Gedenktafel enthüllt

Oelsnitz gedachte auf dem Friedhof der Stadt bisher vier verstorbener Bürgermeister. Gestern kamen zwei Gedenktafeln hinzu - für Eva-Maria Möbius und Otto Riedel. Was wird mit den anderen früheren Stadtoberhäuptern?

Oelsnitz - "Was ist zum Beispiel mit Kurt Reichel, der 1990/91 Bürgermeister war?", fragte Vize-Bürgermeister Ulrich Lupart (AfD) seinen "Chef", OB Mario Horn (CDU). Der erwiderte nur: "Zu kurz im Amt. Aber es wird weitere Ehrungen geben."
Das ließ Lupart nicht gelten: Nach seinen Worten sollte die Ehrung auf dem Friedhof mit System erfolgen - und solch ein System sei nicht erkennbar.
Horn ist der 20. (Ober)Bürgermeister der Stadt seit 1860. Bisher erinnern Gedenktafel an Carl Heinrich Georg Burckhardt (Bürgermeister von 1860 bis 1865 - in der Zeit des Aufbaus nach dem Stadtbrand), Ernst Heppe (Bürgermeister 1879 bis 1900 - zur Zeit des industriellen Aufschwungs), Otto Bachmann (Bürgermeister 1927 bis 1933 - galt als ausgleichende Person zum Wohle des Gemeinwesens) sowie Otto Risse (Bürgermeister 1933 bis 1945 - in dunkler Zeit mit humanem Gewissen). 
Gestern wurden zwei neue Tafeln enthüllt: Sie erinnern an den großen Antifaschisten Otto Riedel (Bürgermeister 1945 bis 1950), der sich aktive um die Überwindung der Kriegsfolgen kümmerte, und an Eva-Maria Möbius (Oberbürgermeisterin 1992 bis 2012), die die Stadtentwicklung nach der Wende maßgeblich prägte.
OB Mario Horn erinnerte an seine beiden Vorgänger im Amt. Unter den etwa zwei Dutzend Gästen befanden sich Angehörige der Geehrten, Stadträte, Vertreter von Verwaltung und Parteien.
Der 1894 geborene Kommunist Otto Riedel saß als während der Nazizeit im Konzentrationslager, war dann Bahn- und Bauarbeiter. Die Militärregierung berief ihn nach Ende des Zweiten Weltkrieges zum Bürgermeister in schwerer Zeit. Riedel starb 1957. Seine Gedenktafel enthüllten Enkelin Renate Degenkolb (viele kennen sie als jahrelange Stadtkämmerin) und Ur-Enkelin Anja Degenkolb.
Die Tafel für Eva-Maria Möbius enthüllte Witwer Rolf Möbius, der mit Tochter Lilly Möbius gekommen war, die jene Töpferei führt, die ihre Mutter 1984 gegründet hatte. Eva-Maria Möbius (1948 bis 2012) stammte aus einer Textilfabrikantenfamilie und schlug als Ingenieur-Ökonom für Textiltechnik zuerst der Familientradition folgend, ihren Werdegang in der Textilbrache ein. Nach der Wende wurde sie 1992 zur Bürgermeister in gewählt. "Ihr Wirken ist untrennbar mit der wirtschaftlichen Umwälzung der Stadt in den 1990er Jahren verbunden" sagte OB Horn und nannte als Beispiele die Industriegebiete Johannisberg und Taltitz-Neue Welt sowie das Gewerbegebiet Untermarxgrüner Straße. Eine Herzensangelegenheit sei ihr auch die Sanierung von Schloß Voigtsberg und der Oberschule Oelsnitz gewesen. ufa