - viele davon im Klinikum Obergöltzsch - hat Standesbeamtin Yvonne Günnel allein im Monat Dezember beurkundet, doppelt so viel wie im Dezember des Vorjahres. Da waren es nur 44. Deutlich sei das wohl auf die Pandemie zurückzuführen, sagt Schöniger, in deren Stadt übers ganze Jahr gesehen 94 Rodewischer starben, aber nur 42 Babys geboren wurden, immerhin 285 Menschen Neu-Rodewischer wurden, aber 245 aus der Stadt wegzogen. Summasummarum leben in Rodewisch aktuell zwölf Einwohner weniger als im Vorjahr. Dem gilt es gegenzusteuern.


 Bauland bereitet die Stadt aktuell an der Bahnhofstraße vor. Dort, wo vor einiger Zeit noch Kleingärten waren, wird ein neues Wohngebiet mit Land für rund 18 Eigenheime entstehen. Im Dichterviertel an der Goethestraße, das von der Firma Willgeroth erschlossen wird, soll es endlich voran gehen. Fünf Eigenheime sind geplant. Das Jahr 2022 steht für die Fertigstellung. "Es gibt viele Anfragen von Familien, die in unsere Stadt ziehen wollen. Mit diesen Wohnangeboten können wir die Warteliste gut abarbeiten." Junge Familien, das heißt, dass die Stadt an der Göltzsch Kita-Plätze schaffen muss.


 Oberste Priorität hat daher 2021 der Neubau des Kindergartens im Stadtzentrum in Trägerschaft der Diakonie. Der soziale Träger wollte ursprünglich auch Bauherr sein. Doch wie sich im vorigen Jahr herausstellte, war die Diakonie der Bauherrenaufgabe mit all den zu bewältigenden bürokratischen Hürden nicht gewachsen, so dass die Stadt kurzerhand die Bauherrschaft selbst übernahm. Schöniger: "Wir sind daher ein Jahr in Bauverzug." Der macht es auch nötig, dass der alte, stillzulegende Kindergarten "Schwalbennest" für ein Jahr mehr die Betriebserlaubnis erhält und auch sonst umgeplant wird. Der "Neue" wird einen Tick kleiner, kann statt 125 künftig nur 100 Kinder aufnehmen. Dafür wird 2021 das Dachgeschoss der Kita Zwergenland ausgebaut, welches die fehlenden 25 Kinder damit aufnehmen kann. "Das Dachgeschoss war eigentlich unser Extra-Puffer, den wir damit verloren haben. Sollte es einmal Mehrbedarf an Kita-Plätzen geben, wird es eine Lösung geben. Da bin ich mir sicher", sagt Schöniger optimistisch.


 Mittelpunkt der Erde ist Rodewisch nicht, aber mit dem Busbahnhof und neuem ÖPNV-Konzept entwickelt sich die Stadt zum Verkehrsknotenpunkt im Vogtland. Nachdem die Ausbaupläne des 40 Jahre alten und "in die Jahre gekommenen" Busbahnhofes 2020 zunächst aufs Wartegleis gerieten, weil sich das neue Busliniennetz noch in der Findungsphase befand, soll es nun dieses Jahr losgehen. Der Probelauf des Liniennetztes habe nun offiziell die Probezeit bestanden. Damit soll 2021 der Fördermittelantrag nach Dresden gehen, damit Busse aus der ganzen Region ab 2022/23 die moderne Verkehrsinsel im Herzen Rodewischs ansteuern können. Der Bauherr Rodewisch rechnet mit 80 Prozent Förderung des 1,4-Millionen-Euro-Bauprojektes.
 In der Warteschleife wird auch 2021 die Umgestaltung der Schlossinsel bleiben - zugunsten des Kindergartens, des Busbahnhofs und dem Umbau der
 Göltzschtalhalle: Der Sporthalle wird aufs Dach gestiegen. Selbiges wird erneuert, ebenso Heizung, Lüftung, Fenster und Türen. Nach vielen Jahren wird die Halle energetisch auf Vordermann gebracht, um Betriebskosten zu senken.Anfang Februar geht es los, denn die Zeit drängt. Bis Jahresende muss das Fördergeld (1,4 Millionen = 100 Prozent) verbaut sein, damit selbiges nicht verfällt. Dafür werden die Schulen ihre Sportstunden ab dem Frühjahr in dei eigene Halle (Gymnasium), das leergezogene Reno-Gebäude (Grundschule) und in die Schloss-Arena Auerbach (BSZ) verlegen.


 Schandfleck der Stadt bleibt das alte Kinderheim an der Lindenstraße. Dessen Besitzer aus Baden-Württemberg das alte "Sonnenland" verfallen lässt und bisher auf keine schriftliche Anordnung der Stadt reagierte. Mit der Öffentlichen Bekanntmachung einer "Duldung" im Rodewischer Boten soll 2021 der Weg für einen Abriss durch die Stadt frei gemacht werden. Entstehen werden dort Parkplätze für Besucher der nahen Insel.
n Schmuckstück der Stadt wird ein Wasserspielplatz für die Kinder gegenüber der Schlossinsel am alten Badgelände. 300.000 Euro gibt es dafür von EU, Bund und Land - 10 Prozent investiert die Stadt selbst.
 Wackelkandidaten bleiben wegen Corona sämtliche Feste wie Jawatreffen, Kirmes und das geplante Sommerkino von Matthias Ditscherlein. Das letzte große war 2020 die Einweihung der Parkbrücke, zu der hunderte von Menschen kamen und Rodewisch fast zum Hotspot wurde. "Daran hat man gesehen, wie ausgehungert die Menschen nach einem Volksfest waren", so Kerstin Schöniger.