Generalintendant Roland May 100 Tage im Amt

Plauen - Ein Kranz aus Vorschusslorbeeren wurde ihm nicht aufs Haupt gesetzt. Generalintendant Roland May musste zu Beginn des Jahres eher mit Formulierungen wie "Verlierer" oder "ein Mann, der sich rücksichtslos selbst verwirklichen will" fertig werden.

 

Wenig zimperlich gingen Leserbriefe mit ihm um. Nun hat er seine erste Spielzeit (Motto: "anders leben") mit unter anderem vier Premieren an einem Wochenende gemeinsam mit seinen Mitarbeitern eröffnet. Er ist 100 Tage im Amt. Anlass für den Plauener Theaterförderverein, den Theaterchef zum Gespräch einzuladen. Im Oberen Foyer stellte sich Roland May am Mittwoch den Fragen von Dr. Lutz Behrens, dem Fördervereinsvorsitzenden, der wie immer bei diesen Veranstaltungen das Publikum ausgiebig zu Wort kommen ließ.

Roland May bedankte sich eingangs bei allen seinen Mitarbeitern, die den "Kraftakt der vier Premieren gestemmt haben". Seine Bilanz nach 100 Tagen falle, wie könnte das anders sein, gemischt aus; da gäbe es durchaus Gelungenes, das auch überregional registriert worden sei. Andererseits seien die Dinge im Fluss, gelte es Entwicklungen abzuwarten. Vor allem komme es darauf an, die Besucherzahlen zu erhöhen und zu stabilisieren. Konkrete Fragen wurden zu einzelnen Inszenierungen gestellt. So zu "Dantons Tod". Warum müssen die Schauspieler sich hier nackt auf der Bühne herumwälzen und in Eingeweiden wühlen? Oder zur Oper "Wilhelm Tell". Warum nur ein so karges Bühnenbild?

Die Veränderung des Eingangsbereiches des Vogtlandtheaters wurde gelobt für die jetzt zu sehenden Fotos aller Ensemblemitglieder - andererseits gäbe es nun keine Möglichkeit mehr, sich in der Pause mit Getränken zu versorgen, schwierig vor allem für ältere Besucher. Roland May sagte zu, dies zu ändern. Der komplizierte Zugang zum Theater für Behinderte, zum Beispiel im Rollstuhl, kam zur Sprache; Helko Grimm, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins, Stadt- und Kreisrat, versprach, dieses Thema im Stadtrat öffentlich zu machen, da auch die Stadt als Besitzer der Immobilie Theater in der Pflicht sei.

Auch die wenig ansprechende Werbung des Theaters in den Schaukästen am Oberen Bahnhof oder den Glasvitrinen auf der Bahnhofstraße wurde kritisiert. Hier müssten, so der Intendant, Anfangsschwierigkeiten überwunden werden. Die Frage, welche Summen an Abfindungen für Ensemblemitglieder gezahlt werden müssen, deren Verträge nicht verlängert wurden, konnte Roland May nicht konkret beantworten. Die drei Monate, die da abzuwarten seien, wären nun gerade erst herum.

Anfragen gab es zum Vorhaben, das Gestühl des Theaters auszuwechseln. Müsse das überhaupt sein, wurde angemerkt, wo doch das Geld knapp sei. Hier verwies Geschäftsführer Volker Arnold auf die Finanzierungsmodalitäten und den Zusammenhang mit Heizung, Lüftung, Polsterung und den Tonbedingungen im Haus. Der aus Ellefeld gekommene Dramatiker Christian Martin brach eine Lanze für die vogtländische Sagengestalt des Moosmännleins. Er habe vor einigen Jahren, auch gefördert durch den Theaterverein, zu diesem Thema ein Theaterstück geschrieben und fragte an, ob sich Roland May eine Aufführung in der nächsten Spielzeit vorstellen könne.

Die künftige finanzielle Lage des Theaters bildete den Abschluss der zweistündigen und mit viel Leidenschaft geführten Diskussion. Zeiten knapper Kassen machten keinen Bogen um kulturelle Einrichtungen. Im Gegenteil. Roland May dankte den Gesellschaftern, die sich in beiden Städten zum fusionierten Theater bekannt hätten. Trotzdem seien Einsparungen unumgänglich. Alles kam auf den Prüfstand; es habe keine Tabus gegeben. Das noch unter Intendant Rüdiger Bloch ausgearbeitete Sparkonzept werde quantitative Abstriche nötig machen. Auch Entlassungen ließen sich nicht vermeiden.

Fördervereinschef Lutz Behrens appellierte zum Schluss an alle Teilnehmer der Veranstaltung, das Theater rege zu besuchen und zu unterstützen. "Damit zeigen wir nachdrücklich, wie wichtig uns das Theater ist." Dass dies kein Lippenbekenntnis sei, beweise Ulrike Kluge. Frau Kluge aus Plauen wurde zu Beginn der Gesprächsrunde als 200. Mitglied des Fördervereins mit einem Blumenstrauß willkommen geheißen.  M.B.