Geschichte lebendig halten

Der Verein Vogtland 89 e.V. und Filmemacher Tino Peisker zeigten am Freitag im Malzhaus zum ersten Mal den Film "Aufbrüche". Die fast 45-minütige Dokumentation war als Aufarbeitung und Erinnerung an die Friedliche Revolution 1989 angekündigt worden.

Von Stephanie Rössel-Conradi

Plauen "Bitte halten Sie diese Geschichte lebendig und lassen Sie uns die Geschichte Plauens in die Zukunft trage.", bat der Sozialbürgermeister Steffen Zenner, bevor er das Wort an Peisker übergab. Dieser erinnerte sich ganz genau, was er am Tag genau vor 30 Jahren gemacht hat. "Ich bin ausgereist", sagte der 49-Jährige und hatte aus seinem Fundus ein wichtiges Dokumente von damals mitgebracht- die Identitätsbescheinigung der DDR.
Den von ihm mit produzierten Film "40 Jahre sind genug" wollte er anlässlich 30 Jahren Mauerfall eigentlich nochmals überarbeiten. Aus dem geplanten Revival wurde die Produktion mit dem Verein Vogtland 89, an dem er die vergangenen neun Monate gearbeitet habe. Dank Sparkasse Vogtland, VR Bank Bayreuth-Hof und der Förderung durch den Freistaat war die filmerische Aufarbeitung der Vergangenheit möglich.
Einige Szenen aus der Doku von vor zehn Jahren wurden direkt übernommen. Auch die gleichen Protagonisten, wie z.B. Jörg Schneider, kamen erneut zu Wort. Aber auch andere Erfahrungsberichte von Jürgen Fritzlar aus der Plauener Spitze oder dem ehemaligen Neoplan-Geschäftsführer Achim Knabe waren zu sehen.
Als Provokation wurde die Eingangsszene von Lutz Rathenow bezeichnet, die eine Demonstration einer im Fokus des Verfassungsschutzes stehenden Gruppierung von Mai 2019 zeigte. Der sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, der bei der Premiere in der ersten Reihe sass, resümierte "Aufbrüche" als Spiegelung der Region. "In Berlin würde das sicher eine andere Wirkung erzielen. Viele Problem wurden ja nur angerissen. Und gerade die Anfangszene ist etwas, dem man sich stellen muss. Hier in Plauen gab es ein paar Menschen, die ohne große Vorgeschichte ein paar ziemlich intelligente Sachen gemacht und das durchgehalten haben mit Impuls. Nicht alle Städte haben eine friedliche Revolution erlebt, sondern einfach eine Wende, die ihnen einfach auferlegt wurde.", so Rathenow.
Tino Peisker hatte bestimmte Szenen und Aussagen stilistisch ganz bewusst so gewählt. Um das auch in Worte zu fassen, ließ er die ehemalige Leichtathletin und heutige Professorin, Dr. Ines Geipel sprechen. Ihren Aussagen kann er vollkommen folgen und wählte sie deshalb auch ohne Bezug zum Vogtland. In ihrem aktuellen Buch schreibt sie über Fremdenfeindlichkeit und Hass auf den Staat. "Meiner Meinung nach, darf man über die DDR gar nichts Gutes mehr sagen und die, die es eigentlich wissen müssten, vergessen es und lassen es jetzt auf die schiefe Bahn geraten.", sagt Peisker. Zwei Sätze die sich jedem einprägen sollten, fielen im Publikum. "Wer in der Demokratie einschläft, wacht in der Diktatur auf." Und: "Wir haben Demokratie gewollt, jetzt müssen wir sie auch akzeptieren." waren in beiden Fällen der Abschluss eines Statements zur Veranstaltung.
Sicher hatte der Kurzfilm auf jeden eine andere Wirkung. Auf die, die dabei waren und die, die noch nicht geboren waren und alles nur aus Berichten kennen. Einen Aha-Effekt gab es vielleicht nicht, jedoch ist der Streifen als komprimiertes Speichern von Erinnerungen absolut wichtig.