"Geile Landschaft, coole Leute"

Zwei Plauener sind derzeit mit einem 20 Jahre alten Mercedes im hohen Norden Europas unterwegs - und erleben Tag für Tag interessante Dinge. Unter anderem gab es eine Begegnung mit dem alten Tourbus von ABBA - und ein Bad im Nordmeer.

Von Mario Wild

Plauen - Er rollt und rollt und rollt - der 20 Jahre alte Mercedes von Sven Knorr und Torsten Schad. Das muss er aber auch, denn der fahrbare Untersatz muss rund 7500 Kilometer in 16 Tagen bewältigen - bei der Rallye Baltic Sea Circle. Die Hälfte hat das Plauener Duo fast geschafft. Gestern befand sich der Nordkap bereits in greifbarer Nähe - bei Erscheinen dieser Ausgabe war er mit Sicherheit erreicht. "Am Donnerstag war das Wetter wirklich fantastisch. Haben die Fahrt durch die Berge sehr genossen und auch ein schönes Plätzchen gefunden zum Übernachten", lautete der jüngste Facebook-Eintrag der "Vogtländer on Tour".
Ab sofort geht es zurück Richtung Süden - über Murmansk, St. Petersburg, dem Baltikum und Kaliningrad nach Hamburg. Dort soll am nächsten Wochenende der Zielstrich überquert werden. In den kommenden Tagen werden die wagemutigen Vogtländer aber zunächst Kontakt bekommen mit dem " russischen Slalom-Schlagloch-Roulette", so Schad kurz vor der Abreise.
Mit einem Navi wäre das kein Problem? Stimmt sicher nicht ganz, aber es wäre etwas einfacher. Aber: Die Nutzung solcher Hilfsmittel ist streng verboten bei der Rallye - einzig das Roadbook gibt die Strecke vor. Und das sagt auch, dass die Nutzung von Autobahnen untersagt ist.
Gesehen und erlebt haben die Plauener inzwischen schon mancherlei - schließlich blieb auch Zeit für Land und Leute. Bei einem kurzen Abstecher nach Kopenhagen wurde selbstverständlich der weltberühmten kleinen Meerjungfrau ein Besuch abgestattet, in Schweden "fanden wir auf einem seltsamen Autofriedhof mitten im Wald den alten Tourbus der Band ABBA", halten Knorr und Schad die Daheimgebliebenen via Facebook auf dem Laufenden. Durch Mittelschweden ("geile Landschaft, coole Leute") wurde Norwegen erreicht. Und unterwegs immer wieder der Aufruf: "Vergesst nicht zu spenden!" Schließlich soll Geld für einen guten Zweck zusammenkommen. Genauer gesagt für den Oelsnitzer Verein Jumi-Kinderhilfe und dem Vital-Verein, einer Vogtländischen Initiative für Teilhabe und aktives Leben.
Gespendet haben auch die beiden Vogtländer - nicht nur für ihre Vereine, sondern auch (vermutlich) für die norwegische Staatskasse. Sie waren etwas zu schnell unterwegs wurden geblitzt und mussten zahlen. "Die norwegischen Polizisten sind freundlich aber konsequent", so die wenig überraschende Erkenntnis, bevor es nach kurzer "Zwangspause" mit der Fähre auf die Lofoten ging. 2500 Kilometer waren da geschafft.
Überquert wurde im Laufe der Woche der Polarkreis. Stilecht ist die Mitternachtssonne bei einer Rallye-Party zelebriert worden - inklusive Lagerfeuer und Bad im Nordmeer. Eine zweite gemeinsame Feier aller Fahrer wird es in der kommenden Woche im Baltikum geben, wenn die Vogtländer die "weißen Nächte" genießen dürfen.
Genießen wird das Duo aber - bei aller Abenteuerlust - sicherlich auch den Moment ihrer Rückkehr in die Spitzenstadt. Weiterhin gute Fahrt!