Greizer und ihre Geschichten

Als Koch und Küchenmeister kennt ihn in Thüringen (fast) jeder. Auch als Autor von mittlerweile 25 Kochbüchern. Jetzt hat Harald Saul ein Buch über Menschen in und um Greiz geschrieben. In der Vogtlandhalle wurde es vorgestellt.

Von Wilfried Hub

Greiz - In seinem Greizer Geschichtenbuch schreibt der in Sonneberg geborene Saul über Persönlichkeiten, die uneigennützig handeln. Es sind Mitmenschen, die sich für andere engagieren, aber eher leise im Hintergrund bleiben möchten. Leute, die nicht durch lautes reden nach Anerkennung heischen, sondern ihr Wirken eher als selbstverständlich ansehen. Die Geschichten über solche Greizer hat Harald Saul nach einem Jahr Recherche einfühlsam aufgeschrieben. "Er will diesen besonderen Persönlichkeiten kein Denkmal setzen", sagte die Journalistin Antje-Gesine Marsch in ihrer Rezension bei der Vorstellung des Buches vor rund 100 Freunden des Autors: "Es sind Lebenslinien, die auch nicht immer schnurgerade verlaufen." Den "freundlichen Autor" beschrieb sie als "streitbaren Geist". Er sei "grade raus", aber nie verletzend, sondern immer auf Ausgleich bedacht und mit Respekt vor anderen. 
Wegen seines liebevollen Umgangs mit anderen gehört Harald Saul eigentlich selbst in das Greizer Geschichtenbuch. Der Küchenmeister arbeitet ehrenamtlich in Fach- und Prüfungskommissionen der IHK mit und beteiligt sich aktiv an nationalen und internationalen Kochwettbewerben. Er ist Fachdozent für wissenschaftliche Ernährungslehre und gibt sein Wissen als Ausbilder im praktischen und theoretischen Unterricht weiter. Seit vielen Jahren begleitet Harald Saul als Vorsitzender der Jury den Gastronomie-Wettbewerb "Kloßvogt". Er sammelt alte Rezepte und hat sie in mittlerweile 25 regionalen Kochbüchern veröffentlicht. Nicht nur seine thüringische Heimat wurde versorgt, auch Ostpreußen, Schlesien und das Sudetenland hat er kulinarisch neu entdeckt. Auch Gera und Zwickau
2018 wandte er sich mit dem Buch "Sonneberg - Eine Stadt und ihre Menschen" einem völlig neuen Thema zu. Weitere Bücher ohne Kochrezepte werden sicherlich folgen. Denn "schreiben macht süchtig". Das sagt der leidenschaftliche Koch, der ab 1990 auch in spitzengastronomischen Häusern in Trier, München und Nürnberg arbeitete, auch in Chefkochstellen. Am liebsten aber kocht er für und mit Kindern. Der Greizer Bürgermeister Alexander Schulze lobte bei der Buchvorstellung vor allem dieses Engagement Sauls. In mehr als 40 Kindergärten und mit 1500 Mädchen und Jungen hat er schon Eierkuchen, Himbeer-und Schokoladensoße zubereitet. Schulze: "Mittlerweile wissen wir aber auch, dass die Eierkuchen mit den Kindern sprechen." Für den bekannten Küchenmeister sind "die strahlenden Augen der Kinder" der schönste Lohn für sein Engagement.
In seinem Greizer Geschichtenbuch schreibt Saul unter anderem über Christine und Steffen Lorenz und deren bemerkenswerte Lebensgeschichte. Das Ehepaar will mit Musik anderen Freude bereiten und das seit Jahrzehnten. Wolfgang Körner, heute 72 Jahre alt, engagiert sich für Senioren, zum Beispiel im Seniorenbeirat. Er unterstützte die Gründung der "Wohngemeinschaft 55 plus" in einem historischen Gebäude mit heute zehn Wohnungen. Körner machte einen Verein daraus, dem es nicht nur ums Wohnen geht. Die Bewohner helfen sich gegenseitig und verbringen oft auch die Freizeit miteinander. Stellvertretend für die vielen Polizisten, deren Arbeit in der heutigen Zeit immer schwieriger und gefährlicher wird, stellt Saul den jungen Polizisten Sven Pompetzki und dessen Arbeit vor. Das Buch endet mit einem fotografischen Rundgang durch die Park- und Schlossstadt Greiz mit Antje-Gesine Marsch.