"Gocke" auf der Karte

Sie lebt noch, die gute alte Postkarte. Weil das Dörfchen Jocketa im Oktober seinen 600. Geburtstag feiert, gehen nun Kartengrüße in die Welt hinaus, die dazu einladen, den lauschigen Ort zu entdecken. Zeichnerin Nadine Mühlbrant und ihr Lebensgefährte Andreas Goldhahn haben daran den Hauptanteil.

Von Cornelia Henze

Jocketa/Plauen In ihrer Kindheit sei sie oft mit Eltern und Großeltern rund um die Elstertalbrücke, um Mosenturm und Triebtal wandern gewesen. Und an warmen Tagen baden an der Pöhl. "Das waren schöne Zeiten!", erinnert sich die Zeichnerin aus Plauen. Ebensolche positiven Gefühle, Gedanken und ihre Liebe in die Heimat projiziert sie in ihre Zeichnungen. Nadine Mühlbrant liebt das Detail. In feinen Bleistiftstrichen, verstärkt durch Fineliner und Aquarellfarben, reiht sie Landschaft und Gebäude, die das Dorf samt Triebtal ausmachen, aneinander. Und in kindlich-naiver Art erzählt die Zeichnerin eine liebenswerte Geschichte, mit der sie den Adressaten der Postkarte auf Reisen schickt. "Hier kommt man mit der Vogtlandbahn an", sagt Nadine Mühlbrant und zeigt auf die obere, rechte Kartenecke. Die Bahn saust über die Elstertalbrücke bis Bahnhof Jocketa. Dort steigt der Wandersmann aus und hat nun mehrere Varianten zur Wahl: Im Rücken lockt der Mosenturm, westlich die Pöhl mit Staumauer, und bergab geht es ins Triebtal Richtung Barthmühle. All das hat Nadine Mühlbrant in eine Winterszene gesetzt. Dick eingemummelte Figuren bewegen sich um die Jocketaer Dreifaltigkeitskirche, im Zentrum lächelt ein Schneemann, um den sich kleines Getier gruppiert.
Warum gerade Jocketa im Winter? Der schöne Adventsmarkt rund um die Kirche, den sie sehr stimmungsvoll findet, habe sie dazu inspiriert. Und vielleicht ihr Faible für Glühweintassen: Wem der Zeichenstil auf der Karte irgendwie bekannt vor kommt, hat vielleicht zum Plauener Weihnachtsmarkt den Glühwein aus der Bürgertasse geschlürft. Zwei Mal haben Nadine Mühlbrant und ihr Freund Andreas Goldhahn einen der Glühweintassen-Wettbewerbe gewonnen - zwei Mal zierte eines ihrer winterlichen Motive eine solche Tasse. Andreas sei derjenige, der die Fotos schießt, das Layout und die Schrift gestaltet, so die Zeichnerin. Die detailverliebten Szenen entstehen vor allem nach Fotos, die das Paar aufnimmt, wenn es beim Wandern und Radfahren die Natur entdeckt.
Auf das große Geldverdienen kommt es der gelernten Bürokauffrau nicht an. Die meisten ihrer Arbeiten hat sie im Ehrenamt oder für einen kleinen Obolus gezeichnet. Schon als Kind habe sie gern zu Stift und Zeichenpapier gegriffen. Vielleicht habe ihr ein Stück seines Talent ihr Urgroßvater, der Textilzeiceshner in Plauen war, in die Wiege gelegt. Verschiedene künstlerische Pläne spuken der Plauenerin im Kopf herum. Da sind die Aquarelle, die sie 2012 originellerweise mit Wasser aus der Talsperre Pöhl anfertigte - daraus wurde ein Kalender, dem eine Neuauflage folgen soll. "Aber über manch weitere Pläne kann ich noch nicht sprechen", sagt die Zeichnerin geheimnisvoll.