Gitarrenkunst und Orient-Flair

Tosenden Beifall gab‘s am Ende dieses denkwürdigen adventlichen Sinfoniekonzertes der Vogtland Philharmonie - auch für hervorragende solistische Leistungen an den Pulten.

Reichenbach - Die sinfonische Suite "Scheherazade" von Nikolai Rimski-Korsakow, ein Edelstein der Programmmusik aus dem orientalischen Flair "1001 Nacht", passte so recht in die vorweihnachtliche Stimmung, wunderschön interpretiert von der Vogtland Philharmonie, die an diesem Abend unter der Stabführung von Chefdirigent David Marlow musizierte.
 Es ist wohl das farbenreichste Werk Rimski-Korsakows, dieses führenden Kopfes des "Mächtigen Häuflein" der russischen Nationalen Schule, hervorragend instrumentiert und sehr intelligent angelegt: eine tolle Symbiose von Sinfonie und Suite, beispielgebend nicht nur für die Komponistenkollegen im eigenen Land, sondern Edelstein und Maßstab der Gattung überhaupt.
Da geht es um den rabiaten Sultan Schahriar, der in der Regel seine Frauen nach der ersten Nacht ins Jenseits befördern lässt, nicht aber die kluge und schöne Scheherazade, die ihn mit ihren spannenden Erzählungen aus "1001 Nacht" zu fesseln versteht und am Ende natürlich die Oberhand behält.
Herrlich das eingangs aufbrausend brummende Getöne von Schahriar, verkörpert vom Orchesterbass, nachfolgend das wunderschöne Scheherazade-Violinensolo, wahrhaftig meisterlich vorgetragen von Konzertmeister Synelnikow. Aber auch die nachfolgenden musikalisch-bildhaften Geschichten in den einzelnen Sätzen gelangen ausnehmend gut, auch hier tolle solistischer Leistungen an den Pulten - genannt seien hier nur die Partien von Fagott, Oboe, Violoncello, Flöte, Klarinette. Zu Recht die Bravorufe und etliche Vorhänge für das überzeugende, fesselnde musikantische Agieren von Ensemble und Solisten, souverän geführt von Chefdirigent David Marlow!
Im konzertanten Teil des Abends kam nach fast zwei Dezennien wieder einmal die Gitarre zu Ton: diesmal im Konzert für zwei Gitarren und Orchester E-Dur op. 201 von Mario Castelnuovo-Tedesco, dem verdienstvollen italienischen Komponisten, der selbst nicht Gitarre spielen konnte, aber der Nachwelt mehr als 350 Werke für dieses Instrument hinterließ!
Als Gastvirtuosen konnten die beiden jungen Konzertgitarristen Sören Golz und Ivan Danilov gewonnen werden - ein Duo, das sich schon mehrfach auszeichnete und seine beeindruckende Perfektion auch im Konzertieren mit der Philharmonie unter Beweis stellen konnte. Schwer lässt sich das Werk, 1962 uraufgeführt, einordnen in die Musikströmungen des 20. Jahrhunderts: Sein Klangcharakter liegt nahe der Filmmusik, problemlos rezipierbar.
Das Konzert findet im 3. Satz "Rondo mexicano" einen echten Höhepunkt: Turbulentes folkloristisches Flair a la mexicana flutet von der Bühne, gut dosiert Tempi und Dynamik, dankbare Aufgaben für die Gitarrensolisten anbietend - klasse die effektvoll ausgespielte Schlusskadenz. Den reichen Beifall des Publikums honorierte das Duo mit einer phantastisch-virtuosen Zugabe: einer Gitarrenversion des rassigen "Baião Malandro" von Egberto Gismondi.
 Der Konzertabend wurde eingeleitet mit dem Intermezzo aus "Notre Dame", jenem Ohrwurm der Kuschelklassik, der quasi übrig geblieben ist vom reichen Schaffen eines der profiliertesten Persönlichkeiten der Wiener Musikszene Anfang des 20. Jahrhunderts, Franz Schmidt.
Es war nicht zu überhören, mit welcher Hingabe und Dankbarkeit sich hier der philharmonische Streicherchor in den satten Klangschmelz dieses Highlights spätromantischen Ausflusses hineinspielte.    veho