Furiose Trommelshow aus Japan

Das japanische Ensemble Kokobu - The Drums of Japan - begeisterte in einer Mischung aus furiosen Trommelstürmen und faszinierenden, sanften Flöten- und Lautenklängen im König Albert Theater.

Von Steffen Adler

Bad Elster Mit furiosen Rhythmen und kraftvollen, athletischen Trommelschlägen präsentierte die Gruppe in der spektakulären Show "Into the Light" vor eindrucksvollem Bühnenbild mit vielen magischen Lichteffekten die traditionelle japanische Trommelkunst.
Die fernöstliche Musik ist geprägt von wuchtigen Klängen der Röhrentrommeln - Taiko genannt. In erstaunlicher Synchronität schlagen auf ihnen die Trommler eine kontrastreiche dramatische Rhythmik mit spirituellem Hintergrund, dargeboten in vollendeter Bewegung.
Die von Chiaki Kuriyama 1998 in Osaka gegründete Trommlergruppe, fühlt sich dem traditionellen Gedanken des Taiko-Rituals verpflichtet. Seit 2011 reist die heute 18-köpfige Formation durch die Welt, um die Philosophie des Trommelns auch anderen Kulturen näher zu bringen.
Dieses Jahr ist die Gruppe allein in Deutschland in 40 Städten zu Gast um ihr Können zu demonstrieren. So zum Beispiel mit überlieferten Stücken wie "Mitsuya", das übersetzt etwa "Drei Pfeile" bedeutet, die sinnbildlich in ihrer mystischen Bedeutung vergleichbar mit der christlichen Dreieinigkeit stehen, für das Göttliche und alles Vollkommene.
Um einer Aussage Nachdruck zu verleihen, setzt der Japaner so auf die Kraft des begrifflichen Dreiklangs, in dem Bewusstsein, dass Fähigkeit und Körper ein starker Bestandteil für biologische Stärke und zugleich Aspekte für Wahrheit, Tugend und Schönheit als Ausdruck von Reinheit und Perfektion sind. Zahlreiche Übungsstunden haben die drei Trommler für diese rhythmische Darbietung im Sinne des "Mitsuya" absolviert, dem das Volkslied "Tsugaru" folgte, das seine Wurzeln in der Edo-Epoche hat und mutmaßlich auf die Tsugaru-Herrscherfamilie zurückgeht. Das Volkslied wurde im klanglichen Kontrast zu den Trommeln von dem preisgekrönten Meister Masamitsu Takasaki auf dem traditionellen Instrument Jarnisen - einem lautenartigen Instrument mit langem Hals und kleinen Korpus mit nur drei Saiten - dargeboten. Sein typisch federnder Klang wurde einst auch kunstvoll von Geishas vorgeführt und weltbekannt gemacht.
Eine weitere Darbietung wurde der heiligen Suiren gewidmet. Das Ensemble möchte mit seinem Werk die herrliche Lotusblume zum Blühen bringen. Die Trommelklänge führen dabei sinnbildlich aus dem dunklen, kalten Wasser in ein helles und wärmendes Sonnenlicht. In dem Stück "Kouryu" - dem Weg des Gedeihens - geht es um den Erfolg des Menschen, der mit Hilfe von Willen, Disziplin und Widerstandskraft einen Triumph erringen kann. In tiefer Spiritualität Japans begleitete der Klang einer japanischen Flöte das Wiegenlied von "Takeda", das von einem verarmten Mädchen erzählt, das fern der Heimat von Heimweh geplagt in das vermisste Elternhaus zurückkehren möchte.
Mit berührenden Klängen bezauberten die Trommler auch mit "Lucky", dem Lied vom Glück, bevor in spektakulärer Show das O-daiko als mächtigstes Instrument in der Taiko-Trommelkunst die Zuschauer mit extrem tiefen Tönen erstaunen ließ. Dazu ließen die Meister des Taiko-Spiels mit ihren handgefertigten Schlägeln gleich drei traditionelle O-daiko erklingen, die einem hypnotischen Donnergrollen gleich, sogar kilometerweit vernommen werden können.
Dem Stück über Einklang mit der Erde und dem Himmel folgte als weiterer atemberaubender Höhepunkt für Augen und Ohren die Darstellung des "Tenma" - dem aus der griechischen Mythologie entsprungenem Flügelpferd Pegasus - andeutungsweise mit großer Trommel in der Mitte als Körper und den seitlichen Okedo-Trommeln als Flügel sowie dem Klang der Shakulachi-Flöte, die schließlich den freien Flug des Pegasus am Himmelszelt beschriebt.
Mit einem weiteren, mitreißenden Trommelwirbel beschrieben wurde außerdem der Hayabusa - zu deutsch der Wanderfalke. Wegen seines Mutes und seiner Intelligenz sind mit dem Falken Freiheit, Weisheit und kämpferisches Heldentum verknüpft.
Zum Finale der spektakulären Show, die auch nachhaltig das Trommelfell der Besucher beeindruckte, zelebrierte die Trommlergruppe das "Hitotsu" - das Einssein der Menschen im wechselseitigen Miteinander, bevor nach Standing Ovations mehrfache Zugaben die Show ausklingen ließen.