Gefahr für 6000 Generationen

"Albtraum Atommüll", eine französische Filmproduktion von Eric Guéret und Laure Noualhat von 2009, stand gestern Abend im Mittelpunkt einer Veranstaltung im Malzhaus. Rund 30 Interessierte folgten der Einladung der der SPD nahestehenden Friedrich-Ebert-Stiftung.

Der Filmbeitrag, der in gekürzter Fassung den Gästen präsentiert wurde, zeigt die nackte und ungeschönte Wahrheit über die Atom- und Kernenergie und klärt über deren Folgen, vordergründig über den atomaren Restmüll, auf. Szenen, die unter die Haut gingen, Szenen, die nachdenklich werden lassen, über Sinn und Unsinn des menschlichen Daseins, über die Schönheit der Natur und deren sinnlose Zerstörung im Namen des Profits. Szenen, die zeigen, wie Fässer, voll mit radioaktiv verseuchtem Material, einfach in die Weltmeere geworfen, wie Flüsse und deren Bewohner vergiftet und wie in Russland hochradioaktiver Müll unter freiem Himmel, ohne Sicherheitsvorkehrungen, gelagert wird.

 

Die Macher des Films recherchierten zwischen den USA und Russland, zwischen Frankreich, Deutschland und der Schweiz und versuchten, Licht in die atomare Dunkelheit zu bringen, die von den Interessenverbänden aus Politik und Wirtschaft nach ihren Belieben geleitet und gelenkt wird.

"Der Film macht betroffen" Die anschließende Podiumsdiskussion, zu Gast waren der SPD-Bundestagsabgeordnete Rolf Schwanitz sowie der im Landkreis Gorleben - in dem ein Atommüllendlager existiert - lebende Klaus-Peter Dehde, ebenfalls SPD-Politiker und langjähriger Abgeordneter im Landtag Niedersachsens, beschäftigte sich mit eben dieser Thematik. Neben dem möglichen Ausstieg vom Ausstieg aus der Atomenergie, der einst von Bundeskanzler Gerhard Schröder verkündet worden war, wurde über die Widerstands- und Protestbewegung, um Möglichkeiten der Atommüllendlagerung und über die Sicherheit von Atomkraftwerken im Falle eines terroristischen Angriffs diskutiert und debattiert.

 

"Der Film macht betroffen", äußerte sich Schwanitz besorgt. "Das Wort Albtraum ist gut gewählt." Klaus-Peter Dehde forderte dabei eine Sensibilisierung bezüglich der Problematik, und ergänzte: "Die Energieversorgung in Deutschland ist demokratiefeindlich. Ich fordere eine sofortige Abschaltung aller Atomkraftwerke."

 

Der Moderator der Veranstaltung, Dr. Lutz Behrens, erklärte: "Ich kann nur hoffen, dass hier politisch vernünftige Entscheidungen getroffen werden." Insbesondere rückte die Jahrhunderte lange Verantwortung in den Fokus der Diskussion, schließlich beträgt die Halbwertzeit von Atommüll mehr als 200 000 Jahre - das sind mehr als 6000 Generationen. Solche Entscheidungen bedürfen also größtmöglicher Verantwortung und bestmöglichen Gewissens. E.H.