Gastfreundschaft im Eschenbacher Kunsthaus

Im 100-Seelen-Dörfchen Eschenbach trafen am Samstag Kriegsflüchtlinge aus Syrien und Vogtländer zusammen - mit viel Lachen, Musik und gutem Essen.

Eschenbach/ Schöneck - Ein leckerer Duft von orientalischem Essen - das war das Erste, was Besuchern am Samstag an der Eingangstür des Kunsthauses Eigenregie auffiel. Mario und Ines Falcke hatten eingeladen, zu einem Abend mit Kriegsflüchtlingen, hauptsächlich aus Syrien und Pakistan, die zahlreich kamen:

Mit Hilfe von Vereinen, hauptsächlich der Flüchtlingshilfe Plauen, waren es am Ende rund 120 Gäste, die sich zwischen der Hausbar und dem Tanzsaal versammelten. "Von den Vogtländern hätten es noch mehr sein können, die sind in der Unterzahl", fand Mario Falcke. Seit um elf Uhr vormittags hatten sich 13 syrische Männer und Frauen in der Kunsthaus-Küche ins Zeug gelegt, um die Köstlichkeiten ihres Landes zu präsentieren:

Neben pikantem, scharf gewürzten Reis gab es Geflügel, eine Art Salat mit Joghurtsauce und dann exotische Gerichte wie Mtadal oder Molechia, die den vogtländischen Zungen ungewöhnlich erscheinen mussten. Bei letzterer - einer Pflanze - fühlte sich mancher Einheimische an gedünstete Brennnesseln erinnert. Lange standen Besucher im Kunsthaus nicht herum, dann bekamen sie einen übervollen Teller von allem mit einem breiten Lächeln in die Hand gedrückt.

Die Idee: Erst wird zusammen gegessen, dann einem Konzert der Berliner Band "The Disorientalists" gelauscht. Doch die arabischen Gäste sangen schon, bevor sich die Musiker überhaupt blicken ließen: Jemand stimmte ein Lied an, darauf stiegen die anderen ein, klatschten, trommelten auf den Tischen und verbreiteten eine Lebensfreude, von der manch Einheimischer etwas lernen konnte. Agnes Russo, die Vorsitzende der Flüchtlingshilfe Plauen, erklärte: "Solche Abende sind wichtig, die syrischen Flüchtlinge sind sehr begierig darauf, Deutsch zu lernen und wollen überall mitmachen.

Das Schlimmste für sie ist monatelange Warterei." Oftmals kämen auch Sorgen um die Familie dazu, wenn diese noch in Syrien ist. "Manche sind aus Gegenden geflohen, in denen kein Stein auf dem anderen geblieben ist." Am Samstag gehörte auch Nahed Hamdan zum Kochteam im Kunsthaus, sie ist seit eineinhalb Jahren in Deutschland.

Vorher arbeitete sie als Arabischlehrerin in Syrien, spricht mittlerweile gut deutsch und hat ein Praktikum als Kindergärtnerin ergattert. "Der deutsche Winter war eine ungewohnte Erfahrung", gestand sie. Auch Monkez Alusta kochte mit, vor seiner Flucht war er einmal Agraringenieur in Syrien. Frau Russo lobte: "Alle haben sich heute sehr viel Mühe gemacht. Ich kann Leute nicht verstehen, die solche Menschen in Not ablehnen - sie sollten einmal versuchen, sich in sie hineinzuversetzen." Die Flüchtlingshilfe kümmert sich in verschiedenen Projekten und Kursen auch um traumatisierte Kinder. Russo: "Man merkt: Die kommen direkt aus dem Krieg."