Geschichte vom Lebkuchenmann

24 Schneeflöckchen aus der Drechslerei Kuhnert Rothenkirchen verbergen sich hinter den Türchen unseres Adventskalenders. Alle erzählen eine Geschichte. Bei Bäckermeister Uwe Helm in Schöneck probierte Schneeflöckchen auch leckere Haselnuss-Lebkuchen.

Von Marlies Dähn

 

Schöneck - Die Geschichte vom Lebkuchenmann wird gern in der Weihnachtszeit erzählt. Natürlich beginnt sie genauso, wie alle Märchen nun einmal beginnen mit: "Es war einmal. . ."
Es war also einmal eine kleine alte Frau und ein kleiner alter Mann. Die lebten in einem kleinen alten Haus. Eines Tages hatte die kleine alte Frau einen Lebkuchenmann gebacken. Sie bereitete einen Teig, gab Eier, Mehl, Zucker und Honig in eine Schüssel. Dann kamen noch duftenden Gewürze hinzu wie Anis, Ingwer, Kardamon, Koriander, Muskatblüten, Nelken, Piment und Zimt. Das alles verrührte sie, ließ den Teig rasten, rollte ihn und schnitt einen Lebkuchenmann daraus. Sie schob ihn in den Ofen und wartete eine Weile. Plötzlich rumpelte und pumpelte es im Ofen. Sie öffnete die Ofentür, heraus sprang der Lebkuchenmann und lief davon. Dabei rief er: "Lauf nur, lauf - du kannst mich nicht fangen, ich bin der Lebkuchenmann!" Erst lief die kleine Frau hinterher, dann der kleine Mann, dann eine Kuh - aber niemand konnte ihn fangen. Dann kam der Lebkuchenmann an einen Fluss und konnte nicht hinüber. Ein Fuchs kam des Wegs und was dann geschah, wissen alle, die gern Geschichten hören. . .


Lebkuchenmänner werden bei Bäckermeister Uwe Helm in Schöneck nicht gebacken. Lebkuchen aber schon, nach einem uralten Rezept. Die Bäckerei gibt es schon seit 1883, wie über dem Ladeneingang an der Mittelstraße12 unschwer zu erkennen ist. Schon Anfang November wird in der Backstube der Grundteig hergestellt - 70 bis 80 Kilo sind das locker. Der spezielle Teig, verfeinert mit bekannten und geheimen Zutaten und Gewürzen, muss er ausgiebig ruhen. Ist der zähe Teig dann ausgerollt, landen die kreisrund ausgestochenen Formen auf Oblaten. Bei Helms wandern zwei Sorten in den Backofen - Haselnuss-Lebkuchen und Elisenlebkuchen mit Mandeln und Marzipan. Dunkle Kuvertüre rundet die Sache ab. "Aber manche Lebkuchen bleiben auch nackig", verrät Uwe Helm. Einige Kunden wünschen das so und steuern deshalb extra eine der Filialen an. Die befinden sich neben Schöneck, in Oelsnitz, Bobenneukirchen und gleich mehrfach in Klingenthal. Beliebt ist zudem das Helmsche Mischbrot. Gebacken wird mit Natursauerteig. Saftig lockere Eierschecke gibt es außerdem beim Bäcker Helm. Zur Freude von Schneeflöckchen ganz ohne Rosinen. Und der klassische Schönecker Weihnachtsstollen 2018 wurde eben erst ausgezeichnet. "Eine Kalorienbombe", schmunzelt Bäckermeister Uwe Helm und lässt aus gesundheitlichen Gründen lieber selbst erstmal die Finger davon.


Gern schauen auch ganz junge Kunden beim Helm-Bäck in der Mittelstraße vorbei. Denn immer nur zur Weihnachtszeit gibt es die "Puppensemmeln". Niedliche Semmel- und Brot-Winzlinge werden dann sorgsam in Tüten abgepackt über die Ladentheke gereicht. Wer sicher gehen will, sollte sie vorbestellen