Getanzte Irrungen und Wirrungen

Vor der Premiere am 12. Januar, 19.30 Uhr, im Großen Haus lockte eine Matinee zum Ballett "Ein Sommernachtstraum" zahlreiche Interessierte am Sonntagvormittag für eine inhaltsreiche Stunde ins Vogtlandtheater. Geboten wurden Getanztes, Kostümiertes und manch anderes Sehenswertes.

Plauen -     Was in einer heiteren Komödie über eine traumhafte Sommernacht von Shakespeare genial, wenn auch getrieben bis zum schwer Verständlichen, vorgeführt wird, entbehrt der letzten, strengen Gewissheiten nicht. Trotz seiner teils märchenhaften Personalisierung mit Elfen, dem Kobold Puck bis hin zum Esel als Liebesobjekt (der ein verwandelter Handwerker ist und Arno Schmidt zum 100-Euro-Monumentalwerk "Zettel's Traum" inspirierte) und den von Verirrungen und Verwirrungen der Liebesleidenschaft geschlagenen Figuren. Wirkt doch als Katalysator im komödiantischen Durcheinander ein archaisches Gesetz. Es erlaubte vor Vorzeiten in der Stadt Athen einem Vater, schier Unfassbares: die unbotmäßige Tochter, die sich seinem Willen zur Verheiratung mit einem von ihm gewählten Manne widersetzte, konnte er hinrichten lassen. So streng waren die Bräuche.
Deshalb flieht Hermia, die nach dem Wunsch des Vaters Demetrius freien soll, den wiederum, kaum zu glauben, Helena begehrt, mit dem von ihr geliebten Lysander aus den Grenzen der Stadt und damit des mörderisch-patriarchalischen Rechts. In den zauberischen Wald, der als Ort der Selbstfindung gerade sehr aktuell vom Feuilleton und einschlägigen Bestsellern neu entdeckt wird. Helena und Demetrius tun es ihnen nach, ohne auf deren verwickeltes Warum und Wieso näher einzugehen. Im Wald üben der Feenkönig Oberon und Titania ihre zauberische Herrschaft aus, die als königliches Paar wiederum in einer Beziehungskrise stecken. Bunte-Leser wissen das.
Dem royalen Zwist soll Puck mit dem Saft einer Wunderblume beikommen. Wessen Augenlid damit benetzt wird, verliebt sich rettungslos in die Person, es kann auch ein Esel sein!, die er beim Aufwachen als erstes erblickt.
Dazu erfindet Shakespeare, um die Verhältnisse ein weiteres Mal zu drehen und unübersichtlicher zu machen, noch ein Stück im Stück dazu; als Tragödie. Aufgeführt von mehr oder weniger tumben Handwerkern, die nicht so recht wissen was sie tun. Doch es wäre keine Komödie, fände am Ende nicht jeder Topf seinen Deckel. So auch hier.
Aus all dem hat nun, nachdem wir "Ein Sommernachtstraum" nach Shakespeare in Plauen schon einmal im September 2007 als TanzTheater von Bronislav Roznos erleben durften, die aktuelle Ballettdirektorin Annett Göhre ihre neueste Kreation geschaffen; gemeinsam mit Vladimir Yaskorski, der Mendelssohn Bartholdys romantische Musik mit Werken Igor Stravinskys und Albert Roussels kontrastreich kombiniert und mit dem Philharmonischen Orchester beisteuert. Für vor allem eine große, freie Bühne und wohlüberlegte Kostüme sorgt Mireia Vila Soriano, die sich zur Matinee den Fragen von Dramaturgin Ulrike Cordula Berger stellte.
Als Tänzerinnen und Tänzer sind zu sehen Yun Yeh a. G. (Puck) als Titania/Hippolyta Miyu Fukagawa, als Oberon/Theseus Jeaho Shin, als Hermia Judith Bohlen und als Helena Nicole Stroh. Elliot Bourke tanzt den Demetrius, Vincenzo Vitanza ist Lysander. Weitere Rollen als Elfen und Handwerker sind doppelt besetzt mit Judith Bohlen, Nicole Stroh, Shahnee Page, Justine Rouquart, Hugo Mercier a. G., Juan Bockamp und Elliot Bourke.
Aufschlussreich zur Matinee die Demonstration eines Solos von Nicole Stroh als Helena, die zu einem vorgelesenen Text Shakespeares jedem einzelnen Wort eine charakteristische Bewegung verleiht. Faszinierend.              Lutz Behrens