Genießer-Woche ist eröffnet

Von Anfang an herrscht wieder Andrang auf dem Europäischen Bauernmarkt, der am Samstag zum 24. Mal seine Türen öffnete. Hier treffen sich Erzeuger und Verbraucher. Vor der Markteröffnung gab es traditionell das agrarpolitische Gespräch mit vielen internationalen Gästen.

Von Marjon Thümmel

Plauen - "Hier trifft sich Europa und es zeigt was es ausmacht: Vielfalt, Kultur und Genuss. Es ist großartig zu sehen, wie das Organisationsteam aber auch die Besucher den Bauernmarkt mit Begeisterung tragen. 75 Direktvermarkter aus 14 Ländern sind hierher gekommen, so viele wie noch nie", sagte Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt, der am Samstag als Schirmherr den Markt eröffnete. Gemeinsam mit den EU-Abgeordneten Dr. Peter Jahr und dessen Südtiroler Kollegen Herbert Dorfmann sowie zwei sächsischen Majestäten schnitt er das Band durch. Südtirol ist in diesem Jahr unter dem Motto "Griaßt enk aus Südtirol" Gastgeberregion. 
 Bevor es so richtig mit dem Markttreiben in der Biller-Veranstaltungshalle losging, begrüßte Landrat Rolf Keil mehr als 160 Gäste aus nah und fern, als Vertreter von Politik, Wirtschaft und vor allem Landwirtschaft beim traditionellen agrarpolitischen Gespräch. Herausforderungen an die Landwirtschaft angesichts des geringer ausfallenden EU-Haushaltes sowie die neue Förderperiode 2012 waren die Themen. "Da wir in wenigen Wochen ein neues EU-Parlament wählen, wurde die Agrarreform erst einmal gestoppt, weil nicht klar ist, wieviel Geld für die Landwirtschaft zur Verfügung steht", sagte Dr. Jahr. "Wenn wir wissen, dass 100 Euro pro Kopf im Jahr in die Landwirtschaft in Europa fließen, sollten sie uns dies zur sicheren Versorgung der Menschen das wert sein", ergänzte Dorfmann. Mit den Fördermitteln wird unter anderem der Ausbau der Infrastruktur im ländlichen Raum unterstützt, um gleiche Lebensbedingungen in Stadt und Land zu schaffen. "Um das noch besser zu können, sollen die Kommunen mitentscheiden und bekommen ein eigens Budget über das LEADER-Programm", sagte Dr. Jahr. 
 Wie weit auseinander die Umfragen und das Kaufverhalten gehen, machte Domenik Krug deutlich: Er ist Azubi in der Agrargenossenschaft Bobenneukirchen und macht nach der Berufschulzeit in Reichenbach in der Landwirtschaftsschule in Plauen seinen Staatlich geprüften Wirtschafter für Landwirtschaft. "Viele sprechen von Tierwohl, entscheiden sich aber beim Discounter für die billigen Fleischangebote", sagte er und wünscht sich diesbezüglich mehr Ehrlichkeit. "Ich wünsche mir aber auch eine gewisse Wertschätzung für die Landwirtschaft und Vertrauen", betont der junge Landwirt, der mit seiner Freundin Tessa-Maria Kaden, ebenfalls Azubi in Bobenneukirchen, die Leidenschaft zum Beruf teilt.
 Emotional waren auch die Worte von Martina Langheinrich aus Rodersdorf, als sie davon sprach, wie sie beim Ausbau der A 9 und der Rastanlage Frankenwald ihren elterlichen Hof aufgeben musste. "Mit Sack und Pack sind wir 1990 ins Vogtland, haben den Milchviehbetrieb im Gut Rodersdorf gekauft und noch 200 Hektar Land dazu, in der Hoffnung auf eine gute Entschädigung aus Bayern für den Verlust unseres Hofes. 1997 haben wir in Rodersdorf angefangen, Entschädigung gab es so gut wie keine, und so mussten wir alles aus eigener Kraft stemmen. Heute ist das Gut unter Denkmalschutzauflagen saniert. Seit 2010 sind wir Bio-Betrieb und haben mit 'Naturland' die Milchkrise gemeistert", erzählt sie. Mit Ehemann, Söhnen und einem Angestellten wird der Hof bewirtschaftet. 
 Nach der Diskussion, wie immer von Madlen Schulz von Vogtland-Radio moderiert, gab es von den Markteilnehmern Werner Stocker (Südtirol) und Flora Pek (Ungarn) Kostproben. Zuvor hatte Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer einen schönen Aufenthalt in Plauen und viele Erfolg dem Markt gewünscht. Der Chor des Lessing-Gymnasiums unter Leitung von Kathrin Büchold schlug mit dem Lindberg-Titel "Lass uns in den Frieden zieh'n" neben italienischen Liedern auch nachdenkliche Töne an.