Geflügelte Dämonen auf dem Laufsteg

Berlin/Grünbach - Bunt, schrill, exotisch: 120 Modelle von jungen Modemachern aus Deutschland, Peru und Mali werden heute Abend im Palais im Funkturm Berlin zur Modegala "Weltgewänder" präsentiert. Darunter auch Extravagantes von Studenten der Hochschule für Angewandte Kunst aus Schneeberg - angehörend der Westsächsischen Hochschule Zwickau.

 

Dass die ausgeflippten Kreationen der Schneeberger Designer bei der Fashion-Gala der Welthungerhilfe mit dabei sind, das hat die Grünbacherin Ingrid Piszczek angeschoben. Vor sieben Jahren begann die Bäckersfrau aus Grünbach, sich für die Welthungerhilfe stark zu machen. Seitdem hat sie unzählige Aktionen initiiert, stand sogar mit der Sammelbüchse bei Minusgraden an der Vogtland-Arena. Und damit ist die agile, wendige Frau eines der Flaggschiffe der einzigen Welthungerhilfe-Aktionsgruppe im Osten Deutschlands.

Den Armen der Welt zu helfen und der Glamour der Mode scheinen zwei gegensätzliche, unvereinbarende Dinge zu sein. In Ingrid Piszczek steckt aber von jedem etwas drin. "Ich habe selbst Mode studiert", lässt die Bäckersfrau die Katze aus dem Sack. Technik und Design waren ihre Schwerpunkte am Deutschen Modeinstitut Berlin, davor stand noch eine solide Herrenschneider-Lehre in der Lausitz.

 

"Doch dann kam mein Baken-Men, mein Karl-Heinz, und ich stand in der Backstube", erinnert sich die heute 67-Jährige. Fortan rutschte das Entwerfen von Mode in die Freizeit-Liga. Zu DDR-Zeiten schneiderte sie für sich und die Familie manch schickes Stück, so dass die Grünbacher oft neidisch wisperten: "Mensch, müssen die ein Geld haben. Die Klamotten sind bestimmt aus dem Exquisit!"

Deshalb schlägt auch ihr Herz so sehr für die Mode, deshalb hat sie sich bei der Welthungerhilfe für die kreativen Köpfe aus Schneeberg eingesetzt. "Vogtland und Erzgebirge waren immer Hochburgen der Textilindustrie. Ich möchte ganz einfach auf meine Heimat aufmerksam machen."

Aufmerksam machen will die Deutsche Welthungerhilfe auch: Auf die Menschen in der Dritten Welt. "Mode kann uns dabei helfen, eine Brücke zu schlagen. Durch Berichte über Hunger, Armut und Kriege gerät oft in Vergessenheit, dass Entwicklungsländer einen großen kulturellen Reichtum besitzen", so Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhife.

Neben den Schneeberger Jung-Designern wetteifern Studenten von neun weiteren Mode- und Design-Schulen - so aus Berlin, München, Hamburg, Dresden und Schwerin - um die Gunst der Jury und des rund 1000-köpfigen Publikums. In der Jury sitzen übrigens Modekenner, wie eine Kostümhistorikerin, die Designer-Koordinatorin von Mercedes-Benz, Bärbel Dieckmann von der Welthungerhilfe, die Chefredakteurin von Bunte und Amica, sowie der Kreativ-Direktor von Adidas.

 

Sie haben Kreationen aus handgewebter indischer Seide, gemusterter westafrikanischer Baumwolle und bunterem peruanischen Streifenstoff, die zu zeitgemäßer, urbaner Mode verarbeitet wurde, zu bewerten. Zum Finale werden die besten Modelle prämiert. Und der Erlös der schillernden Gala auf dem Laufsteg geht diesmal in die peruanischen Anden - ein Projekt der Welthungerhilfe.

Unter den Gästen sitzt auch Ingrid Piszczek, die allerdings genauso ihre Eintrittskarte zahlen will, wie all die anderen auch. "Jeder Euro zählt. Es ist ja für die Armen der Welt". Info: K www.weltgewaender.de  Cornelia Henze