Furcht vor einem "Sterben auf Raten"

Rund 150 Menschen aus Plauen und dem Vogtland haben am Samstag auf Initiative der "Querdenker 2020" auf dem Altmarkt demonstriert. Diesmal hatten sie leere Koffer dabei, um spezifisch auf die Probleme der Reisebranche hinzuweisen.

Von Ingo Eckardt

Plauen Gekommen war auch Thomas Kaden vom gleichnamigen Busreisedienst, der in den vergangenen Wochen auf verschiedenen bundesweiten Demos mit seinem Bus unterwegs war. "Das sind natürlich auch Kosten, aber das macht am Ende das Kraut nicht fett. Wir haben vom 16. auf den 17. März einen Verlust von 137.385 Euro erlitten, hatten eigentlich ein sehr gut vorgebuchtes Jahr und sind natürlich durch die Corona-Krise schwer getroffen worden", erklärt Thomas Kaden. Bis August seien eigentlich alle Fahrten storniert.
Nun findet endlich die erste Fahrt wieder statt. Allerdings seien die Bürger noch sehr zurückhaltend, berichtet der Plauener Unternehmer, der mit seinen Angestellten sonst Urlaubsfreude in drei Reisebussen anbietet. Seine drei Mitarbeiter habe er gekündigt - mit der Option sofort wieder zurück zu kommen, wenn das Geschäft wieder anläuft.
Er glaubt daran, dass dies bei gutem Verlauf der weiteren Pandemie und entsprechenden politischen Entscheidungen vielleicht im März 2021 der Fall sein könnte - wobei das wackelig ist für das auf Schulklassenfahrten spezialisierte Busunternehmen. Schließlich sollen Klassenfahrten ins Ausland auch im kommenden Schuljahr eigentlich gar nicht stattfinden. Derzeit liefen ihm die Kosten davon. Rund 8.000 Euro Fixkosten pro Monat sorgten dafür, dass die "Schwarze Null" für das Geschäftsjahr 2020 zu Pfingsten ins Rot kippte, erklärte der Unternehmer den beiden ebenfalls gekommenen Landtagsmitgliedern Stephan Hösl (CDU) und Gerhard Liebscher (Grüne). "Wird die angekündigte staatliche Hilfe nicht schnell ausgezahlt, ist Mitte, Ende Juli der Zeitpunkt, an dem ich beginnen müsste, meine Partner und Kunden zu betrügen. Das werde und will ich aber nicht tun. Die Leute müssen keine Angst haben, die Hygienekonzepte sind gut. Aber 50 Prozent unserer Klientel hat noch Sorge und will nicht verreisen, von der anderen Hälfte wollen viele erst auch mal noch abwarten. Dazu kommen bundeslandspezifische Ungleichheiten", machte Kaden den Politikern klar.
Wenn er von Plauen über die A9 nach Berlin fahren will, bedeute dies, dass in Sachsen vier Plätze im Bus leer bleiben müssten (die ersten Reihen rechts und links des Ganges, weil der Fahrer ohne Maske fahren muss), in Thüringen dürfte er nur die Hälfte des Busses besetzen, in Sachsen-Anhalt dürften theoretisch nur sechs Fahrgäste mitfahren und in Brandenburg könne er den Bus voll laden, verdeutlicht Kaden einen für Busunternehmer völlig widersinnigen föderalen Flickenteppich. "Ich denke, da wird es zeitnah eine Lösung geben", gab sich Stephan Hösl optimistisch und sprach damit seinem Landtagskollegen Liebscher aus dem Herzen. Letzterer bat noch um ein wenig Geduld was die rückzuzahlenden Stornokosten an die Kunden betreffe. Denn natürlich wollten diese ihre Anzahlungen beziehungsweise Reisezahlungen vom Reiseunternehmen zurück haben. Der Freistaat werde hier für angefallene Stornokosten einspringen und derzeit wird jeder einzelne Fall geprüft, so Liebscher. Darauf wartet Kaden derzeit noch, aber wichtiger wäre ihm noch eine schnelle Hilfe des Bundes. "Uns wurde am Mittwoch versprochen, dass es 170 Millionen Euro geben werde, um Bus-Ausfallkosten wie Versicherung, Kredite, Steuern und Mieten für die Garagenhallen auszugleichen.
Wir müssen dieses Geld derzeit erst einmal vorstrecken, das macht uns sehr zu schaffen", so Kaden, der betont, dass sich demnächst ein Mangel an Busfahrern ankündigt. Er kenne eine ganze Menge Busfahrer, die mittlerweile auf den Sitz eines Lkw gewechselt seien.
Dennoch hatte Kaden auch Lob für die Politik parat - der versprochene Bundeszuschuss sei wirklich rasch und unbürokratisch ausbezahlt worden. Dennoch sei es für ihn eine Ungerechtigkeit, dass Großfirmen mit Milliardenhilfen gestützt würden und die 3.500 rein in der Reisebranche tätigen Busunternehmen noch immer auf Hilfen warten müssten. Die "Querdenker"-Bürgerbewegten hörten dem Unternehmer bei seiner Rede ebenfalls genau zu. Man wolle auf die Menschen aufmerksam machen, die durch die Verantwortungsträger infolge der Corona-Krise scheinbar vergessen wurden, hieß es aus Kreisen der Bürgerinitiative. Auf Bannern forderten diese eine Stärkung der regionalen Wirtschaft durch Kaufen in lokalen Geschäften und bei regionalen Handwerkern. Zudem wurde auch die befürchtete Bargeld-Abschaffung thematisiert - durch die plakative Aufforderung, in bar zu zahlen. Man grenze sich deutlich zu extremistischen Geisteshaltungen ab, verkündete BI-Sprecher Michael Kober bereits zu Beginn der Veranstaltung. Einschlägige Rechtsextremisten wurden unter den Demonstranten nicht gesichtet.
Auf der Gegenseite standen Vertreter von SPD, Grünen und der Linksjugend an einem Stand und wollten ein "Gegenprogramm" zu den Protestlern anbieten.
Zur Sicherheit war die Polizei mit drei Einsatzfahrzeugen vor Ort. Es gab keinerlei Zwischenfälle.