Giftalarm in Plauen

Der Fund mehrerer Ampullen mit unbekannter Flüssigkeit hat auf dem Plauener Hauptfriedhof einen Einsatz von Polizei, Feuerwehr und Kampfmittelbeseitigungsdienst ausgelöst.

Plauen - Ein Beutel mit mehreren Ampullen, darauf die Aufschrift "Kampfmittel", hat Dienstagvormittag ein Besucher auf dem Plauener Hauptfriedhof gefunden, wie Stadt-Sprecherin Silvia Weck informierte. Die acht bis zehn Zentimeter großen, mit einer Flüssigkeit gefüllten, Ampullen brachte der Mann zur Friedhofsverwaltung, die daraufhin die Polizei 10.13 Uhr informierte.

Gemeinsam mit der Feuerwehr kam diese vor Ort und forderte auch den Kampfmittelbeseitigungsdienst aus Riesa an, da nicht klar war, um welche Flüssigkeit es sich handelte und ob sie gefährlich für Mensch und Umwelt sei. Nach rund eineinhalb Stunden seien die Spezialkräfte vor Ort gewesen, sagt der Chef der Plauener Berufsfeuerwehr, Jörg Pöcker.

Die Berufsfeuerwehr Plauen, unterstützt durch die Freiwilligen Feuerwehren Stadtmitte und Großfriesen - insgesamt 60 Kameraden - sicherten den Einsatzort ab, bis der Kampfmittelbeseitigungsdienst die Flüssigkeit untersucht hatte. In dieser Zeit blieben neben dem Hauptfriedhof auch der gegenüber liegende Einkaufsmarkt und die Neuapostolische Kirche geschlossen.

Ebenso wurde der Straßenbahnverkehr der Linie 4 Richtung Reusa eingestellt. Um bei Gefahr schnell reagieren zu können, war auch der Rettungsdienst vor Ort. Nach bisherigen Erkenntnissen handelte es sich beim Inhalt der Ampullen um ein Mittel zum Nachweis von Sarin. Hätte sich der Anfangsverdacht bestätigt und man hätte tatsächlich Sarin gefunden, wäre allerhöchste Vorsicht geboten gewesen, sagt Pöcker.

Es handelt sich um einen hochgiftigen Kampfstoff, der nicht nur im Zweiten Weltkrieg, sondern auch bei den Auseinandersetzungen in Syrien eingesetzt wurde. Im Umkreis von 500 Metern gilt der Giftstoff für die Hälfte der sich in diesem Bereich aufhaltenden Menschen als tödlich, fügt er an. Er geht zudem davon aus, dass die Ampullen noch nicht lange auf dem Friedhof lagen, sonst wären sie nach dem Starkregen am Montag zumindest feucht gewesen. Stattdessen befanden sie sich in trockenem Zustand.

Glücklicherweise war die Flüssigkeit in den Ampullen schließlich unbedenklich, so dass der Einsatz am Hauptfriedhof 14.35 Uhr beendet werden konnte. Die Polizei hat unterdessen die Ermittlungen aufgenommen, sichert Fingerabdrücke und befragt Anwohner. Schließlich bleibt die Frage, wer die Ampullen auf dem Hauptfriedhof abgelegt hat und zu welchem Zweck.

Feuerwehrchef Pöcker bedankt sich ausdrücklich für das Verständnis der Bevölkerung für die weiträumige Absperrung, die auch Geschäftsinhaber in der Nähe betraf.