Gäste aus "Gelobtem Land"

Selbst im vergleichsweise kleinen Plauen dürften die Gymnasiasten in diesen Tagen an ihre Heimatstadt Jerusalem erinnert werden - zumindest was die Temperaturen betrifft.

Von Torsten Piontkowski

Plauen - Nein, im heiratsfähigen Alter sind sie allesamt noch nicht und vermutlich werden sich die meisten noch gar nicht mit dem Thema beschäftigt haben. Aber immerhin: Gestern wurden die 13 Jugendlichen aus Jerusalem im Trauzimmer des Alten Rathauses offiziell von Kulturbürgermeister Steffen Zenner begrüßt. In durchaus passablem Englisch und in freier Rede stellte er den jungen Gästen die Spitzenstadt vor, bezeichnete sie stolz als "Wiege der industriellen Entwicklung" und vergaß nicht zu erwähnen, dass es sich um die fünftgrößte Stadt Sachsens handelt. Auf Nachfrage zeigten sich die jungen Israelis, die seit Freitag im Vogtland weilen, nicht nur vom gerade zu Ende gegangenen Spitzenfest begeistert, sondern auch vom Plauener Bier, wie ein Elftklässler lachend bestätigte. Nachdem sie sich ins Gästebuch der Stadt eingetragen hatten, ging es hoch hinaus - auf den Rathausturm. Viele der Attraktionen, die sie bereits besuchten oder bis Donnerstag noch in Augenschein nehmen werden, kennen sie aus den Erzählungen von Mitschülern. Denn sie selbst sind die bereits vierte Gruppe, die Plauen und dem Vogtland einen Besuch abstatten. Dem traditionell ein Gegenbesuch folgt - im Februar dieses Jahres schaute sich eine Gruppe Plauener Gymnasiasten im "Gelobten Land" um. Auf der eigenen Homepage plauen-jerusalem.com schwärmen sie von ihren Eindrücken, unter anderem dem Besuch im Jugenddorf Ha Noar Hazioni.
Am Wochende hatten die jungen Gäste an einem Gottestdienst in der Lutherkirche teilgenommen und ihr Betreuer, Schulpfarrer Falk Klemm, berichtet wie beeindruckend es war, als die jungen Israelis Texte in Hebräisch zitierten. Die Zughörigkeit zur jüdischen Religion sei andererseits kein Kriterium, an diesen Austauschprogrammen teilnehmen zu können. Immerhin 120 junge Israelis lernten in den vergangenen Jahren das Vogtland kennen. Für sie ist Deutschland das Vogtland, lächelt Klemm. Für ihn, wie auch Bürgermeister Zenner, ist es wichtig, dass es derartige Austausche überhaupt gibt - für eine Generation, die friedlich miteinander auskommen muss und dies auch will. 
Angedacht ist beispielsweise der Aufbau einer Deutsch-israelischen Gesellschaft, ein Gremium, nicht "von oben" verordnet, das vielmehr aus dem gemeinsamen Bestreben lebt, sich noch besser kennenzulernen. Ob für die Gäste möglicherweise auch das Problem des Rechstextremismus oder Antisemitismus in Plauen eine Rolle spielt? Über diese Problematik werde man sich bei einem Treffen mit einem Rabbi in Berlin noch unterhalten, sagt Klemm und fügt an, dass den Gästen die rechtsextreme Partei III. Weg durchaus von den Nachrichten im eigenen Land bekannt sei. Die Bilder von deren Auftreten am 1. Mai gingen buchstäblich um die Welt. Dass an jenem Tag auch zahlreiche Demokraten auf den Beinen waren, davon war den israelischen Jugendlichen nichts bekannt.
Bevor es auf den Rathausturm ging, nahmen alle noch kleine Souvenirs zur Erinnerung an diese Woche in Plauen in Empfang.