Frühstück am Grenzturm

Die ersten Bilder des Tages kamen aus dem Vogtland: Die Ministerpräsidenten von Sachsen und Bayern trafen sich am 30. Tag der Einheit in Heinersgrün - in aller Frühe.

Weischlitz/Heinersgrün - Zu einem "Einheitsfrühstück" am 30. Jahrestag der Wiedervereinigung trafen sich im Beisein der Landräte aus Hof und dem Vogtland sowie des CDU-Landtagsmitgliedes Andreas Heinz die Ministerpräsidenten der Freistaaten Bayern und Sachsen, Markus Söder und Michael Kretschmer am einstigen Grenztum in Heinersgrün, einem Symbol der deutschen Teilung, das derzeit renoviert wird und später zur Außenstelle des deutsch-deutschen Museums Mödlareuth gehören wird.
Bei Knackern und Brezeln, die man im nahe gelegenen Globus-Markt um fünf Uhr morgens trotz Feiertags frisch produziert wurde, wurden unter gehörigem Medieninteresse Gedanken zum Tage ausgetauscht.
"Es war der Mut der Menschen im Osten, der den 3. Oktober 1990 - den Glückstag in unserem Heimatland - erst ermöglicht hat. Viele Bayern haben immer an Wiedervereinigung geglaubt und für sie und auch für mich ist es der schönste Feiertag der Geschichte", erklärte der Bayern-Regent hinter der blau-weißen Mund-Nasen-Maske.
Dabei ließ Söder wissen, der die Idee zum kleinen Treffen in Corona-Zeiten als Ersatz für ganz große Partys geäußert hatte, dass es ihm ein persönliches Anliegen sei, diesen Tag besonders zu begehen, nicht nur weil sein Großvater aus Leipzig stamme. Er betonte, wie wichtig die Wiedervereinigung bis heute sei. "Hier in Bayern arbeiten viele Sächsinnen und Sachsen, die einen selbstverständlichen Anteil am Zusammenwachsen unseres Landes haben", so Söder.
Er gestand aber auch ein, dass es vor allem im der Anfangszeit einige Fehler gab, auch weil im Westen die Lebensleistung der Menschen in der DDR nicht korrekt eingeschätzt wurde.
Zudem hätten politische Schwergewichte von einst die Gunst der Stunde genutzt, betonte Bayerns Ministerpräsident, der namentlich Michail Gorbatschow, George Bush sen., Helmut Kohl und Franz-Josef Strauß namentlich erwähnte. "Der gesamte Umbruch passierte, ohne, dass ein Schuss gefallen ist, dafür müssen wir sehr dankbar sein", sagte Söder und kritisierte, dass einige politische Kräfte bewusst alles schlecht reden würden.
Früher sei das vor allem die SED- Nachfolgepartei gewesen, heute habe die AfD diese Argumentation übernommen. Dabei müsse man voll Respekt und Dankbarkeit den Menschen im Osten gegenüber sein, die nicht nur die Wende sondern auch einen schweren Wandlungsprozess der Gesellschaft hervorragend gemeistert hätten.
Michael Kretschmer betonte, dass die deutsche Einheit ein Produkt der Menschen der DDR gewesen sei. Er erinnerte an die unglaublichen Veränderungen, die man angenommen und neu gestaltet habe. Er dankte auch den Menschen in der alten BRD, die eine große Solidarleistung gebracht hätten, wie es sie in der Geschichte Deutschlands noch nie gegeben habe. "Nun müssen wir aber voller Dankbarkeit in die Zukunft schauen. Ziel muss es sein, die Strukturen der Regionen weiter zu stärken, weil hier Identität und Heimatgefühl entsteht", betonte Sachsens Landesvater.
Unter den Gästen war auch Brigitte Wunderlich, die sich als "Fan der deutschen Einheit" outete, weil ihr die Wiedervereinigung nur Gutes gebracht habe - dafür sei sie sehr dankbar und wolle ehrenamtlich auch etwas zurückgeben. Sie überreichte den Ministerpräsidenten ein Fläschchen Sekt mit einer Widmung des Fördervereins der Wallfahrtskirche "St. Clara" Heinersgrün, die einst im deutsch-deutschen Niemandsland stand und verfiel. Seit 1992 fühlt sie sich nach eigenen Worten dem Kirchlein verpflichtet, das mittlerweile wieder hergerichtet ist und jüngst zu einem Bläsergottesdienst mit 50 Musikern einlud - unter dem Motto "Posaunen blasen für die Freiheit".
Landrat Rolf Keil und sein Hofer Kollege Dr. Oliver Bär betonten die Wichtigkeit des Gänsehaut-Momentes der deutschen Einheit und des jetzt mit dem Grenzturm als historischem, gemeinsamen Ort entstehenden Gedenkens. ecki