Göttliche Geburt nach Nieselregen

Mehr als 200 Zuschauer machten sich auf den beschwerlichen Weg zum Burgstein, wo die Kirchgemeinde das Krippenspiel aufführte. Die Besucher wurden reichlich belohnt für die Mühe: Mit einer ergreifenden Atmosphäre im Burghof und einer Leistung der Darsteller, die ihresgleichen sucht.

Von Hans-Jörg Tempel

Weischlitz/Krebes - Die Mühen des Anstiegs hinauf zur Burgruine sind natürlich nicht vergleichbar mit den Beschwerlichkeiten, die die hochschwangere Maria mit ihrem Josef vor 2019 Jahren auf sich genommen haben - auf dem Weg von Nazareth nach Bethlehem bei Jerusalem. Als Fremden begegnete ihnen zuerst Ablehnung und wenig Unterstützung.
Maria und Josef erfuhren aber auch Hilfe und Nächstenliebe, sodass das Jesuskind in einer Krippe im warmen Stroh geboren werden konnte. Jeder spürt die Aktualität dieser Weihnachtsgeschichte. Denkt man nur an die gestrandeten Kinder und schwangeren Frauen in den Flüchtlingslagern von heute. Begleitet wird das Krippenspiel von der Bläsergruppe der Kirchgemeinde Burgstein, die mit "Oh du Fröhliche" und "Stille Nacht, heilige Nacht" musikalische Höhepunkte setzt.
Pfarrer Tilo Kirchhoff spielt nicht nur in der Bläsergruppe, sondern spricht auch Worte der Begrüßung und Besinnung und betet mit den Besuchern. Seine Botschaft ist der Kern der Weihnachtsgeschichte: "Friede sei mit Euch".
Gerlinde Franke lauscht andächtig den Worten des Pfarrers und verfolgt das Krippenspiel: "Meine Gedanken gehen in dieser Stunde am Heiligen Abend zu den Menschen auf Erden, die unsere Nächstenliebe dringend brauchen. Ich verfolge die Nachrichten und Menschenschicksale im Nahen Osten, in Syrien, in der Ukraine und anderswo und sehne mich nach Frieden auf Erden. Wann ziehen wir Menschen endlich die richtigen Schlüsse aus der Weihnachtsgeschichte?" Bernd Hüttner ist, wenn er nicht gerade den Melchior spielt, Lehrer für Mathematik, Physik, Informatik und Astronomie am Gymnasium in Oelsnitz. Er ist der Initiator und der Vater des Krippenspiels in der Burgsteinruine: "Wir führen die Weihnachtsgeschichte seit 2010 aller drei Jahre in der Burgruine auf. Die Unterstützung und Begeisterung der Mitglieder unserer gesamten Kirchgemeinde Burgstein ist riesengroß. Ich bin für die Umsetzung des kirchlichen ‚Drehbuchs‘ zuständig und habe dabei tatkräftige Hilfe und viele kreative Ideen von Susann Flemming, Thomas Appelt und Dominik Rudert erhalten. Um die Requisiten kümmert sich Luis Scherzer und alle anderen helfen fleißig mit."
Hüttner berichtet von besonderen Herausforderungen in den letzten Jahren: "Unsere erste Vorstellung in der Burgruine zu Weihachten 2010 ist mir in bester Erinnerung geblieben. Kurz vor dem Heiligen Abend hatte es fast einen Meter Neuschnee gegeben. Sollten wir das mit Spannung erwartete Krippenspiel unter freiem Himmel in die Geilsdorfer Kirche verlegen? Wir riefen am Vormittag des 24. Dezembers zur Schneeberäumung auf und viele, viele Helfer kamen. Die Zuschauer honorierten das mit ihrem Kommen und mit großem Beifall. Auf dem Parkplatz standen keine Autos, sondern die Schlitten der Kinder."
Er berichtet weiter: "Besonders freuen wir uns über das Engagement unserer Jungen Gemeinde. Um den Nachwuchs ist uns nicht bange. Im Ensemble wirken Kinder und Jugendliche unserer Gemeinde mit und auch bei den Zuschauern sind viele am Weihnachtsabend dabei. So spielt Dario Rudert (12) den Gehilfen der ‚Drei Weisen‘ oder bläst Clara (11) das Tenorhorn in der Bläsergruppe der Kirchgemeinde Burgstein. Wer unser Krippenspiel die Weihnachtstage verpasst hat, der kann am 05. Januar 2020 16 Uhr in den Pfarrhof Tenne nach Geilsdorf kommen, dort treten wir im neuen Jahr noch einmal auf."