Gastwirte machen bei 2 G nicht mit

2 G - da machen wir nicht mit. So lassen es etliche Gastronomen aus dem Vogtland verlauten und lassen ab heute ihre Türen zu und die Küche kalt. Dass ein Teil der Kundschaft - nämlich die der Ungeimpften - vom öffentlichen Leben ausgeschlossen wird, finden diese Gastwirte nicht okay. Ein Akt der Solidarität.

Von Cornelia Henze

Plauen/Klingenthal/Auerbach "Das widerspricht unserem Konzept. Leute auszusperren, das geht gar nicht. Unter den Bedingungen möchten wir nicht öffnen", sagt Tino Süß, Chef des Gambrinus in Klingenthal. Ab heute und auf unabsehbare Zeit bleibt also die Haifischbar, in der man zum Biertrinken, Billard- und Dartsspiel oder einfach zum Treff zusammenkam, zu. Selbiges gilt für die Live-Musik zu der das Gambrinus traditionell im Winterhalbjahr 14tägig am Samstag läd. Am kommenden Samstag wäre so ein Abend - allerdings mit Disco - gewesen, für die Tino Süß schon Getränke und Spiesen für den kleinen Imbiss eingekauft hat. Die georderten Baguettes könne er nun wegwerfen, bedauert der Wirt. Klar, hätte er auflassen können, doch aus Solidarität mit einem Teil seiner Gäste habe er sich zu dem Schritt entschlossen, auch wenn ein Weiterbetrieb aus wirtschaftlichen Gründen unerlässlich wäre. "Das steht aber an zweiter Stelle", sagt Süß, der hofft, dass es im ganzen Land bald Klagen hagelt und die Politik zurückrudert auf 3 G. "Damit kann ich leben."
Konsequent schließt ab heute auch dad Café Lili Marleen in Plauen. Auf ihrer Facebook-Seite verkündet Wirtin Kristin Weiler: "Es ist uns nicht möglich Menschen auszugrenzen und wenn wir als Gasthaus nicht zu allen Gästen gastfreundlich sein dürfen, dann ist es besser zu schließen, als Menschen vor der Türe abweisen zu müssen." Daher gelte ab heutigem Montag die 1G-Regel was so viel bedeute wie "Geschlossen." Die Wirtin gibt an, nach den Devisen Gastfreundschaft und Grundgesetz handeln und sich nicht zum Handlanger der Justiz machen zu wollen.
Einen "letztern Aufruf für den Zug Nr. 3 in Fahrtrichtung G2" macht Caros Diner aus Plauen. Die Ziele G2 und G1 werden nicht angefahren, verkündet die Diner-Chefin Caroline Pflug und macht auf poetische Art klar: "Die Züge bleiben so lange in den Gleisen stehen, bis wir wieder alle Menschen mitnehmen dürfen." Selbiges gilt auch für das von Caroline Pflug betriebene gleich neben dem Diner liegende Café Unique. Wer nicht auf american Döner verzichten will, bekommt diese jedoch noch über den Lieferservice.
Den Schritt der Totalrebellion wolle man nicht wagen und durch das Nichtbeachten von 2 G etwa hohe Bußgelder durch die Ordnungsbehörde zu kassieren. Andererseits wolle man niemanden ausschließen, erklären die Betreiber der "Alten Buswarte" in Rodewisch. Somit bleibt der Laden, der Kunsthandwerkliches bietet zwar auf, aber den Kaffee, den es bisher innen im Bistro gab, ist draußen am Palettenstehtisch einzunehmen. "Wir bleiben uns treu. Alle Menschen sind gleich. Lasst euch nicht spalten", appellieren an Solidarität und gegenseitigen Respekt der die Buswarte betreibende Tierschutzverein unter Führung der Allgemeinärztin Dr. Folke Lanius.
Aus wirtschaftlichen Gründen könne er auch der Solidarität wegen sein Restaurant nicht schließen, sagt Steffen Fohlert, Wirt der Auerbacher Schloßgaststätte und Brauer des selbst gebrauten Bieres "Awerbacher". "Im Februar erst habe ich eine neue Brauerei eröffnet, die muss erst mal abbezahlt werden. Ich habe Kredite laufen und kann mir erneute Schließzeiten nicht leisten", so Fohlert. Fohlert ist verärgert über die neuerlich die Gastronomie einengenden Vorgaben der Politik, vor allem, weil es auch seine Gäste sind.
Seit Mitte voriger Woche habe es 200 Absagen von Familienfeiern, Firmen- und Weihnachtsfeiern gegeben. Es gebe, seitdem raus ist, dass 2 G gilt, nur noch böse Anrufe. "Die perfife Spaltung der Gesellschaft ist an unsere Eingangstür verlegt worden. Die Gastwirte müssen es ausbaden."