Gastronomen in den Startlöchern

Die Plauener Gastronomiebetreiber wurden von der Ankündigung einer schnellen Öffnung von Hotels und Gaststätten wohl ebenso überrascht wie die in anderen Regionen. Um pünktlich ab Freitag wieder zu öffnen, werden nun schnell Vorkehrungen getroffen.

Von Ingo Eckardt

Plauen Alle stichpunkthaft befragten Gastronomen der Spitzenstadt wollen sofort am Freitag wieder ihre Türen öffnen. Udo Gnüchtel vom "Parkhotel" beispielsweise erklärte, dass er natürlich unter Einhaltung der Abstandsregeln und Hygienevorgaben öffnen werde. Auch wenn die schnelle Öffnung ein wenig überraschend gewesen sei, werde man jetzt schnell versuchen, das Geschäft wieder anzukurbeln, was sicher nicht sofort von null auf hundert gelingen werde. Ganz ähnlich ist auch die Betreiberin des "Heinrich's" im Alten Rathaus Plauen, Yvonne Schmalfuß, gestimmt. "Es ist schon alles ein bisschen irreal, unvorstellbar und unnormal, was wir für Auflagen erfüllen müssen. Genaues weiß man ja noch gar nicht - aber wir haben schon einmal Handschuhe, Mund-Nasenschutz und Desinfektionsmittel in größeren Mengen angeschafft. Wir starten mit geänderten Öffnungszeiten - täglich 12 bis 22 Uhr, sonntags nur bis 21 Uhr, Ruhetag bleibt der Mittwoch", erzählt die Gastronomin. Unklar sei vor allem, wie man denn sicher stellen soll, dass bei Reservierungen ab sechs Personen tatsächlich nur Menschen aus zwei Haushalten am Tisch sitzen. "Was passiert, wenn Gäste falsche Angaben machen, werde ich dann belangt? Muss ich mir den Personalausweis zeigen lassen? Ich bin doch nicht die Polizei", ist Yvonne Schmalfuß nach wie vor unsicher. Von den 125 Indoor-Sitzplätzen darf sie wegen der Abstandsgebote maximal fünfzig belegen, bei gleichem Personalaufwand wie bisher. Auch der beliebte Biergarten unter den alten Bäumen am Altmarkt wird dezimiert ans Netz gehen. Zwanzig statt dreißig Tische werden für Gäste bereit stehen. Eine reduzierte Speisekarte wurde erstellt, um sich besser auf den unklaren Zulauf rüsten zu können. "Wir haben von Jahr zu Jahr unsere Umsätze erhöht und das Geschäft lief gut. Alles war gut und ist von einem auf den anderen Tag eine einzige Katastrophe. Und umgehend nach der Verkündung der Perspektive für uns Gastronomen haben sich die Krankenkassen gemeldet und angekündigt, ab sofort die gewährten Stundungen für Krankenkassenbeiträge nun wieder aufzuheben. Der Gesetzgeber habe diese Möglichkeit aufgehoben. Wovon wir das im Mai bezahlen wollen, ist unklar", ist die "Heinrich's"-Wirtin trotz Wiedereröffnung frustriert. Erst gestern hat sie ihre Mitarbeiter unterwiesen, was nun zu beachten ist, heute wird alles eingerichtet, ab morgen soll der Betrieb starten.
Ebenfalls am Freitag, allerdings erst um 17 Uhr wird das Restaurant "Zum Steinbruch" in Neundorf seine Pforten wieder öffnen. Barbara und Stefan Bergemann hoffen auf nach und nach steigende Besucherströme. So genau weiß man aber noch nicht, was man davon halten soll. "Wir halten genau die Vorschriften ein, die wir vom Dachverband Dehoga erhalten haben, wir haben einige Tische raus geräumt, um die Abstände zu wahren. Draußen im Biergarten ist genug Platz, um die Gäste großflächig zu verteilen. Dennoch gibt es auch hier einige Unsicherheiten. "Wie viele Leute zu Familienfeiern zu uns kommen dürfen, ist noch offen."
Auf für Frank Wand, Betreiber des City-Hotels mit "Kartoffelhaus" und des Theatercafés in Plauen findet vieles, was von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich beschlossen wurde, "völlig hirnlos". "Die einen öffnen Biergärten mit nur noch einem genehmigten Zugang. Ein Biergarten ohne zweiten Fluchtweg? Das ist doch eigentlich undenkbar", ärgert er sich über merkwürdige Auswüchse. Man solle endlich aufhören, die Menschen wie Babys zu behandeln, die Leute seien doch nicht dumm. "Man verbietet 13 Personen eine Hochzeit in einer Gaststätte zu feiern, aber die Bundesliga darf Fußball spielen. Das ist doch wirr alles", ist Wand sauer, dass sich gastrofremde Menschen in der Politik anmaßen, irgendwelche willkürliche Regeln zu verordnen. Er betrachtet Hygiene, Ordnung, Sauberkeit, Mundschutz-Tragen und Abstandhalten dennoch als richtig und wichtig, wenngleich die Masken für das Personal langfristig unheimlich belastend sei. Auch das Tische- und Stühle-Desinfizieren nach jedem Gast sei wenig sinnvoll.
Um die ohnehin sehr anstrengende Kellnerarbeit nicht durch Mundschutz-Tragen zu erschweren oder die Mitarbeiter gar krank zu machen, wie manche Studie nahe legt, hat er alternativ für alle Mitarbeiter Plastik-Gesichtsvisiere gekauft. Es sei das Maximum was geht, um Mitarbeiter und Gäste zu schützen.
Er versucht, gerade im Biergarten die einzelnen, auseinander gestellten Tische mit Pflanzen anzuschirmen. "Wir haben insgesamt dreißig Prozent weniger Plätze bestuhlt, glücklicherweise aber mehr Platz als andere Kollegen. Schwierig wird es, gescheit zu planen, weil niemand seriös einschätzen kann, wie der Zustrom der Gäste sein wird. Viele Leute haben weniger Geld im Portemonnaie, andere haben große Angst vor Ansteckung. Denen müssen wir ein gutes Gefühl vermitteln und Sicherheit geben", sagt Wand, der am Theatercafé drei Eingänge zum Biergarten organisiert hat.
Desinfektionsspender gäbe es an der Tür und in den Toiletten. "Der große Desinfektions- und Arbeitsaufwand kostet viel Geld. Traurig ist, dass es in acht Wochen Lockdown nicht gelungen ist, einen ordentlichen Maßnahmenkatalog zu erarbeiten, um die Gastronomen vorzubereiten. Was wurde denn in den Ministerien gemacht", fragt sich Wand. Auch das vogtländische Gesundheitsamt sei gestern leider nicht erreichbar gewesen, um mal ein Hygienekonzept abzustimmen.