Gesetz fordert: Schneeschippe statt Salz

Schnee ist nicht in Sicht - aber was nicht ist, kann noch werden. Und wenn es soweit ist, müssen Hauseigentümer und Grundstücksbesitzer aufpassen. Eigentlich ist der Einsatz von Streusalz verboten.

Plauen - Aus gutem Grund ist mit der Streu- und Räumpflicht nicht zu spaßen: Je nach örtlicher Regelung müssen Wege und Flächen an Werktagen von 7 bis 22 Uhr und an Sonn- und Feiertagen ab 9 Uhr bis 20 Uhr geräumt und gestreut werden. Ausgenommen sind Gastwirte, die während ihrer Öffnungszeiten immer für freie Wege sorgen müssen. Kommt ein Fußgänger durch einen Sturz zu Schaden, haftet der Streupflichtige für Arzt- und Krankenhauskosten sowie für Verdienstausfall und Schmerzensgeld. Von Fall zu Fall kann sogar eine Strafe wegen fahrlässiger Körperverletzung folgen. Grundstücksbesitzer können die Räumpflicht an einen professionellen Räumdienst, einen Hausmeister(dienst) oder an die Mieter selbst übertragen. Dies muss allerdings im Mietvertrag oder der Hausordnung geregelt sein. Dennoch besteht die Pflicht der Eigentümer zur Kontrolle, außerdem müssen Schneeschaufeln, Besen und Streumittel bereitgestellt werden.

Gerne greifen Streupflichtige auf Salz als schnell wirkendes Mittel zurück, obwohl es eigentlich verboten ist. Ausgenommen davon sind besondere Gefahrenstellen wie Treppen oder Gehwege mit starkem Gefälle, an denen Salz nur "in geringen Mengen zur Beseitigung festgetretener Eis- und Schneerückstände" verwendet werden darf, so schreiben es zumindest die meisten örtlichen Straßenreinigungssatzungen der vogtländischen Kommunen vor. "Im Vogtlandkreis gibt es zum Einsatz von Streusalz durch Privatpersonen keine einheitliche Regelung", teilt dazu Ordnungsamtsleiter des Vogtlandkreises Matthias Bohmann mit. Wer Salz einsetzt, sollte sich daher vorher in seiner Gemeinde erkundigen.

Auch wenn das Streusalz auf den ersten Blick bequem und effektiv zu sein scheinen mag, sind die schädlichen Nebenwirkungen gravierend. Zwischen ein und zwei Millionen Tonnen Salz landet durchschnittlich jedes Jahr auf den öffentlichen Verkehrswegen der Bundesrepublik. Die Folgen zeigen sich oft erst Monate später: Salzgeschädigte Straßenbäume können nicht mehr genügend Wasser aufnehmen, im Boden verdrängt das Salz zudem wichtige Pflanzennährstoffe und beeinträchtigt Mikroorganismen. Es belastet Gewässer und Grundwasser, lässt Fahrzeuge, Brücken und Straßenlaternen rosten, lockert Gehwegplatten, greift das Mauerwerk von Gebäuden an und verätzt die Pfoten von Hunden und Katzen.

"Die Beseitigung oder Eindämmung der Schäden verursacht jährlich hohe Kosten. Deshalb ist die Verwendung von Streusalz immer ein Kompromiss zwischen den Anforderungen der Verkehrssicherheit und Umweltbelangen. Im privaten Bereich und auf Gehwegen ist der Einsatz von Streusalz daher in der Regel verboten", so das Bundesumweltamt. Aber was tun gegen die Glätte? Naturschützer empfehlen, Gehwege mit umweltfreundlichen Streumitteln wie Lavasplitt, Tongranulat oder ökologisch verträglichem Auftaugranulat ohne Salzanteil zu verwenden. Die Produkte sind am Siegel mit dem Blauen Engel erkennbar. Althergebrachte Streumittel wie Sand und Asche funktionieren zumindest rutschhemmend und belasten die Natur deutlich weniger als Salz. mm