Grenzturm als Museum

30 Jahre Deutsche Einheit: Der Vogtlandkreis wollte groß feiern - wegen Corona fällt alles eine Nummer kleiner aus mit Festkonzert, Gottesdiensten und einer Wanderausstellung, die an 1989/90 erinnert. Und ein Bauwerk an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze steht im Fokus: Jeder sieht es rechts der Autobahn, wenn er Sachsen in Richtung Bayern verlässt.

Plauen/Heinersgrün - Der Grenzturm Heinersgrün ist ein Zeitzeuge der Wendezeit: Seit Ende 2019 gehört er dem Vogtlandkreis. "Es gibt Überlegungen und Gespräche, dass der Turm eine Außenstelle des Deutsch-Deutschen Museums Mödlareuth wird", sagte Lars Beck. Der Wirtschaftsdezernent des Vogtlandkreises stellte in einem Pressegespräch die Pläne vor:
Der Turm wurde nach der Wende verkauft und durch Sprayer mit Sympathiebekundungen für ihren Fußballverein verziert, die von der A72 zu sehen waren. Beck zufolge hat der Kreis den Turm dem Privateigentümer abgekauft, der anfänglich Preisvorstellungen hatte, die sich realisieren ließen, wenn das Bauwerk in Dresdens Zentrum stünde. "Es waren schwierige Verhandlungen, aber wir haben am Ende einen vernünftigen Preis erzielt."
Staatssekretär Dr. Frank Pfeil hat im Juni einen Fördermittelbescheid über 45.000 Euro übergeben. Seither sei viel geschehen, sagte Beck: Zum einen wurde der Dachaufbau abgenommen und die Fassade gereinigt. Auch ein neues Geländer wurde montiert. "Derzeit erfolgen Arbeiten, um das Dach abzudichten und den Blitzschutz zu gewährleisten. In den nächsten beiden Jahren sollen die Fassadensanierung ausgeführt sowie das Innere des Turmes instand gesetzt werden. Fenster werden eingesetzt und die Stahlträger gegen Korrosion geschützt." Die Gestaltung der Außenanlage sei für 2022 geplant - Zuwegung, Parkplatz, Schautafeln. Wie Beck erklärte erfolgen alle Arbeiten in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz.
Damals hätten Brandschutz und Sicherheitsbestimmungen nicht die Rolle gespielt wie heute, wenn es Besucher in dem Gebäude gebe. Das verteuere die Sache. Laut Beck wolle man soviel Originalität wie möglich im Turm erhalten und brauche dafür soviel Sicherheit wie nötig. Er bezifferte die Gesamtkosten auf maximal 260.000 Euro.
Schon der Ankauf des Turmes war im Kreistag behandelt worden. Wenn weiteres Geld benötigt werde, wird das wieder nötig. Landrat Rolf Keil "freut" sich schon jetzt auf die zu erwartenden Diskussionen mit der Linkspartei, di e das Projekt ablehne.
Nach den Worten von Dezernent Lars Beck wird in der Kulturabteilung der Kreisverwaltung an einem Betreiber-Konzept für den Turm gearbeitet, um das Geschehen an der DDR-Grenze bis zum Mauerfall für Nachgeborene erlebbar zu machen. Der Heimatverein Posseck habe Interesse angemeldet, um im Turm Führungen zu veranstalten.
Der Heinersgrüner Turm ist nach Becks Angaben einer von zwei erhaltenen Grenztürmen im Vogtland. "Der andere steht bei Ebmath und wird von einem Verein der Funker genutzt." ufa