Ger Bauers bittere Erfahrung

Oelsnitz - Betroffene Gesichter gibt es bei den Oelsnitzern zur Abberufung von Stadtwerke-Geschäftsführer Ger Bauer. Rätselraten herrscht zu den Gründen. Der 54 Jahre alte Vogtländer mit niederländischem Pass, der mit seiner Familie in Engelhardtsgrün lebt, genoss bei den Mitarbeitern Achtung und Sympathie.

Mitte April hatte der Stadtrat - laut Pressemitteilung aus dem Rathaus - Ger Bauer in nichtöffentlicher Sitzung von seinem Posten abberufen. Gründe für die Trennung zu benennen, lehnte damals Oberbürgermeisterin Eva-Maria Möbius mit dem Hinweis auf die Nichtöffentlichkeit von Personalangelegenheiten ab.   Unterschiedliche Auffassungen   In der Stadtratssitzung am Mittwoch informierte sie die Öffentlichkeit über das Ergebnis der nichtöffentlichen Sitzung. Die Abbestellung Bauers war mit 17 Ja-Stimmen und einer Enthaltung erfolgt. Ines Puhan, bis dato Prokuristin, ist bis zur Neu-Ausschreibung als Geschäftsführerin berufen. Die Ausschreibung der Funktion habe zeitnah zu erfolgen. Ger Bauer hat sich zwischenzeitlich in einer Stellungnahme per E-Mail zu seinem Rauswurf geäußert. "Ich habe weder in die Kasse gegriffen, noch die Sekretärin unsittlich belästigt", versucht er im Telefonat mit unserer Zeitung den Humor zu bewahren, was ihm hörbar schwer fällt.

Ganz überraschend kam der Schnitt für ihn nicht. Der Abstimmung im Stadtrat war am 9. April eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung vorausgegangen, mit dem Beschluss, sich von ihm zu trennen. "Die Gründe dafür liegen in unterschiedlichen Auffassungen zur Geschäftsführung und zum Informationsaustausch zwischen Aufsichtsrat und Geschäftsleitung", schreibt Bauer. "Ich teile diese Meinung nicht", sagt er am Telefon. Bitter sei die Erfahrung gewesen, dass er erst wenige Stunden zuvor über diesen Termin informiert wurde. Die Themen habe er nur erahnen können, "eine Vorbereitung war nicht möglich. Zur Stadtratssitzung wurde ich nicht eingeladen. Dadurch hatte ich leider keine Möglichkeit, Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen", äußert er in der Mail.

Welche Argumente hätte er bei besserer Vorbereitung parat gehalten? "Schwierig", meint Bauer. "Ich hatte nicht die Möglichkeit zu recherchieren." Zu Details will er sich nicht äußern. Denn arbeitsrechtlich bestehe sein Vertrag weiter. Bauer ist "freigestellt". Das Geschäftsführeranstellungsverhältnis sei noch bis zum 31. Dezember 2009 terminiert. Bis dahin laufen Bauers Bezüge weiter.

Den Ursprung der Vorwürfe gegen ihn sieht er auf Nachfrage weder im Stadtrat noch im Aufsichtsrat, sondern in einer "externen Quelle". Nach Informationen unserer Zeitung lag dem Aufsichtsrat bei seiner Entscheidung das Sitzungs-Protokoll der Kommunalen Energiedienstleistungs-Gesellschaft Südsachsen (KES) vom 25.März vor. An der Sitzung nahm auch die Oelsnitzer Stadtwerke GmbH teil. Kamen die Vorwürfe aus der Versammlung der Geschäftsführer? "Woraus es hervorgegangen ist, kann ich nicht sagen", hüllt sich Bauer in Schweigen.

Personenbedingte Gründe habe es nicht gegeben. Am meisten gewundert habe ihn die Haltung von Oberbürgermeisterin Eva-Maria Möbius. Er habe das Verhältnis zu ihr als sehr gut eingeschätzt.   "16 erfolgreiche Jahre"   "Es fällt mir nicht leicht, das Ruder nach 16 Jahre erfolgreicher Arbeit abgeben zu müssen. Seit 1993 konnte vieles auf den Weg gebracht werden. Neben Wärme-, Gas- und Stromversorgung wurden weitere kommunale Betätigungsfelder übernommen und erfolgreich entwickelt. Stadtbauhof, Sportstättenverwaltung, Hausmeisterdienste, Straßenbeleuchtung und nicht zuletzt das Stadtbad wurden erfolgreich unter die Fittiche der Stadtwerke genommen. Die Zusammenfassung aller kommunalen Gesellschaften unter der Kommunalen Holding Oelsnitz GmbH war die letzte größere Herausforderung unter meiner Leitung. Damit ist eine zukunftsträchtige Struktur geschaffen worden, die für weitere Aufgaben offen ist", schreibt Bauer.

Auch wenn seine Tätigkeit so unschön ende, blicke er mit Befriedigung auf 16 erfolgreiche Jahre. Für diese Zeit sage er Stadt- und Aufsichtsräten Dank für das Vertrauen. "An Sympathiekundgebungen aus der Oelsnitzer Bevölkerung hat es nicht gemangelt", erzählt Bauer am Telefon. "Das hat wohlgetan."

Beruflich denke er nach dem Ablauf seines laufenden Vertrags an die Neubewerbung für eine Stelle oder daran, sich selbstständig zu machen "in der Beratungsbranche, wo ich herkomme."  R. W.