Giftiges Gas eingeatmet?

Wurden Feuerwehrkameraden beim Löscheinsatz an der brennenden Galvanotechnik-Halle in Heinsdorfergrund schwerer verletzt, als offiziell behauptet? Die Behörden sagen nein. Kommentatoren in den sozialen Netzwerken wollen es besser wissen.

Von Cornelia Henze

Heinsdorfergrund "Mein Mann wird behandelt, muss zum Lungenarzt. Und er ist nicht an Erschöpfung umgefallen", sagt die Gattin eines Feuerwehrkameraden. Sie und andere Angehörigen sind sichsicher, dass die Kameraden die mit dem Feuer freigesetzten giftigen Dämpfe eingeatmet haben. Gegenüber den Medien will die Frau anonym bleiben. In den sozialen Netzwerken trägt sie, wie andere auch, das Visier offen und spricht Klartext: "Ich bin dankbar, dass den Kameraden unserer Wehr nicht noch mehr passiert ist und ich hoffe dass ihr körpereigenes Abwehrsystem so gut funktioniert, um die eingeatmeten Dämpfe, wie schädlich sie sich auch herausstellen werden, aus Atemwege und Blut abbauen werden." Die Post im Netzwerk sind emotional aufgeladen, unterstellt wird Behörden, speziell dem Reichenbacher Oberbürgermeister und den Medien, bewusst Informationen zum Gesundheitszustand der Kameraden zurückzuhalten.
"Die offiziellen Schreiben entsprechen der Wahrheit", sagt Falk Reinhold, der Gemeindewehrleiter von Heinsdorfergrund, der an vorderster Front stand und 250 Kameraden verschiedener Wehren unterwies. Die Kameraden, die an einem der heißesten Tage in schweren Brandschutzuniformen und unter Atemmasken mitten im Qualm steckten, haben alles menschenmögliche gegeben und 28 von ihnen mussten wegen Erschöpfung medizinisch behandelt werden - 17 ambulant, elf im Krankenhaus. Auch im Reichenbacher Rathaus hat man die emotionalen Posts wahrgenommen. "Informationen zurückzuhalten, das liegt uns fern. Wir wissen von keiner anderslautenden Diagnose", so Stadtsprecherin Heike Keßler und OB-ReferentJörg Postler. Auf Nachfrage unserer Zeitung sei es, so Keßler, der Stadt noch nicht gelungen, einen Feuerwehrmann ausfindig zu machen, der durch giftige Substanzen geschädigt worden sei.
Als ehrenamtlicher Vize-Kreisbrandmeister war Jörg Pöcker, Chef der Plauener Berufsfeuerwehr, der Organisationsmann im Hintergrund. Einer seiner engsten Verbindungsmänner war Rodewischs Wehrleiter Christian Wetzig vom ABC-Erkundungszug des Vogtlandkreises.Wetzig und sein Zug sind spezialisiert,Gefahrstoffe aufzuspüren undzu messen. Wetzig und Pöcker orderten vor Ort einen Polizeihubschrauber, der die mit Qualm gefüllten Probenröhrchen in ein Leipziger Labor flog.
Laut Polizeisprecher Oliver Wurdak stehe die Brandursache noch nicht fest. Das könne auch noch Wochen oder Monate dauern. Der für Freitag angekündigte Beginn der Brandursachenermittlung musste wieder abgeblasen werden. Erst wenn es möglich ist, sich zwischen den Brandherden gefahrlos zu bewegen, dürfen die Ermittler in das frühere Hallen-Innere vorstoßen. Momentan befinden sich noch Schadstoffe sowie ein Berg von Brandschutt dort. Letzteren ist dabei, die Lengenfelder Firma Dotzauer zu bergen. Laut Polizeisprecher wird der Schaden auf Millionenhöhe geschätzt. Zu der Schadenshöhe will sich Alien Reich, Sprecherin von Galvanotechnische Oberflächen GmbH noch nicht äußern. Eine Stellungnahme gegenüber der Öffentlichkeit kündigt sie für Anfang nächster Woche an. Die Serienproduktion stehe aktuell still. "Wir arbeiten mit Hochdruck dran, die Produktion wieder aufzunehmen", so Alien Reich.
Das Unternehmen in Heinsdorfergrund hat sich auf Gleitlack- und Zink-Nickel-Beschichtungen spezialisiert. Auf seiner Internetseite weist die Firma darauf hin cyanidfreie Verfahrenstechnologien anzuwenden. Produkte werden gebeizt, entfettet, konserviert. Die schwarze Rauchwolke sei entstanden durch die Kombination von Öl und Plastik.
Bis Freitag war auch die Feuerwehr als Brandwache und Sanitäter vor Ort. Nun beginnt das große Aufräumen und Forschen.