Geheimnisse der Talsperre Pirk

Große Anziehung entwickelt die Talsperre Pirk ausgerechnet nach Ende der touristischen Saison. An den Wochenenden ist kaum noch ein freier Parkplatz zu finden.

Taltitz - Seit Mitte September senkt die Landestalsperrenverwaltung (LTV) den Stauspiegel der Pirk ab. Nun kommt eine sonst verborgene Welt ans Licht - die einen Zustrom von Neugierigen anlockt - Familien mit Kind und Kegel, mit und ohne Hund sowie die Fotografen. Es gibt viel zu entdecken, am Nordufer zum Beispiel den alten Mühlgraben. Am Südufer tauchte die ehemalige Bahntrasse der Zugverbindung Plauen-Eger auf.

Der Streckenabschnitt zwischen Pirk und Oelsnitz wurde beim Bau der Talsperre 1937/38 ein Stück nach oben an den Hang verlegt, die alte Trasse versank im Stausee. Wieder zu sehen sind die Widerlager der Straßenbrücke, die einst über die Bahn zum Dorf Dobeneck führte. Fundamentreste mit Unterkellerung wecken Neugier. Entstanden sind breite Uferstreifen und Trampelpfade, welche das Fehlen eines Wanderwegs rund um die Talsperre vergessen lassen, wenigstens für kurze Zeit. Der Pfad endet an der kleinen Sperrmauer, welche sonst von Wasser bedeckt, nun vollkommen frei liegt.

Den absoluten Hingucker bilden jedoch die Felsen an der Ruine Stein. Wie der gezackte Rücken eines Drachen taucht das sonst im Wasser versunkene Massiv zu Füßen der mittelalterlichen Mauerreste am Elstertalhang auf. Und der Wasserspiegel sinkt weiter. Er soll bis Dezember um etwa neun Meter abgesenkt werden, damit Wartungsarbeiten an den Verschlüssen der Grundablassleitungen, den sogenannten Rollschützen auf der Wasserseite der Staumauer, ausgeführt werden können. Voraussichtlich noch in diesem Jahr soll dann der Wiederanstau beginnen.

Die Baumaßnahme hatte die LTV an das Ende der Hauptsaison gelegt, um die Einschränkungen der Freizeitnutzung so gering wie möglich zu halten. Nun zieht gerade die sich leerende Talsperre die Besucher an. Ähnliche Bilder waren vor rund zehn Jahren zu sehen, als die Sedimentberäumung begann. Trockenen Fußes konnte man die Talsperre im supertrockenen Sommer 1975 durchqueren. R.W.