Gerhard Liebscher zieht in Landtag ein

Unverhofft kommt oft, sagt der Volksmund. Die Hoffnung auf den Einzug in den sächsischen Landtag hatte der Plauener Gerhard Liebscher im September vorigen Jahres eigentlich schon begraben müssen. Nun ist er für Bündnis 90/Grüne drin.

Plauen "Jetzt bist Du dran", habe ihm Gerd Lippold am Telefon gesagt, erinnert sich Gerhard Liebscher an das Gespräch, das ihn am Montag im Urlaub erreichte. Gerd Lippold ist in der neuen Regierungskoalition Staatssekretär und legte - wie übrigens auch Petra Köpping und Dagmar Neukirch (beide SPD) - sein Mandat nieder. Im Gegensatz zu Ministern, sind Staatssekretäre dazu verpflichtet, erklärt Liebscher und bei "seinen" Grünen sei die Trennung von Amt und Mandat sowieso vorgeschrieben. Ganz so überraschend, räumt Liebscher freimütig ein, sei die Nachricht aber dann doch nicht gekommen. Natürlich hatte er verfolgt, dass Lippold Staatssekretär werde, und mit Listenplatz 20 hatte er den Einzug in den Landtag im September nur denkbar knapp verpasst. Und auch damit waren damals Freude und Enttäuschung eng verbunden. Nur weil ein Grüner in Dresden eines der begehrten Direktmandate holte, blieb der Plauener "draußen". "Damit war ich der erste Nachfolger", freut sich der 64-Jährige. Nun ist er der zweite Landtagsabgeordnete für Plauen in Dresden - neben Frank Schaufel von der AfD, der ein Direktmandat geholt hatte und damit den langjährigen CDU-Abgeordneten Frank Heidan aus dem Rennen warf.
Wann es in Dresden für ihn "ernst" wird? "Das versuche ich gerade herauszubekommen", lacht Liebscher. Von der Landeswahlleitung werde ich noch offiziell schriftlich informiert und angefragt, ob ich die Wahl annehme - was ich natürlich tun werde." Dann folgt die Vereidigung, Liebscher schätzt in einer der nächsten Sitzungen bis spätestens Ende Januar. Und nehmen wir mal an, was eigentlich niemand so recht will, die Regierungskoalition zerbricht? Wird er in diesem Falle wieder nach Hause geschickt, weil Parteifreund Lippold sein Mandat zurückbekommt? "So funktioniert das nicht", macht der ehemalige Vosla-Chef klar. "Das ist dann gewissermaßen immer das Risiko des Betreffenden. Auch wenn ich rein theoretisch zurücktreten würde, bekäme das Mandat ein weiterer Nachrücker." Und nein, auch die bisher eingetroffenen Glückwünsche habe er nicht gezählt - es seien jedenfalls sehr viele. Dieter Rappenhöner, ebenfalls grünes Urgestein und bis vor kurzem Plauener Stadtrat, der mittlerweile den Ruhestand teilweise in seinem kleinen Domizil auf den Kanaren verbringt, sei "unschlagbar schnell" gewesen, lacht Liebscher. Die Kommunikation von und nach Lanzarote scheint also zu klappen. Womit wir eigentlich schon bei den Prioritäten sind, die sich Liebscher für Dresden auf die Fahnen geschrieben hat. Als "grüner Wirtschaftspapst" im Vogtland will er genau in diesem Bereich auch in der Landeshauptstadt Prioritäten setzen. Aber auch der ländliche Raum liege ihm am Herzen, ergänzt er, ebenso wie der Radwegebau in Plauen. Vor allem aber auch will er sich für die Stärkung der Plauener Berufsakademie ins Zeug legen. "Dass sie zur Dualen Hochschule entwickelt wird, steht schließlich im Koalitionsvertrag", gibt sich Liebscher optimistisch. "Da kann der BA-Direktor Prof. Lutz Neumann auf mich zählen."
Insgesamt zählt die Fraktion der Bündnisgrünen im Dresdner Landtag zwölf Abgeordnete - lange wird Liebscher unter ihnen nicht als der "Neue" gelten. top