"Go" und "Easy" schallt?s durch den Wald

Auch wenn die Schönecker und alle Sympathisanten des Schlittenhundesports im dritten Jahr nacheinander auf ein Rennen verzichten müssen, suchen einige Wenige den Hauch dieses Spektakels. Den (wohl noch bis weit in den März vorhandenen) Schnee nutzend, begeben sich dieser Tage trotzdem in und um Schöneck so einige mit dem Hundeschlitten auf flotte Fahrt.

Mutter Natur hat sich ganz in weiß gehüllt. Das Thermometer zeigt knapp unter Null, dazu leichter Schneefall - optimale Bedingungen. Aufregung und gewohntes Treiben vor dem Start. Geziehe, Gezerre, endlich sind alle geschirrt beziehungsweise eingemummelt. Noch steht Heike Oriwol mit einem Bein fest auf der Bremskralle. Eine Hand fest an der handle-bar, dem Handgriff am hohen Bügel am Ende des Schlittens. Sich vorsichtig hinhockend, löst sie mit der anderen Hand den Schneeanker? Im Bewusstsein des plötzlichen Starts huscht trotzdem ein erschrockenes "Huch" über ihre Lippen.

 

Der Formel I gleich wird Tempo aufgenommen. Zwar nicht mit über 200 Pferdestärken, nicht von 0 auf über 100 Stundenkilometer. Eher von 0 auf etwa 30 - und im konkreten Fall mit sieben HS, wobei HS für Hundestärken steht. Es bedarf keines "Go". "Phantasy" zieht an und alle ihr hinterher. Phantasy ist die Leithündin des aus sieben Siberian Huskys bestehenden Gespanns. Eine gute halbe Stunde geht es nun durch den verschneiten Wald rund um Schöneck.

Musher sein können auch Frauen. Ein Schlittenhundegespann alleine durch gerufene Kommandos, die vom Leithund umgesetzt werden müssen, zu lenken - Heike Oriwol hat sich dieses Erlebnis zu ihrem 40. Geburtstag gewünscht. Der liegt zwar zwei Jahre zurück, aber erst jetzt hat Petrus ein Einsehen.

"Es muss ja nicht gleich oder überhaupt das Iditarod (längste Hundeschlittenrennen der Welt von Anchorage nach Nome in Alaska) sein, aber vielleicht irgendwann, irgendwo im Winterurlaub?", das wisse keiner so genau, begründet die 1, 68 Meter große Altenburgerin ihr Vorhaben.

Aber zu wissen, wie Huskys ticken, sei allein schon viel wert. Sich zudem ohne jegliche Vorkenntnisse auf die nach hinten verlängerten Kufen eines Hundeschlittens zu stellen und einen Tross von ständig auf Zug bedachten beziehungsweise zu haltenden Vierbeinern zu beherrschen, sei sowieso nicht möglich.

Heike bringt dazu gute Voraussetzungen mit. "Als Hundetrainerin weiß sie schon einmal, sich in die einzelnen Charaktere hineinzuversetzen", meint Bernd Ebert, langjähriger Musher und Betreiber einer Schlittenhundeschule vor Ort.

Heike ist nur eine aus einem Altenburger Frauen-Quartett, die einen Wochenendfahrkurs belegen, um das Handling mit dem Schlitten und den Hunden zu erlernen. Derweil die anderen drei - Birgit Knoll, 46, Hebamme; Heike Drieselmann, 42, Arzthelferin und Diana Schreiber, 42, Hundetrainerin - ihre Erlebnisse vom bereits absolvierten 10-Kilometer-Rundkurs austauschen, kämpft Heike Oriwol mit den Tücken des kuppigen Geländes.

Mit Vollspeed zwei Kilometer gerade aus. Die Hunde freut?s. Das Gesicht der Altenburgerin kühlt der frische Fahrtwind. Dann heißt es, mit genau zu temperierendem Gewicht und gutem Timing auf die Bremse zu gehen. Ein "Gee" (schie) sagt Führungshündin Phantasy, es geht nach rechts. Hierbei kommt die Matte zum Einsatz. "Das ist Sache des Mushers, wann er was einsetzt, um stets Spannung auf dem Geschirr zu haben, damit der Schlitten zu keinem Zeitpunkt auf die Hunde aufläuft, sie gar verletzt", bestätigt der über fast 3500 Kilometer absolvierte Gespann-Erfahrung verfügende 54-Jährige Bernd Ebert.

Ein ständiges "Easy, easy" macht den sieben Huskys nunmehr klar: Tempo auf Trab verringern, es geht bergab. Ebert fasst die fortwährende Aufgabe zusammen: "Konzentration ist angesagt, immer! Vorausschauend, Tempo und Gelände stets beobachtend, ausreichend Zeit einplanend, um rechtzeitig agieren zu können."

Damit der Schlitten "auch die Kurve kriegt", ruft die zu Hause vier Hunde ihr eigen Nennende ein lautes "Haw" (ho), was soviel wie Abbiegen nach links heißt - und auch so passiert. "Hundeschlitten fahren ist ebenso kein pures Vergnügen wie einfach mal so einen Hund zu haben", plädiert die Wintersportbegeisterte für einen sogenannten Hundeführerschein.

Fast alle Herrchen und Frauchen bedürften einer solchen Klassifizierung. "Wichtig ist zu erkennen, was der Hund mit seinen Ohren oder seiner Rute gerade ausdrücken will", weiß die sympathische Skat-Städterin, als Phantasy die Ohren spitzt, die Rute fallen lässt, irgendeine Markierung am Wegesrand wittert, keine Lust zum Weiterlaufen andeutet. Ein energisches "Go!" fordert die Hunde, vor allem Phantasy wieder zum Loslaufen auf.

 

Der Kurs führt steil hinauf. Absteigen von den Kufen ist Pflicht - es den Hunden so leicht als möglich machen. Mitlaufen, den Kontakt zum Schlitten nicht verlieren, mit festem Griff den Schlitten schieben. Dabei möglichst wenig Tempo verlieren, im rechten Moment wieder auf den Kufen stehen. Inzwischen geht es Heimat. Das wissen auch die Siberians. Sie machen es den PS-Pendants gleich.

Wenn´s nach Hause geht, wird eine Schippe drauf gelegt, beginnt das weithin zu vernehmende Kläffen. "Schließlich gibt es viel zu erzählen", deuten es die angehenden Musherinnen aus Altenburg.

Wenn also irgendwo eine Musherin auf dem Schlitten steht, dann könnte es auch eine der beiden Heikes, Birgit und Diana sein, die nunmehr dank der Schulung durch Bernd Ebert im Besitz eines Schlittenhunde-Führerscheins sind.