Gefangen im Behörden-Dschungel

Stefan Bergemann ist Gastronom mit Leib und Seele. Sein Restaurant "Zum Steinbruch" im Plauener Ortsteil gilt dank ausgefallener, kreativer und dennoch bodenständiger Küche längst als Geheimtipp.

Von Ingo Eckardt

Neundorf  Die Corona-Schließzeit hat er dank treuer Kundschaft, die sich das Essen bei ihm bestellte und abholte, zumindest einigermaßen schadlos überstanden. "Trotzdem waren wir natürlich froh, als wir mit einigen Einschränkungen wieder öffnen durften. Wir sind eben Gastronomen mit Leib und Seele", sagt Gattin Barbara Bergemann.
Nun aber erließ der Vogtlandkreis aufgrund der Steigerung der festgestellten Corona-Infektionen in Adorf, Bad Elster und Markneukirchen für den gesamten Landkreis strengere Regeln, die auch die Gastro-Branche betreffen.
"Grundsätzlich habe ich da auch gar nichts einzuwenden. Man muss ja schon auf die Gesundheit der Leute achten. Aber ohne Radio, Zeitung und Fernsehen hätte ich gar nichts davon erfahren, dass es neue Regeln gibt. Das Gesundheitsamt hat uns ebenso wenig eine Information geschickt wie unsere Berufsstandsvertretung", kritisiert Bergemann, dass es keine direkte Information an die Betroffenen gab. Er könne das nicht verstehen, zumal ja das Nichteinhalten der Regeln mit Ordnungsgeld geahndet werden kann. Bergemann hatte jedoch von der Neuregelung erfahren und rief deshalb im Gesundheitsamt des Vogtlandkreises an, wollte wissen, welche Daten seiner Gäste er konkret erheben müsse. "Die Dame am Telefon meinte, sie wisse das auch nicht ganz genau und stellte mich zur Corona-Hotline durch. Dort wurde ich von der Frau regelrecht abgewimmelt und am Ende sogar weggedrückt. Ich rief erneut im Gesundheitsamt an, diesmal gab man mich an einen jungen Mann weiter, der bestätigte, dass es dafür gar keine ganz festen Regeln gäbe. Man müsse halt Name und Kontakttelefonnummer, besser auch die Adresse der Gäste, erfassen", berichtet Bergemann über die Auskunft. Eine Liste dürfe man aus Datenschutz-Gründen aber wohl besser auch nicht erstellen. Man sollte lieber mit einzelnen Zetteln arbeiten, die man halt improvisieren müsse. "Ich fragte noch, ob es einen Vordruck dafür gibt, aber er verneinte das. Ich kann nicht verstehen, dass es keinen Mitarbeiter im Landratsamt geben soll, der mal so einen Zettel vorgestaltet, so dass man den ausdrucken und rechtssicher seinen Gästen zum Ausfüllen ausreichen kann", ist Bergemann über die Ignoranz gegenüber seiner Branche regelrecht fassungslos. Offen sei zudem ja die rechtliche Verantwortlichkeit für die Daten. Und auch, wie lange man die Zettel aufbewahren muss, dazu gäbe es keine klare Aussage. "Woher soll ich denn wissen, ob ein Gast Michael Müller heißt und ob seine Handynummer stimmt", fragt sich der Neundorfer Gastronom und verweist auf Erfahrungen seiner Kollegen, bei denen ganz viele Gäste plötzlich Donald Duck oder Angela Merkel hießen. Er fragt sich, ob er für Falschangaben seiner Gäste am Ende haftbar gemacht werden könnte. "Wissen Sie, ich will mit unserem Koch Lutz Bär gemeinsam für meine Gäste gut kochen und eine gastliche Atmosphäre mit meiner Frau schaffen. Derzeit muss ich mich mit Sachen beschäftigen, für die ich eigentlich nicht zuständig bin", sagt er.