Fünf Vogtländer schreiben Erfolgsgeschichte

 

Ebmath - "Wirtschaftswunder". So heißt ein Buch von Josef Heinrich Darchinger. Dieses steht bei Steffi Bauer im Büro. Sie muss es zusammen mit ihrem Vertriebsleiter Rene Schindler auswendig gelernt haben. Denn was die kleine Firma Bauer, gerade einmal fünf Mann stark, auf die Beine oder besser gesagt auf den Markt gestellt hat, gleicht einem Wirtschaftswunder.

 

Vom beschaulichen Ebmath aus erobert die Firma die Mobilfunkwelt - zumindest erst einmal die in Deutschland. Die Luft ist eiskalt im Eichigter Ortsteil Ebmath. Die Sonne scheint und bringt den Schnee zum Glitzern. Eine SMS aufs Handy sagt einem: "Willkommen im tschechischen Mobilfunknetz". So weit steht das schmucke rote Rittergut an der tschechischen Grenze. Der Firmensitz der Firma Bauer. Um Mobilfunk geht es bei diesem noch jungen, aber umso erfolgreicheren Unternehmen. "Ja. Tschechien. Passiert hier", lacht Rene Schindler. Er ist Vertriebsleiter seit Beginn an. Das war 2001. Zusammen mit Steffi Bauer hat er die Firma aufgebaut. Ein Mobilfunk-Unternehmen. Eins wie viele andere auch. Aber dennoch völlig anders.

 

"Ich habe an der Berufsakademie in Plauen BWL studiert und nebenher im Mobilfunkbereich gejobbt", sagt Steffi Bauer. "Eines Tages kam die Idee, die eigene Firma zu gründen", spricht sie über die Anfänge. "Eine Firma, die sich als Mobilfunkmakler versteht." Und das wohlgemerkt noch während des Studiums. Das Praktikum machte sie quasi in der eigenen Firma. In Rene Schindler fand sie von Anfang an einen verlässlichen Partner. Team von Obama ausgerüstet Vor noch nicht einmal neun Jahren war das. Die Inhaberin hat gerade einmal die 30er-Grenzer angerissen und strahlt jetzt mit der ins Bürofenster einfallende Wintersonne um die Wette. Natürlich ging alles klein los. "Wir haben erst kleine Unternehmen vom Handwerker bis zum Bäcker mit Handykarten und Telefonen ausgerüstet. Dann kamen größere Speditionen dazu. Sicherheitsfirmen und Organisationen. Und irgendwann waren wir im Geschäft", sagt Schindler. Es sei sicher ein wenig Glück gewesen, in einer Marktlücke gestoßen zu sein. Aber Glück verdient sich nur der Tüchtige.

 

"Wir haben nicht auf Arbeit gewartet. Wir haben sie uns beschafft", sagt er. "Heute haben wir 250 000 aktive Handykarten im Umlauf und betreuen von A bis Z 1500 Geschäfts- und Privatkunden in der gesamten Republik." Und täglich werden es mehr. Eng zusammen arbeiten die Vogtländer mit zwei großen Anbietern. Dort sind sie längst Premiumpartner, versteht sich. Im vergangenen Jahr erwirtschafte das Unternehmen einen Umsatz in Millionenhöhe. Wer kann das als Fünf-Mann-Betrieb im Vogtland von sich behaupten? Richtig. Wenige. Bauer können es.

2006 stand dann der große Umzug an. Die Firma wurde von Plauen nach Ebmath umgesiedelt. Das völlig runter gekommene Rittergut des Ortes wurde gekauft und von Grund auf saniert. Entstanden ist ein herrliches Kleinod, das schon beim Anblick wohlige Wärme ausstrahlt - selbst bei minus 20 Grad vor der Haustür.

Der Aufschwung setzte sich auch in neuen Räumen fort. Und er erreichte ungeahnte Höhen. 2008 rüsteten die Vogtländer die Polizeigewerkschaft in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Berlin aus. Rund 35 000 Handys mit speziellen SIM-Karten wurden an die Beamten verteilt. Die können so untereinander und zu ihren Dienststellen kostenlos telefonieren. "In Deutschland gibt es noch keinen Digitalfunk. Das kam uns zu Gute. Die Polizei hat überlegt, wie sie das Manko ausgleichen können. Wir haben ihnen die Lösung geliefert und die Gewerkschaft hat zugeschlagen", so Schindler.

 

Ein Glücksgriff für die Ebmather und die Polizei. Das so genannte GDP-Phone hat eingeschlagen. Monate später wollten auch die Polizisten aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen nicht mehr ohne Bauers auskommen. "Mittlerweile sind 67 000 solcher Polizei-Telefone im Umlauf", sagt Schindler nicht ohne Stolz. Doch Stillstand ist nicht erlaubt. "Wäre schön, wenn wir alle deutschen Polizisten ausrüsten könnten. Einige Bundesländer fehlen noch." Alles klar, Herr Kommissar!

Der gute Service und der gute Preis sprachen sich schnell herum. Die Bauers waren wer auf dem Markt. Deutlich wurde das im Sommer vergangenen Jahres. Der Obama-Besuch in Dresden stand an. "Wir bekamen einen Anruf vom Innenministerium. Obamas Sicherheitsleute brauchten Handykarten für die Verständigung untereinander. Der Bitte kamen wir gern nach. Das war vom Image her gewaltig." Leidenschaft Merkur Oelsnitz Was in der Wirtschaft klappte, wollen Bauers nun auch im Fußball versuchen - die große Leidenschaft von Bauer. Fußball verbinden sie mit Merkur Oelsnitz. Dort ist das Unternehmen seit zwei Jahren Hauptsponsor und unterstützt der Verein mit einer nicht unerheblichen Summe. "Wir wollen bei Merkur etwas erreichen. Es ist ein Traum von uns, in Oelsnitz etwas entstehen zu lassen", sagt Schindler, der im Verein im Verwaltungsrat sitzt und für das Marketing verantwortlich ist. Einen weiteren Schritt hat Merkur mit der Verpflichtung von Steve Gorschinek und Daniel Fröhlich vom VfB Auerbach gemacht. Das sorgte selbst überregional für Aufsehen.

 

Bezirksliga heißt das Ziel in dieser Saison. Dann wolle man weiter sehen. Und vielleicht gelingt ihm mit Merkur ein ähnliches Wunder. Das wäre kein wirtschaftliches, sonder ein sportliches. Das Unternehmen Bauer benötigte von unten nach oben nur wenige Jahre. Und Merkur? Vielleicht schreibt darüber mal irgendeiner ein Buch. Steffi Bauer hätte noch Platz neben ihrem von Josef Heinrich Darchinger.

Von Thomas Nahrendorf