Getanztes Glück und Leid

Liebe, Lieder, Briefe - Liebe voller Hindernisse, wunderschöne, innigste Lieder aus seiner Feder, viele Briefe schrieben sich die beiden, Robert Schumann und Clara Schumann-Wieck. Das Ballett "love. song. letters" (warum, um alles in der Welt auf englisch?") von Torsten Händler erzählt davon in der Premiere, die am Samstag auf der großen Bühne des Theaters Plauen das Publikum begeisterte.

 

"Komponieren aber kann ich nicht, es macht mich selbst zuweilen ganz unglücklich, aber es geht wahrhaftig nicht, ich habe kein Talent dazu." - schrieb Clara Wieck im Jahr 1840 an ihren Verlobten Robert Schumann. Gleichwohl konnte sie als 21-jährige junge Frau bereits ein ansehnliches Opus beachtlicher Klavierkompositionen, einschließlich einem Klavierkonzert, präsentieren. Die Anerkennung der Qualität ihrer eigenen Musik nimmt ab, je näher sie Robert Schumann kommt, Briefe und Tagebücher geben Zeugnis davon.

Nach ihrer erkämpften Eheschließung schreibt sie nur noch wenige Lieder. Sie war konfrontiert mit dem Konflikt einer kreativen, phantasiebegabten Frau um die Mitte des 19. Jahrhunderts, die ihre professionelle Ausbildung mit dem gesellschaftlichen Status zu vereinbaren hatte. Eine Frau, die mit neun Jahren das erste Mal als Solo-Pianistin im Leipziger Gewandhaus auftrat. Ihr Vater, der Klavierpädagoge Friedrich Wieck, bereitete sie systematisch auf die Karriere einer Klaviervirtuosin vor. Konzertreisen durch ganz Europa folgten und mit 14 Jahren begann sie an ihrem Klavierkonzert a-moll, op. 7, zu arbeiten. Im Jahr 1840 heiratete sie Robert Schumann gegen den Willen ihres Vaters, verbunden mit einem Nerven aufreibenden Prozess gegen ihn. Damit war ihre Karriere vorerst beendet. 1856, nach dem Tod ihres Mannes, nahm sie aus finanziellen Gründen ihre Konzerttätigkeit wieder auf.

Die Drehbühne ist bestückt mit verschieden großen, quadratischen oder rechteckigen gestapelten offenen Kisten, bietet übersichtlich Räume, Treppen und Aufbewahrungsorte für alles Mögliche (Bühne und zeitgemäße Kostüme: Lisa Ueberbacher). Die Choreografie von Torsten Händler erzählt, wohldurchdacht und einfühlsam, Episoden aus dem Leben Robert Schumanns und Clara Wiecks. Sie zeigt Momente des Kennenlernens, der Eifersucht, der Liebe, der Sehnsucht, die Verzweiflung Roberts, der wegen einer Handverletzung das Klavierspiel aufgeben muss, den Kampf der beiden um ihre Zweisamkeit wider des Vaters Willen, Sie zeigt das gemeinsam erlebte Glück, die Krankheit und das Sterben des genialen Komponisten, die Trauer um ihn - all dies zauberhaft und kraftvoll getanzt von den wunderbaren Tänzerinnen und Tänzern der Kompanie.

Torsten Händler führt den Zuschauer durch die verschiedenen Altersstadien der beiden Protagonisten, die von unterschiedlichen Künstlern dargestellt werden. Die Musikbegleitung (hervorragend die Pianistin Natalia Posnova am Flügel, Nicolaus Köhler, Cello) stammt aus der Feder Robert Schumanns, wurde tanzbar arrangiert von Steffen Claußner. Mit klarem, wunderbar lyrischem Sopran sang Juliane Schenk vier Lieder von Robert Schumann (nach Texten von Eichendorff, Rückert und Heine). Das getanzte Lebensbild von Robert Schumann und Clara Wieck begann mit Schumanns "Träumerei" und am Boden verstreuten Briefen, es endete mit zur Erde fallenden Briefen und Schumanns "Träumerei" - stehende Ovationen, der Vorhang beendete den Beifallssturm des Publikums.