Griechen im Vogtland in Sorge ums Heimatland

Margarete Karavasilis ist Deutschgriechin, sie heiratete vor vielen Jahren einen Griechen, denkt und fühlt wie eine Griechin und führt ein griechisches Lokal in Plauen. Seit Monaten beobachtet sie mit Sorge, wie es den Menschen in ihrem zweiten Heimatland geht, wie schwer es für die Familien ist, schlicht "durchzukommen". "Es sind immer die kleinen Leute, die die Zeche zahlen müssen.

Und das hat zur Folge, dass sie immer weniger Geld in der Tasche haben. Den Alltag zu meistern ist schier unmöglich geworden", sagt die 46-Jährige im Gespräch mit dem Ihre beiden Söhne Spiriton und Alexandros sind gerade in Griechenland. Sie wohnen in Trikala in Zentralgriechenland. "Das ist dort, wo die Meteora-Köster stehen, eine schöne Gegend", erzählt die Mutter. Alexandros leistet seinen neunmonatigen Wehrdienst. Spiriton, ein Fachmann für Steuer und Buchhaltung, sucht Arbeit.

Die Lebensbedingungen und das Atmosphärische lassen sich auf einen Nenner bringen, sagt die Plauenerin: "Es ist eine Katastrophe." Das Leben sei wie erstarrt. Die Leute kauften kein oder kaum Heizöl, denn der kleine Mann hat keine "Kohle" mehr. Viele kleine Läden und Kioske, ein Teil der Alltagskultur im Land, seien geschlossen. "Früher sind die jungen Leute, auch meine Söhne, schlendern gegangen und zu einem Kaffee in ein Lokal. Jetzt wird nur noch spazieren gegangen, ohne Kaffee und Vergnügen." Die einzigen, die das alles noch so packen, seien die mit Geld und ordentlich Eigentum und im Handel die großen Ketten. Ironie der Lage: "Lidl und Diska haben Zulauf, die bieten geringere Preise. Und verkaufen Milch und andere Waren aus Deutschland. Die kleinen griechischen Händler gehen in die Knie, ihre Ware bleibt liegen", erzählt Karavasilis.

Anhand der Preise, die Margarete Karavalis als Beispiele nennt, rechnet sich für den Zuhörer die Lage ernüchternd aus. "Die Lebensmittel sind sehr teuer im Verhältnis zu den Einkommen. Zucker kostet mehr als zwei Euro, Milch, 2,50, ein Weißbrot an die drei, Wein sechs. Auch Obst, Gemüse, Fleisch sind kaum zu bezahlen." Nebenbei erwähnt die Mutter von Soldat Alex, dass dieser 8,90 Euro Wehrsold pro Monat erhalte. Und noch eine Zahl lässt staunen. "Meinem Sohn haben sie eine Stelle als Steuerberater angeboten in einer Kanzlei. Der Lohn sollte 350 Euro betragen." Er habe abgelehnt und sucht weiter Arbeit mit fairen Bedingungen.

Die Situation, die der laufende Fernseher überträgt, bringt die Lage im Land Hellas auf den Punkt. Die Moderatorin im Studio in Deutschland fragt: "Wirken die Sparmaßnahmen schon?" Der Reporter der ARD, auf einer Straße im Zentrum der griechischen Hauptstadt stehend, antwortet: "Ja, man sieht sehr viele arme Leute in Athen. Die Armut ist stark angestiegen." Margarete Karavasilis findet, dass das Spar- und Hilfspaket weder spart noch hilft. Margarete Karavasilis philosophiert geradezu: "Das Geld kommt den Griechen nicht zu Hilfe, es landet bei den großen Banken. Klar, ist dann die Wut groß da unten. Aber ich muss auch sagen, das die Leute dort, außer ein paar Idioten, sachlich sind und wissen, dass sich was tun muss. Das, was die Griechen jetzt brauchen, ist Zeit und etwas Luft zum Atmen. Ein Plan für einen Aufbau muss her."