Golle entwickelt Rettungsrutschen für Hochhäuser

"Wir haben mit Sandsäcken und Dummys den Rettungsschlauch aus über 25 Meter Höhe getestet und er hat funktioniert", erzählte diese Woche Thomas Golle beim Unternehmensbesuch von Landrat Dr. Tassilo Lenk und Wirtschaftsförderin Marion Päßler. Der Landrat war mit Blumen und Visitenkarten gekommen, um Steffen Golle, der gemeinsam mit seinem Bruder die Firma führt, im Kreis der "Botschafter des Vogtlandes" willkommen zu heißen.

40 hiesige Unternehmer wollen bei Kontakten im In- und Ausland für die Region werben und zugleich junge Leute ermuntern, hier zu lernen und zu leben. Auch die Firma Golle Zelte und Planen GmbH sucht händeringend Auszubildende. Über ihre Tochtergesellschaft in Niesky ist die AH Invention AG aus Mettmenstetten/Schweiz seit 2008 mit dem von der Sächsischen Aufbaubank geförderten Forschungsprojekt "Rettungssystem" in Deutschland tätig und kooperiert mit der TU Chemnitz. "Über unseren Partner kamen wir zu Golle. E

s ist eine sehr gute, findige, kleine aber feine und vor allem flexible Firma", lobt der Schweizer Verwaltungsrat und Geschäftsführer Tony Schwyter. "Der Schlauch, der von Golle gefertigt werden soll, ist das Herzstück des Suisse Ressort Systems", sagte Schwyter. Und so funktioniert es: Ein auf dem Hochhausdach installierter Container soll den zusammengeschobenen Rettungsschlauch aufnehmen. Im Notfall werde allein mit einem Bedienhebel das System ausgelöst, der Rettungsschlauch falle durch das Eigengewicht hinunter. Dabei würden die angeordneten Bremskissen automatisch aufgeblasen und bewirkten so eine kontrollierte Fallgeschwindigkeit der Personen.

Eine am Ende angebrachte Rutsche ermöglicht ein sicheres Aussteigen. Das Rettungssystem werde mittels Seilen am Boden stabilisiert. "Im Schlauch werden Klappen aufgehen, um die Personen, egal welchen Alters, Gewichts oder welcher körperlichen Verfassung, in gleichmäßigen Abständen herunterrutschen zu lassen", erklärt Thomas Golle. Nach der erfolgreich abgeschlossenen Funktionsprüfung soll nun ein Prototyp in Originalgröße gebaut und zertifiziert werden. "Wir haben schon mit der Wohnungsbaugesellschaft gesprochen, ob sie uns nicht einen Abrissblock zur Verfügung stellen könne", fügte er hinzu.

Nachdem laut Schwyter bereits rund 1,6 Millionen Euro in das Projekt geflossen seien, sollen weitere Geldgeber gefunden werden. Ziel sei, im Oktober 2013 das Rettungssystem vom TÜV abnehmen zu lassen. Einsetzbar sei das System übrigens ab 15 Meter Höhe und damit auch neben Hochhäusern und Bohrinseln beispielsweise für Schulen, Kitas oder Altenheime interessant, meint Thomas Golle. "Überall dort, wo viele Menschen in kurzer Zeit evakuiert werden müssen."

Ein weiteres Projekt sei für die Firma Golle die Entwicklung eines 3D-Containers für die virtuelle Simulation. Ein Autohaus könnte so den Betrachter durch das Fahrzeuginnere spazieren lassen. Aus Rostock wiederum sei die Anfrage gekommen, ob sich die Plauener Firma die Mitarbeit an einem "Schnarcherkissen" vorstellen könnte. "Es klingt vieles interessant. Aber wir müssen sehen, was sich wirklich für uns rentiert", so Thomas Golle.