Gedenktafel für Flüchtlingslager auf Voigtsberg

Von diesem wenig bekannten Kapitel kündet seit Sonntag eine Gedenktafel für das "Flüchtlings- und Durchschleusungslager Oelsnitz/Schloss Voigtsberg (1944/1945-1951)", welche in den kommenden Tagen an der Tür zum Alten Zellenhaus - der ehemaligen Lager-Kommandantur - fest installiert wird. Der Autor der gleichnamigen Broschüre, der Plauener Werner Hernla, stand Pate, als Oberbürgermeister Mario Horn und Sperkenprinzessin Lisa das Samttuch von der Metallplatte zogen, die auf einer Stele abgelegt war.

Vom Oktober 1944 bis Ende Mai 1951 nahm das Lager auf Schloss Voigtsberg Tausende von Flüchtlingen, Vertriebenen und Hilfesuchenden auf, die nach und nach in Zügen über Gutenfürst ins oberfränkische Hof gebracht wurden, aber auch in der Region einen neuen Wohnsitz fanden. Horn erinnerte an die Zeit und an die "menschliche Leistung der Oelsnitzer".

Allein zwischen dem ersten Transport am 4. November 1945 und dem 31. Dezember des Jahres beförderte das Lager rund 30 000 Menschen auf die Reise, etwa 500 Leute pro Tag. Obwohl die Einwohner hungerten, gab die Stadt für 1200 Leute im Schloss täglich Brot, Suppe und für die Abgänge eine Marschverpflegung.

All das hat Werner Hernla, der Region als Geschichts- und Heimatforscher bekannt, zum Teil als Jugendlicher erlebt - sein Vater hatte die Poststelle inne - beziehungsweise Jahrzehnte später recherchiert und zum ersten Mal 1998 als Heft 1 der Voigtsberger Museumsreihe veröffentlicht. Die schnell vergriffene Schrift gab er 2010 mit Berichten von weiteren Zeitzeugen, zusätzlichen Fotos und Dokumenten erneut heraus.

Hernla setzte sich immer wieder dafür ein, die Ereignisse der Lagerzeit mit ihrer berührenden menschlichen Solidarität vor dem Vergessen zu bewahren und auf Schloss Voigtsberg angemessen zu dokumentieren. Die Oelsnitzer sollten ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen. Im Anschluss an die Enthüllung der Gedenktafel hielt er einen Vortrag im Fürstensaal.

Das Sächsische Innenministerium hat die Tafel nach dem Bundesvertriebenengesetz zu 70 Prozent gefördert. Den Eigenmittelanteil für die rund 600 Euro Anschaffungskosten übernahm nach Auskunft von Vorsitzendem Thomas Lehniger der Schlossförderverein.