Glockenweihe mit zwölf Monaten Verspätung

Bei Nachbarn in Schönheide ist die Kirche endlich wieder komplett - jetzt erhielt sie ihr Geläut zurück.

Schönheide - "Glocken sind Zeitansager und Prediger": Mit diesen Worten nahm Pfarrer Hans-Christian Moosdorf am ersten Sonntag des neuen Jahres das Geläut der Schönheider Martin-Luther-Kirche offiziell wieder in Betrieb. Ein Festgottesdienst mit Bild- und Tondokumenten beendete in der Bürstenmacher-Gemeinde ein anderthalbjähriges Schweigen vom Kirchturm. Von dort hatte man aufgrund ihrer "Altersschwäche" zu Pfingsten 2012 alle bisherigen vier Glocken heruntergeholt. Die drei 1921/22 direkt im Ort gegossenen Stahl-Exemplare stehen nun als Denkmal vor der Kirche.

Wieder in 25 Metern Höhe schwebt und klingt die einzige über alle Kriegswirren erhalten gebliebene Schönheider Glocke. Sie gehörte bereits zum allerersten Dorfgeläut, wurde dreimal umgeschmolzen, erhielt 1774 ihre aktuelle Gestalt und wurde vor zwei Jahren rundum saniert. "Sie hat über die Jahrhunderte viele Menschen in Freude und Leid begleitet", so Moosdorf in seiner Predigt. Mit einem Gewicht von 270 Kilogramm und einem Durchmesser von 80 Zentimetern läutet sie morgens 6 Uhr das Tagwerk und zwölf Stunden später den Feierabend ein. Zunftzeichen aller einstigen Schönheider Handwerker-Innungen schmücken sie. Mit dem Ton "c" ist sie nun die mittlere von nur mehr drei Glocken. Ihre jetzigen "Schwestern" wurden vor 16 Monaten in der Karlsruher Spezialgießerei Bachert aus Bronze neu gegossen. Das nur 220 Kilo schwere sowie 70 Zentimeter "runde" und damit kleinste Exemplar ist die zukünftige Schönheider Taufglocke. Sie verbreitet die Tonart "es" und ist mit der Taube, als Symbol für den Heiligen Geist, versehen.

Moosdorf: "Damit werden wir daran erinnert, dass der Glaube keine Privatsache ist!". Der Liedvers "Eine feste Burg ist unser Gott" und die Luther- Rose zieren die größte der Glocken. Sie wiegt 525 Kilo, misst einen Meter im Durchmesser, läutet in "as" und würdigt den Reformator und späteren Namenspatron der Schönheider Kirche, Martin Luther. Gemeinsam ist das knapp 90 000 Euro teure Trio jetzt viel weiter, als noch das vorherige Quartett, zu hören. Dafür sorgt eine neue Technik für die Jalousien: Sobald die Glocken zu pendeln beginnen, öffnen sich die Fensterläden im Turm. Dort oben schweben sie seit ihrer Weihe auf dem Marktplatz vor zwölf Monaten. Probleme mit der hochmodernen vollautomatischen Steuerung und wegen des für den Glockenstuhl verwendeten Holzes ließen die offizielle Inbetriebnahme aber erst jetzt zu. E. Mädler