Für Plauen Sachverstand einbringen

Wenn der Fraktionsvorsitzende von FDP/Initiative Plauen im Stadtrat das Wort ergreift, dann ist für die meisten Stadträte klar: Sven Gerbeth wird einmal mehr den Konsens suchen, das Für und Wider abwägen, ohne den eigenen Standpunkt außen vor zu lassen. Kommunale Probleme parteienübergreifend im Sinne der Bürger zu lösen, hat sich die FDP und ihr Spitzenkandidat auch im Wahlkampf auf die Fahnen geschrieben.

Plauen - Die Partei, in die Sven Gerbeth 1982 eintrat, werden einige nur noch aus dem Geschichtsbuch kennen: die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands, kurz LDPD und in der DDR eine der Blockparteien, mit der der Anschein von Demokratie gewahrt werden sollte. Einen Einfluss auf das Wahlergebnis hatte sie nicht. Das wusste auch der damals 19-jährige Sven, als er ein Jahr nach dem Abi an der damaligen EOS "Erich Weinert" in Plauen "Liberaler" wurde. "Mein Großvater war Gewerbetreibender, mein Vater auch, etwas anderes wäre für mich gar nicht in Frage gekommen", sagt er rückwirkend. Natürlich wechselte er nach der Wende in die Partei Genschers, wie die FDP von vielen im Osten genannt wurde. "Und da werde ich wohl auch bleiben", ist Gerbeth überzeugt. 

 

"Bin kein Parteisoldat"

Die Zusammenarbeit mit der Initiative Plauen in einer gemeinsamen Fraktion sei ganz gut gelaufen, sagt er. Und dass es keine Denkverbote gab und gibt. "Auch in der FDP sind wir nie einer einhelligen Meinung zu Problemen. Dafür machen wir Kommunalpolitik, da sollte es nach Sachverstand gehen und nicht danach, wer welchen akzeptablen Vorschlag einbringt." Und er selbst sei auch nicht der Parteisoldat - das wisse man auch in Dresden, fügt er schelmisch grinsend an.

 

Unkonventionelle Sicht

Für eine eher kleine Partei wie die seine habe es schon einiger Anstrengungen bedurft, geeignete Kandidaten zu finden - umso froher sei man, 22 Personen ins Rennen schicken zu können - Altgediente, die den Parlamentsbetrieb kennen und neue, von denen Gerbeth hofft, dass sie unkonventionelle Sichtweisen einbringen. Ältere und jüngere Plauener, welche mit Parteibuch, einige auch ohne. Jan Mielcarski nennt er namentlich, Anfang der 80er Jahre geboren und stark sehbehindert. "Da steht die Verwaltung vor einer echten Herausforderung, Jan mit den entsprechenden Unterlagen auszustatten, und ein zweites Mal spielt ein breites Lächeln um seinen Mund. Mit dem auch durch und mit Hilfe seiner Partei in der zu Ende gehenden Legislaturperiode Erreichtem, möchte er sich nicht lange aufhalten. Denn zu tun bleibe noch genug. Ein Thema werde sein, den Stadtteilen und Ortsteilen die ihnen gebührende Aufmerksamkeit - nicht nur verbal - zuteil werden zu lassen. Plauen habe ein attraktives Zentrum, "aber schon paar Seitenstraßen weiter sind die Fußwege in jämmerlichem Zustand. Da muss was passieren", fordert Gerbeth. Und weil er sich gerade an der Innenstadt reibt: "Es muss Schluss sein mit der Zweiteilung - also weg mit den Pollern und Schaffung einer Querung über die Bahnhofstraße. Wenn nicht gleich und sofort, dann wenigstens als Ziel." "Ihr seid doch die Regierungspartei", höre er zuweilen in Anspielung darauf, dass auch der OB FDP-Mitglied sei. Dass mit der Mitgliedschaft stimme schon, aber berechtigte Kritik bekommt er auch von uns zu hören", sagt Gerbeth. 

Die Straßenbahn als ökologisch vorteilhaftestes Verkehrsmittel gelte es nicht nur zu erhalten, sondern möglichst auszubauen - Richtung Schöpsdrehe. Damit wäre der Plauen Park verkehrstechnisch besser erschlossen und auch das Gewerbegebiet, auf das er hofft. Die Ortsteile möchte die FDP nicht nur mit höheren finanziellen Mitteln ausstatten, sondern auch deren teilweise gravierenden Verkehrsprobleme lösen. "Jößnitz, Straßberg, Oberlosa gehören enger an das ÖPNV-Netz angebunden." Und auch die vermeintlichen Kleinigkeiten liegen ihm am Herzen. Aufgrund von Schulschließungen müssen Schüler eine längere Fahrt mit dem Schulbus auf sich nehmen - aber nicht jeder habe einen Sitzplatz. 

 

Mit Argumenten streiten

Eine ausreichende Arztversorgung in den Ortsteilen, ein wohnortnaher Sparkassenbesuch oder Teilnahme am schnellen Internet stehen ebenfalls auf der Agenda der Liberalen. Und natürlich das ureigenste Thema der FDP: Die Erschließung weiterer Gewerbegebiete, um jungen Menschen die Entscheidung fürs Hierbleiben zu erleichtern, die Förderung regionaler Betriebe, des Mittelstandes und des Handwerkes. "Die Gewerbesteuer muss in der Region bleiben", fordert Gerbeth. Und: man müsse "sorgsam darüber nachdenken" wie die Unternehmen hinsichtlich Steuern und Abgaben entlastet werden können.

Im neuen Stadtrat werden auch Vertreter der AfD sitzen - "wir werden die Auseinandersetzung inhaltlich führen und gegen die Positionen streiten, die wir nicht teilen. Eine Ausgrenzung wertet die Partei nur zusätzlich auf", macht Gerbeth die Position der FDP in der künftigen Legislaturperiode deutlich. T. Piontkowski