Geben und Nehmen

"Zum Wegwerfen zu schade", sagt Julia Lehmann und öffnet kurzerhand einen "Give & Take"-Schrank. Den darf ein jeder mit Dingen befüllen - oder welche daraus nehmen.

Von Margitta Rosenbaum

Grünbach Give & Take, so nennt Julia Lehmann den schönen großen Schrank, der im früheren Eingang zum Haus ihres Großvaters steht. In den Farben Weiß und Hellblau ist das leuchtende Schmuckstück in den Zaun zur Krummen Straße eingereiht - für jedermann zugänglich. "Füreinander - gegen das Wegwerfen", so nennt sie die Idee, die dahinter steht. Sie wünscht sich, dass ein tolles Dorfprojekt daraus wird. Die Anregung dafür hat sie aus Halle mitgebracht. Dort hat sie viele solcher Schränke gefunden. "Wenn es dort in der Stadt funktioniert, dann sollte es doch hier auf dem Dorf erst recht gehen", meint sie und hofft, dass der Schrank auch ein kleiner Begegnungspunkt für Menschen aus der Umgebung wird.
Seit November wohnt die junge Frau mit ihrer Tochter hier. Zwei Jahre hat sie an dem alten Haus nach dem Tod des Opas gebaut und gewerkelt. Beim Ausräumen des Hauses fand sie viele Dinge, die zum Wegwerfen zu schade waren. Das konnte sie unmöglich selbst alles gebrauchen. Manches war auch nicht ihr Geschmack. Freunde wurden beschenkt und es war immer noch genug da. Da kam ihr die Idee mit dem Give & Take-Schrank. Geben und Nehmen heißt das für alle, die sich mit Englisch schwer tun. Genau so hat sich Julia Lehmann das gedacht. Der Schrank ist rund um die Uhr geöffnet. Jeder kann hineinlegen, was er nicht benötigt, aber zu schade zum Wegwerfen ist. Jeder kann sich herausnehmen, was er brauchen kann. "Ich sammle so alte Sachen und hatte den Schrank schon seit Jahren bei Opa im Schuppen stehen. Es ist der größte von allen. Der muss früher mal in der Schule gestanden haben, da wurden Lehrmittel drin aufbewahrt", erklärt Julia Lehmann. Sie hat alle Fächer beschriftet, damit die Dinge halbwegs geordnet rein kommen. Es gibt je ein Fach für Haushalt, Garten, Werkzeug, Hobby und Kinder. Da sich die Schübe herausziehen lassen, hat man schnell Überblick. Die Inhaberin bittet darum, keinen Müll abzulegen und nichts daneben zu legen, wenn der Schrank voll ist. Außerdem verweist sie darauf, dass der Schrank sorgsam behandelt werden soll, weil er mit viel Liebe aufgehübscht wurde. Davon kann man sich auf den ersten Blick überzeugen. In Weiß und Hellblau hat sie nicht nur den Schrank, sondern auch das ganze Umfeld geschmackvoll gestaltet. Julia Lehmann ist studierte Sportwissenschaftlerin und bietet als Selbständige Fitness für Mamas und Babys an. In ihrer Freizeit werkelt sie gerne. Das alte Häuschen hat sie ganz nach ihrem Geschmack in eine moderne Wohnung umgestaltet. Sie ist in Grünbach aufgewachsen, hat lange in Jena gelebt und ist nun zurück. Sie schätzt es, dass ihre Tochter im ländlichen Umfeld aufwachsen kann und freut sich am guten Zusammenhalt in der Heimat.