Gastronomen als Datensammler?

Zum zweiten Mal haben gestern Gastronomen aus der Vogtlandregion auf dem Altmarkt Plauen ihre leeren Stühle aufgestellt, um auf die höchst prekäre Situation von Hotellerie und Gastronomie in der Corona-Krise hinzuweisen.

Plauen Die Event-Checker, eine Vereinigung von Veranstaltungsorganisatoren, hatten diese erneute Aktion in der Spitzenstadt organisiert. Auch die Politik nutzte die Möglichkeit, sich die Sorgen und Nöte der Beteiligten anzuhören. Neben Plauens Sozialbürgermeister Steffen Zenner waren die CDU-Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas und Landtagsmitglied Sören Voigt gekommen. Letzterer zeigte viel Verständnis für das Anliegen der Gastronomen. "Wir haben erste Lockerungen gemacht, jetzt schauen wir, wie sich die Zahlen entwickeln und wie wir dann die nächsten Schritte machen können. Es kann nur Schritt für Schritt gehen", sagte Voigt und betonte, dass Politik momentan die Kategorien richtig und falsch nicht mehr wie gewohnt bedienen könne. Viele seiner Kontakte wollen eine schnellere Öffnung, andere rufen an und verlangen, dass die Lockerungen langsamer kommen sollten. "Ab 15. Mai können die Gastronomen öffnen - es ist also machbar, aber kein Zwang", erklärte Voigt die aktuell geltende Regelung, bei der natürlich Hygiene und Abstandsregeln wie gewohnt die Basis bilden.
Claudia Straubel vom "Landhaus Marienstein" beklagte, dass die Maskenpflicht für alle eine höchst belastende Herausforderung wäre, zumal die Wirksamkeit nach wie vor höchst umstritten sei. "Mein Unternehmen ist mein Zuhause, seit 28 Jahren bin ich in der Gastronomie. Ich möchte gern mein Unternehmen bewahren", so die Gastronomin aus Bergen. Sie forderte, dass Politik zum Urlaub im eigenen Land animieren sollte. Andere Gastronomen beklagten, dass nach derzeitiger Regel, die Gäste quasi alle registriert werden müssten. "Sollen die Gastronomen wirklich als Stasi für die Regierung arbeiten und solche Daten erheben? Wer stellt sicher, dass Gäste ihre richtigen Namen einschreiben? Sind wir dafür verantwortlich? Wir können doch rechtlich gar keinen Ausweis einfordern? Wo bleibt die Eigenverantwortung der Bürger?", formulierte Steffi Kirsch, die in Plauen das Café "Lili Marleen" betreibt - eine Menge Fragen, die Gastronomen gerade besonders bewegen. Und Sören Voigt versuchte auch, diese Fragen zu beantworten. Immer wieder verhakten sich die Diskutierenden (die übrigens die Abstandsregeln allesamt nicht wirklich einhielten) im Thema Mund-Nasen-Schutz, was Yvonne Magwas zum Fazit veranlasste. "Der Mundschutz allein ist es doch nicht, es geht um Hände waschen und Abstand halten. Das sind die wichtigsten Themen."
Das sorgte bei einigen der Beteiligten für Kopfschütteln. Eine ältere Besucherin wandte sich mit den Worten "Die tun ja alle, als hätten wir früher nie Hände gewaschen" ab und zog "mundschutzfrei" von dannen. ecki