Gestolpert auf Tippeltappeltour

Der Vogtlandkreis startete vor 25 Jahren, am 1. Januar 1996: Er ist ein Kind der Vernunft - und des Mannes an der Spitze einer Bürgerinitiative. Ohne den Reichenbacher hätte es ein paar Jahre länger gedauert bis zu einem einheitlichen Vogtland.

Von Uwe Faerber

Reichenbach/Plauen Professor Volker Liskowsky (77) aus Reichenbach hat den Stein ins Rollen gebracht: Vor 25 Jahren schlossen sich die Landkreise Auerbach, Klingenthal, Oelsnitz, Plauen und Reichenbach zusammen zum Vogtlandkreis. Oder besser: Sie wurden zusammengeschlossen. Denn: "Die Auerbacher waren nicht erfreut. Sie wollten zwei Kreise - und fast hätten sie ihr Ziel erreicht", sagt Liskowsky, ehemals Hochschullehrer für Kfz-Technik an der Westsächsischen Hochschule und lange Jahre Kreis- und Stadtrat.


Sogar der Reichenbacher Kreistag hatte dem Modell Göltzschtalkreis (mit Sitz in Auerbach) und Elstertalkreis (mit Sitz in der kreisfreien Stadt Plauen) anfangs zugestimmt.
Doch es kam anders - im letzten Moment: "Das Finanzamt war schon weg und dann wurde auch der Sitz des Amtsgerichts von Reichenbach ins kleinere Auerbach verlegt - und den Reichenbachern dämmerte, welche Nachteile auf sie zukommen, wenn sie sich in einem Kreis wiederfinden, der von dem zupackenden Auerbacher Landrat Eichler geführt wird. Derweil wollte der Reichenbacher Landrat Bienert Bürgermeister von Reichenbach werden."
Liskowsky zufolge hatte Eichler bereits Büros und Gebäude für die neuen Ämter herrichten lassen. Die Messen schienen gelesen, als das Sächsische Verfassungsgericht im Mai 1994 die Kommunalwahl in den künftigen Kreisen Westlausitz und Dresden/Meißen aussetzte. "Das war der Punkt, an dem ich dachte: Da geht auch für das Vogtland noch etwas."


Liskowsky, früher FDP und später Mitgründer der vogtländischen Grünen, schreibt an die Stadt Reichenbach und die Medien und bringt als Fraktionsvorsitzender der Fraktionslosen einen Antrag in den Reichenbacher Kreistag ein.
Und? "40 von 45 Kreisräten unterstützten die Normenkontrollklage gegen das Kreisreformgesetz. Auch die meisten CDU-Abgeordneten stimmten für meinen Antrag", freut sich Liskowsky noch heute.
Am gleichen Tag damals rief Traudel Albert "mit Herz und Schnauze" zu einer Kundgebung in Reichenbach auf. Die Friseuse mobilisiert die Massen, 300 Teilnehmer ziehen vor das Landratsamt und fordern den einheitlichen Vogtlandkreis.
Es ist die Geburtsstunde der Bürgerinitiative (BI) "Gegen die Kreisreform" - mit Liskowsky an der Spitze. Bis heute ist er seinem Schulfreund Gerd Bannies aus Plauen dankbar, der ihn in dieser Zeit massiv unterstützt habe.
Die BI trägt Volkes Wille auf die Straße - immer montags. Und Liskowsky setzt in ungezählten Stunden Schreiben auf: an Bürgermeister, an Verantwortliche und Entscheider. Er reist mit zu Dresdener Rechtsanwälten, die vor dem sächsischen Verfassungsgericht auftreten sollen. Er ist dabei, als mit der CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages gesprochen wird - auf einer Klausurtagung im Kloster Banz.


Liskowsky nennt es einen Etappensieg, als der Sächsische Verfassungsgerichtshof der Normenkontrollklage stattgibt. "Die Richter hatten festgestellt, das es Fehler gegeben hatte - gewissermaßen Stolperer auf der Tippeltappeltour."
Doch es bleibt viel zu tun, weil das sächsische Kabinett vorerst auf der Zweikreislösung beharrt. "Deshalb brachten wir einen Volksantrag in Stellung. "Beim Reichenbacher Bürgerfest 1994 habe ich im Regen Unterschriften gesammelt."
Am Ende waren es 40.000 Unterschriften, auch der Rücktritt von Auerbachs Landrat Eichler nach Stasivorwürfen - laut Liskowsky alles Meilensteine auf dem Weg zum Ziel. "Die Stimmung kippte, die CDU-Landesregierung schwenkte um: Und der Landtag beschloss im September die Bildung des Vogtlandkreises."
Wie sieht Liskowsky die Zeit von damals - und das Ergebnis? "Der Vogtlandkreis hat klare Vorteile gegenüber der Zweikreislösung gebracht. Allerdings hätte ich mir Reichenbachs Position im Vogtlandkreis stärker gewünscht: Aber dazu war vor der Kreisreform zu viel schief gelaufen. Das Gericht kam nicht zurück, Ämter des Landratsamtes, Tourismusverband und Verkehrszentrale fanden Platz in Auerbacher Immobilien, die für den Kreissitz Auerbach hergerichtet worden waren."
Eine Ehrung hat Liskowsky nie erfahren wegen seines Einsatzes für den Vogtlandkreis. Aber auf eines ist er stolz: Auf das V-Kennzeichen. "Das hatte ich schon 1993 in einem Leserbrief gefordert."