Gesundheitsamt Vogtland gehen die Ärzte aus

Amtsärzte untersuchen Kinder vor der Einschulung und auch während der Schulzeit, sollen bei Impfungen beraten, mögliche Epidemien im Blick haben und psychisch Kranke betreuen. Im Vogtland wie in Sachsen gibt es nicht genug von ihnen.

Dresden/Plauen - Den Gesundheitsämtern in Sachsen gehen die Mediziner aus. Wie das Sozialministerium auf Anfrage in Dresden mitteilte, fehlen derzeit 25 Ärzte und Zahnärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD). Lediglich in den Landkreisen Meißen und Zwickau und sowie der Stadt Leipzig sind die Arztstellen in den Gesundheitsämtern noch vollständig besetzt.

Besonders dramatisch ist die Situation derzeit laut Sozialministerium im Vogtlandkreis, wo das das größte Defizit besteht. Zu wenig Amtsärzte gibt es auch in den Landkreisen Leipzig, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Mittelsachsen. Auch in Chemnitz und Dresden können derzeit nicht alle Stellen besetzt werden. Ein Grund dafür ist Ministeriumssprecherin Annett Hofmann zufolge, dass der öffentliche Gesundheitsdienst nur ein möglicher Arbeitgeber für Mediziner ist.

"Diese sind auch an anderen Stellen sehr gefragt." Dabei macht sich die schlechtere Bezahlung bemerkbar: Knut Köhler, Pressesprecher der Sächischen Landesärztekammer verweist in diesem Zusammenhang auf "die unterschiedliche Einkommensentwicklung bei Ärzten in Krankenhäusern und beim Öffentlichen Gesundheitsdienst." Petra Albrecht, Vorstandsmitglied der sächsischen Landesärztekammer, warnt, dass ein Großteil der Gesundheitsämter im Freistaat auf Grund des Mangels an Fachärzten ihre gesetzlich vorgeschriebenen Aufgaben nicht mehr erfüllen kann.

Albrecht verweist unter anderem auf die Reihenuntersuchungen von Kindern und Jugendlichen. In diesem Bereich sei die Arbeitsfähigkeit des ÖGD bereits eingeschränkt, sagte die Amtsärztin des Landkreises Meißen. "Auch die infektionshygienischen Überwachungen von Gemeinschaftseinrichtungen und medizinischen Einrichtungen kann nur noch unvollständig durchgeführt werden", warnte sie.

Dem Nachwuchsmangel will das Sozialministerium unter anderem mit Werbeveranstaltungen in den medizinischen Fakultäten der sächsischen Universitäten begegnen. Bei den Gesundheitsämtern werden die Personalkosten für die Weiterbildung zum Facharzt für das Öffentliche Gesundheitswesen dem Ministerium zufolge zudem mit bis zu 2.290 Euro pro Monat und Teilnehmer gefördert.

Doch die Zeit drängt: Es sei zu befürchten, dass chronisch psychisch Kranke auf dem Land, "die sonst nirgendwo mehr Hilfe bekommen, von uns nicht mehr aufgesucht werden können", warnt Albrecht von der Landesärztekammer. dpa