Grenzen verschieben

Die Firma Ideal Automotive hatte im März einen Großbrand in der Rheinpfalz zu verkraften. Dafür soll nun die Ansiedlung im Oelsnitzer Industriegebiet Johannisberg wachsen. Geplant ist eine Investition von rund 25 Millionen Euro. Der Stadtrat musste zunächst entscheiden, ob dafür die Grenzen des Bebauungsplans überschritten werden dürfen.

Von Renate Wöllner

OelsnitzDie Ansiedlung des Vliesstoffproduzenten Ideal Automotive mit den riesigen Werkshallen an der Theumaer Straße 9 stößt linksseitig aus Richtung Stadt an den äußersten Rand des Industriegebiets.
Auf drei Baufeldern, die sämtlich die Baugrenzen überschreiten, will die Firma bestehende Produktions- und Lagerflächen erweitern sowie Lager- und Produktionshallen neu bauen, berichtete Stadtbaumeisterin Kerstin Zollfrank. Das Vorhaben sei städtebaulich vertretbar. Weitere Arbeitsplätze sollen entstehen.
"Die Stadt kann gewinnen", meldete sich Stadtrat Frieder Jäckel (AfD) am Mikrofon der Sporthalle zu Wort. Mit Werkleiter Kester Patze habe er das Terrain abgeschritten, das nahe am Radweg Taltitz-Falkenstein liegt.
"Durch den Damm vor dem Radweg und den Bewuchs wären die 12 Meter langen Hallen nicht großartig sichtbar", meinte er. Ihm gefalle, dass im Werk Vliesstoff-Komponenten für Autos aller Antriebssysteme hergestellt werden.
OB Mario Horn erteilte Patze das Wort, der aus den Zuschauerreihen ans Mikrofon trat. Die Firma mit 275 Mitarbeitern wolle ihre Aktivitäten zur Herstellung von Vliesstoff in Oelsnitz zusammenführen, erklärte der Werkleiter. Zehn Millionen Euro sollen in Anlagen, weitere zehn bis 15 Millionen Euro in die Gebäude investiert werden. Die Verlagerung von Produktionskapazitäten aus der Pfalz stärke den Standort Oelsnitz, fand Horn. Einstimmig befreiten die Stadträte den Antragsteller von den Festsetzungen des Bebauungsplans hinsichtlich der Bebauungsgrenzen.
Die Zeitung "Rheinpfalz" hatte über den Großbrand am 22. März bei Ideal Automotive in Otterberg, Kreis Kaiserslautern, berichtet. Zwei große Gebäudeteile, rund 40 Prozent des Werks in der Stadtmitte, seien zerstört worden - Schadenshöhe rund 30 Millionen Euro. Der Brand sei in einem Lager mit Vliesstoffballen ausgebrochen und habe die Feuerwehr über Tage auf Trab gehalten, hieß es in dem Zeitungsbericht.