Geschichtliches im Turmknauf

Die Geschichte der St. Katharinenkirche wurde von den Vorfahren getreu im Knauf des Kirchturms aufbewahrt.

Von Margitta Rosenbaum

Davon konnten sich die Neugierigen überzeugen, die am Samstag gespannt beobachteten, was in der Kapsel im Innern des Turmkopfes zu finden war. Im Rahmen der Sanierung des Turmes wurde die Turmabdeckung abgenommen und der Turmknauf herunter geholt. Das war gar nicht so einfach, denn ausgerechnet am Samstag funktionierte der Lift nicht. So wurde zuerst die Wetterfahne herunter getragen und bestaunt. Kundige entdeckten, dass die Handwerker bei der letzten Sanierung im Jahr 1968 ihre Namen eingraviert hatten. Dann brachten Handwerker die kupferne Kugel und separat die darin enthaltene Kapsel mit den Dokumenten. Die waren mehrfach gegen Witterungseinflüsse geschützt und fest in Folie eingepackt. Es erwies sich als gar nicht so leicht, an den kostbaren Inhalt heran zu kommen. Zum Erstaunen der Zuschauer kam eine Leipziger Zeitung aus dem Jahr 1905 zum Vorschein. Außerdem fand man fünf Briefe an die Nachwelt vor und einige Münzen. Schnell erkannten die Älteren das DDR-Geld als "Alu-Chips". Die anderen Münzen entpuppten sich als Reichsmark, die älteste davon von 1837. Um die Dokumente zu lesen, mussten sie zunächst entrollt und geglättet werden. Kirchvorsteher Daniel Gerbeth konnte die alte Schrift mühelos entziffern. 1818 hatte man am Turm der Kirche, die 1776 erbaut wurde, gearbeitet und festgestellt, dass die Vorfahren bis dahin keine Niederschrift hinterlassen hatten. Darum enthielt der erste Brief die Bitte an die Nachkommen, in Zukunft etwas zur Erinnerung im Turm zu hinterlassen. "Mit Gott haben wir angefangen und mit Gott werden wir den Bau vollenden", schrieb man damals. 200 Taler hatten damals die Bauarbeiten am Turm gekostet. Man hatte den Knopf neu angestrichen, diesmal grün statt vorher weiß und den Turm verputzt. Ähnliche Briefe hinterließen die Werdaer in den Jahren 1838, 1851 und 1905 in der Kapsel. Einige Anwesende konnten sich noch an die letzten Bauarbeiten im Jahr 1968 erinnern. Die Informationen zur damaligen Zeit hatte Pfarrer Gotthold Ebert aufgeschrieben. 
Mit den Sanierungsarbeiten hat sich die Kirchgemeinde Werda viel vorgenommen. Insgesamt 330 000 Euro soll die Maßnahme kosten. 50 000 Euro kommen als Fördermittel über das LEADER-Programm. Landeskirche und Kirchgemeinde kommen mit je 140 000 Euro jeweils für die Hälfte der weiteren Kosten auf. Bisher wurden 54 000 Euro Spendengelder aufgebracht. Unter anderem sammelt die Jugend der Gemeinde Pfandflaschen dafür. Angefangen hat alles damit, dass man feststellte, dass das Gebälk des Turmes vom Schwamm befallen ist. Das hatte weitreichende Folgen. Neben dem neuen Glockengestühl wird es nun auch neue Glocken geben. Die alten wurden schon im November abgenommen. Die beiden Stahlglocken von 1960 werden durch neue Bronzeglocken ersetzt. Bleiben wird die älteste Glocke der Kirche. Die "kleine Glocke" wird nächstes Jahr 500 Jahre alt. Sie befindet sich derzeit in Deutschlands einzigem Glockenschweißwerk in Nördlingen, weil sie einen Riss hat. Wenn sie repariert ist, reist sie nach Innsbruck. Dort werden dann am 14. Juni zwei neue Glocken gegossen, die klanglich aufeinander abgestimmt werden müssen. Ein Gemeindeausflug zum Glockengießen ist schon geplant.