Grenze trennt Vater von Frau und Kind

Matthias Müller und Gabriela Novákova geht es wie den beiden Königskindern. Sie können nicht zueinander kommen, weil Corona-Regeln und eine Grenze sie trennen. Der Klingenthaler ruft Bundes- und Landespolitiker um Hilfe.

Von Cornelia Henze

Am 3. Januar brachte Matthias Müllers tschechische Lebenspartnerin Gabriela Sohn Tobiáš in Karlsbad zur Welt. "Ich durfte dabei sein, was einem kleinen Wunder bei den strengen Corona-Regeln gleichkommt", sagt der Vogtländer, der aus Zwota stammt und in Klingenthal ein Maklerbüro betreibt.


Bis voriges Wochenende sah der Alltag der kleinen Familie so aus: Nach Dienstschluss fährt der Deutsche aus Klingenthal nach Kraslice in Tschechien. Dort hat sich das junge Paar eine Wohnung eingerichtet, dort ist der private Lebensmittelpunkt. Da steht die Wiege des gerade mal sechs Wochen jungem Baby. Seit Sonntag - ausgerechnet dem Valentinstag, der den Verliebten gilt, ist alles anders. Die europäische Grenze zu Tschechien ist ein echtes Hindernis geworden.


"Ich werde weder auf mein Baby verzichten, noch mich jeden Tag in Quarantäne begeben oder ständig sinnlosen Tests hingeben", heißt es in Müllers Hilferuf, den er über die sozialen Netzwerke absetzt. Würde er wie bisher täglich die Grenze überqueren, müsste er jedesmal einen Corona-Test zu 35 Euro machen. Die junge Frau halten familäre und private Gründe - von einem Übersiedeln für mehrere Wochen nach Deutschland ab. "Jeden Tag für 35 Euro einen Test - das kann sich doch keiner leisten", sagt Matthias Müller. Auch tagelange Quarantäne ist für den Firmeninhaber keine Option. Matthias Müller sieht nun die Politik von der Basis bis hoch in den Bundestag in der Pflicht, schnelle Lösungen zu finden. Denn es gebe etliche Menschen, die der Liebe wegen ebenso täglich zwischen den Ländern pendeln und betroffen sind.


In die Spur gegangen ist CDU-Landtagsabgeordneter Sören Voigt, der das Anliegen betroffener Familien ins Ministerium weitergegeben hat. Hoffnung nährt er, dass die Liste der systemrelevanten Unternehmen, die leichter über Grenzen hinweg pendeln dürfen, erweitert wird und vielleicht auch Privatleute, von denen einer einen Wohnsitz in Deutschland hat, mit einbezieht. Da gebe es keine Klarheit. Und auch müsse der Bund da einbezogen werden, so Voigt. Keine Handlungsbefugnis sieht Thomas Hennig als Oberbürgermeister, obwohl er das dringliche Problem von drei, vier Betroffenen Familien kenne. Auch er hofft, dass die neue Verordnung erweiterbar ist. "Aber um tägliche Tests werden auch pendelnde Privatleute nicht drumrumkommen. Nur dürfen Tests keine 35 Euro kosten - fünf oder zehn Euro wären angemessen", so Hennig. Unterdessen ist die Liebesgeschichte von Matthias und Gabriele auf breites Medieninteresse gestoßen. Für RTL stellten gestern die Grenzgänger eine Szene mit Kuss an der Grenze nach.