Fünf Jahre Haft für Prügelattacke

Auf weitere Umarmungen seiner kleinen Tochter, die sich gestern kurz vor der Urteilsverkündung regelrecht an ihn klammerte, wird Andre Sch. wohl jetzt eine ganze Weile verzichten müssen.

 

Für fünf Jahre schickten die Richter der Ersten Strafkammer des Zwickauer Landgerichtes den Plauener hinter Gitter. Verurteilt wurde er, weil er seine Lebensgefährtin in ihrer eigenen Wohnung bedroht, seinen halbseitig gelähmten Schwager krankenhausreif geprügelt und sich schließlich auch noch der Festnahme mit Gewalt widersetzt hatte. Wieder einmal hatte der 29-jährige Bauhelfer zu tief ins Glas geschaut, als er am Abend des 1. August 2008 bei seiner Lebensgefährtin auftauchte.

Im alkoholisierten Zustand soll er der gemeinsamen neunjährigen Tochter mit einem Beutel gefrorenen Reises auf den Kopf geschlagen haben. Als seine Freundin eingriff, drohte er ihr, sie umzubringen. Doch anstatt sofort die Polizei zu holen, rief sie in ihrer Not ihren behinderten Bruder an. Für den jungen Mann, der den Streit schlichten wollte, wurde der Abend zu einem regelrechten Martyrium.

Mit Händen, Stuhl- und Tischbeinen soll der Angeklagte auf ihn eingeschlagen haben. Mit zahlreichen Brüchen, Schädelfrakturen und Verletzungen an den Augen war sein Zustand lebensbedrohend. Folgeschäden können bis heute nicht ausgeschlossen werden. Vor Gericht hatte der Angeklagte sein Verhalten als Abwehr darstellen wollen, so soll ihn sein Schwager, wegen seiner Behinderung ohnehin schon stark in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt, gewürgt haben.

Erst nach dieser Provokation sei er ausgerastet. Das nahm ihm das Gericht nicht ab. "Vielleicht hat er den Hals mit der Hand berührt, mehr aber auch nicht", sagte Richter Klaus Hartmann.

Um die drohende Verurteilung wegen versuchtem Totschlags, kam der mehrfach vorbestrafte Andre Sch. nur herum, weil ihm der Tötungsvorsatz an seinem Schwager nicht nachzuweisen war und er zum anderen freiwillig von seinem Vorhaben, seine Freundin zu töten, abgelassen hatte.

In das Urteil floss eine noch nicht verbüßte Vorstrafe des Amtsgerichtes Plauen ein. Allerdings geht die Kammer davon aus, das Andre Sch. auch nach seiner Haftentlassung unter Alkoholeinfluss erneut straffällig werden könnte. Daher muss er, bevor ins Gefängnis geht, eine Therapie im Maßregelvollzug machen. Doch dazu bedarf es seiner Kooperation, wie Richter Hartmann sehr deutlich sagt.

 

Ein Jahr ist für den Entzug vorgesehen, dauert es länger, weil der Angeklagte nicht mitarbeitet, schadet er sich selbst. Ab dem 365. Tag der Entziehungskur verlängert sich auch die Haftzeit entsprechend. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.  F. Dörfelt